Schönhauser Allee wird kinderfreundlicher

Verkehr: Kindergartenkinder werden in Initiative für mehr Fahrradfreundlichkeit einbezogen.

Den Knotenpunkt Eberswalder Straße/ Ecke Danziger Straße kennt wohl jeder in Berlin. Metro, Tram, Auto und Fahrrad teilen sich hier die Fahrbahn. Fußgänger, Kinderwagen und Rollator den Bürgersteig. Das Verkehrsaufkommen ist hoch, die Verkehrsteilnahme gefährlich. Aus diesem Grund gründete sich 2016 die Schönhauser-Rad-Allee, eine Händlerinitiative, die mit verschiedenen kooperativen Serviceleistungen das Einkaufen mit dem Rad angenehmer gestalten will (das Berliner Abendblatt berichtete).

Fahrradfreundliches Einkaufen

Unterstützt werden die bislang 15 teilnehmenden Geschäfte von dem Forschungsprojekt „2Rad-1Kauf-0Emission“ der Fachgebiete integrierte Verkehrsplanung und Stadt- und Regionalökonomie der Technischen Universität (TU). Fördermittel kommen vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Über „qualitative Verbesserungen von Situationen, die typisch sind für einen Einkauf mit Fahrrad“, spricht Susanne Thomaier, wissenschaftliche Mitarbeiterin der TU. Gemeint sind unter anderem bessere Abstellmöglichkeiten, sofortige Pannenhilfe und erleichterter Gepäcktransport. In den teilnehmenden Geschäften können Flickzeug, Luftpumpe und die auffällig türkisene Fahrrad-Einkaufstasche ausgeliehen werden. Einkaufen-Radeln-Flanieren steht darauf. Türkis für mehr Fahrrad. Fahrrad für mehr Sicherheit und Umweltbewusstsein, eine gesunde und saubere Lösung für innerstädtischen Einkaufsverkehr.

Auffällige Warnwesten

Ein Good-Practice-Beispiel, denn fahrradfreundliches Einkaufen ist in Berlin noch immer eher eine Seltenheit. „Die Luftpumpe wird schon ab und zu ausgeliehen“, erzählt Diana Tumm, Floristin im Blumencafe in der Schönhauser Allee. „Hier findet viel Gespräch statt, die Leute finden die Idee spannend.“

Der Kindergarten am Hirschhof in der Eberswalder Straße 10/11 profitiert jetzt auch von der Initiative.  Fast 100 Kinder, von Kleinkind- bis Vorschulalter, verbringen ihre Vormittage im Kindergarten am Hirschhof. „Viele kommen mit dem Fahrrad, dem Laufrad, oder werden im Fahrradanhänger gebracht“, erzählt Leiterin Gabriele Masore-Barz. Die freut sich jetzt über die 40 neuen, total auffälligen Warnwesten, die ihr unlängst von der Händlerinitiative übergeben wurden.

Verkehrssicheres Verhalten

„Wir sind total froh, das Projekt zu unterstützen“, sagt Masore-Barz und freut sich über das neue Gefühl der Kiezzusammengehörigkeit. Im Zuge der Mobilitäts- und Verkehrserziehung lernen die Kinder ein verkehrssicheres Verhalten, auch in einer „anspruchsvollen“ Umgebung wie es die Schönhauser Allee nunmal ist. Einmal im Monat findet ein Ausflug in das nahegelegene Spatzenkino statt. Hier kommen die Warnwesten zum Einsatz. „Die Kinder finden es toll, wenn es leuchtet“, sagt Masore-Barz, die das Erlernen einer Kompetenz zur Selbstständigkeit, auch im Bereich Mobilität, als Aufgabe ansieht.

Erster Schritt

Das Projekt läuft im Sommer 2018 aus. Die TU-Forscher hoffen, dass die Händler eigeninitiativ weitermachen. Davor wird, in Kooperation mit dem Allgemeinen deutschen Fahrradclub, ein Lastenrad installiert, dass kostenfrei und tagesweise ausgeliehen werden kann. Auch wenn die Radwege zu schmal und die komplette Situation verbesserungswürdig ist, sind alle Beteiligten froh, einen ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht zu haben. Floristin Tumm hofft auf den Frühling. „Da fahren dann hoffentlich noch mehr Menschen mit dem Rad.“ Türkise Fahrradtaschen gibt es jedenfalls genug.

Text: Christina Lopinski, Bild: imago/Rolf Zöllner

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