Montessori-Schüler schlagen Alarm

Noch immer keine Lösung in der Standortfrage.

„Wir sind hier und wir sind laut, weil ihr uns die Schule klaut!“, schallte es vom Vorplatz des Reinickendorfer Rathauses am Abend der Januarsitzung der Bezirksverordnetenversammlung. Hunderte von Schülern, Lehrern und Eltern hatten sich hier versammelt, unterstützt von lärmenden Rasseln, Tröten und Trommeln stimmstark für den Standort der Montessori-Schule in Reinickendorf zu demonstrieren.

Wechsel steht bevor

Im jetzigen Haus in Heiligensee kann die Privatschule mit den rund 180 Schülern nämlich nur noch bis zum kommenden Schuljahreswechsel bleiben. Dann sollen in dem Gebäude an der Stolpmünder Straße 212 Schüler der neunten und zehnten Klasse der öffentlichen Albrecht-Haushofer-Schule unterrichtet werden. Obwohl dieser Transferplan bereits seit drei Jahren bekannt ist und mehrfach zugunsten der Montessori-Schule verschoben wurde, spitzt sich jetzt die Raum-Situation für die Montessorischüler zu.

Noch keine Lösung

Norbert Iseke vom Elternbeirat der Montessorischule nennt die aktuelle Dramatik der Standortdiskussion. „Wir haben uns zwar noch nicht wirklich damit abgefunden, die Schule in der Stolpmünder Straße zum Schuljahresende räumen zu müssen, dennoch müssen wir uns ganz dringend mit Alternativen befassen. Aktuell sind wir wirklich verzweifelt und brauchen dringend eine Lösung“, adressiert der Elternvertreter seine Forderung an Bezirks- und Landespolitik.

Keine gute Alternative

Ein Schulgebäude im Citè Foch war noch vor einiger Zeit als Ausweichstandort für die Montessori-Schule vorgesehen. Das Haus musste aber als Flüchtlingsunterkunft bereitgestellt werden. „Der Standort war eine Option, an der wir schon sehr nah dran waren. Dort ist aber aufgrund des Sanierungsbedarfs die Durchführung von Unterricht derzeit nicht möglich. Auch die Diskussionen um die Begehrlichkeiten von Bezirk und Senat machen wenig Hoffnung“, schätzt Iseke die derzeitige Situation ein.

Lösungssuche auf allen Ebenen

Reinickendorfs Stadtrat Tobias Dollase (parteilos, für die CDU) nennt an diesem Abend seine Sichtweise zu den Planungen. „Als Verwaltung sind wir zunächst den Schülern der öffentlichen Schulen verpflichtet. Das Bezirksamt ist der Privatschule bereits zwei Jahre lang entgegen gekommen, in dem wir das Schulgebäude vorübergehend zur Verfügung gestellt haben. Der Vertrag sah zunächst nur ein Jahr vor, dann haben wir um ein Jahr verlängert“, resümiert der Stadtrat und verweist auf die Eigenverantwortung der Träger. „Wie alle anderen Privatschulen ist auch die Montessori-Schule als Schulträgerin dafür zuständig, geeignete Räumlichkeiten zu finden“, so Dollase.

Sollte keine Lösung für die Montessori-Schule gefunden werden, könnte die ohnehin angespannte Schulplatzsituation im Bezirk um eine beträchtliche Quote steigen. Die bis zu 180 Montessorischüler müssten dann mit öffentlichen Schulplätzen versorgt werden. Eine Situation, die niemand will – zumal Schüler und Eltern den selbstbestimmten und integrativen Charakter der Montessori-Konzeptes schätzen. In Montessori-Schulen werden zudem auch die Belange von behinderten Schülern in besonderem Maße berücksichtigt.

Mit diesen Alternativen befassen sich inzwischen auch alle Fraktionen der BVV sowie Politiker auf Berliner Landesebene. Stephan Schmidt von der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus brachte jetzt auch die Nutzung das TetraPak-Verwaltungsgebäude in Heiligensee ins Gespräch. “Ich bin mit dem Eigentümer in Kontakt getreten. Vielleicht ist hier eine Zwischenlösung möglich”, lautete seine Ankündigung an diesem Abend via Facebook. In der Bezirksverordnetenversammlung selbst wurden weitere mögliche Ausweichstandorte in der Nähe des S-Bahnhofes Wittenau sowie auf einem Industriegelände in Tegel ins Gespräch gebracht.

Bild und Text: Stefan Bartylla

WEITERSAGEN