Umsatzeinbruch nach Air Berlin-Pleite

Verkehr: Bis zu ein Drittel weniger Fluggäste – Easyjet will die Lücke füllen.

Mit den neuesten Umsatzzahlen der Berliner Flughäfen spiegelt sich jetzt die Air Berlin-Pleite auch in den Flughafen-Bilanzen wider. Was für lärmgeplagte Reinickendorfer wie ein Segen klingt, dürfte TXL-Fans eher erschrecken: Zwar starteten und landeten auf beiden Airports weniger Flieger, doch während der Rückgang in Schönefeld mit fünf Prozent moderat ausfiel, sank die Zahl der Flugbewegungen in Tegel gleich um rund ein Drittel im Vergleich zu den Vorjahresmonaten.

Mehr Frachtflieger

10.154 Starts und Landungen wurden im November 2017 in Tegel gezählt. Im Vergleich zu Oktober waren das rund 4.700 Flugbewegungen weniger. Über den Zeitraum von Januar bis November gab es auf dem Flughafen im Berliner Norden 164.043 Flugbewegungen und damit ein Rückgang von 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 20,5 Millionen Fluggäste und Tegel und damit 3,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum abgefertigt.

Lichtblick in den TXL-Bilanzen ist der Bereich Luftfracht: Von Januar bis November wurde die Abfertigung von 37.926 Tonnen am Reinickendorfer Airport registriert. Das ist ein Bilanzplus von gut 10,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Wechselhaftes Jahr

Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, kennt die Gründe für die eklatanten Umsatzrückgänge: „2017 war ein sehr wechselhaftes Jahr. Wir hatten Monate mit zweistelligem Wachstum, aber bereits im März einen Einbruch, unter anderem aufgrund von Streiks.“ Insbesondere nach der Einstellung des Flugbetriebs bei Airberlin seien die Fluggastzahlen in Tegel massiv gesunken.

Lückenfüller Easyjet

Nach dem Abschied von Air Berlin versucht Easyjet seit Anfang Januar den Lückenschluss. Seit 5. Januar fliegt Easyjet ab Tegel 19 Ziele in ganz Europa an, davon vier in Deutschland. Allein zwischen Berlin und Düsseldorf sollen es je Richtung 40 Flüge wöchentlich geben, kündigte das Unternehmen an. Auch Ziele wie Wien, Zürich oder Rom werden ins Programm genommen. Damit erwächst der Lufthansa-Tochter Eurowings ein ernsthafter Konkurrent im Billigsegment.

Easyjet verstärkt damit den Wettbewerb. Das britische Unternehmen hat schon in Berlin-Schönefeld zwölf Maschinen stationiert und bietet von diesem Standort aus 51 Strecken an. Bis Sommer wollen die Briten in Tegel jene 25 Maschinen einsetzen, die sein von der insolventen Air Berlin übernommen hatten. Tegel wird damit nach London-Gatwick der zweitgrößte Standort des Unternehmens.

Neue Wachstumsziele

Easyjet will nach dem Kauf von Teilen der insolvent gegangenen Air Berlin die Kapazitäten in ganz Deutschland mehr als verdoppeln. Bis Oktober 2018 wolle man 18 Millionen Fluggäste befördern, sagte Easyjat-Europachef Thomas Haagensen anläßlich des Starts des ersten Fliegers von Tegel.

Text: Stefan Bartylla, Bild: Günther Wicker, Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH

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