Ausgeträumt: Kiez-Bar musste schließen

Besitzer kämpft um Erhalt des „Maluma Dreams“ im Wedding.

Cocktails, Kochbananen, dazu Live-Musik: das Maluma Dreams war 17 Jahre lang die Anlaufstelle für alle auf der Suche nach einer Kiezkneipe mit exotischem Flair. Von Lebensfreude und Exotik, die hier noch bis vor wenigen Wochen allabendlich herrschten und nicht zuletzt vom Besitzer, Emmanuel Akakpo selbst, versprüht wurde, ist heute nichts mehr zu spüren.

Die Türen zum Maluma Dreams sind verrammelt, einzig das bunte Schild lässt erahnen, wofür die Kneipe noch bis kurz vor Weihnachten stand. „Der Gedanke an die jetzt so kahlen und verlassenen Räume macht mich richtig traurig. Mit der Bar habe ich mein Leben finanziert. Ich stand auf eigenen Beinen. Das Maluma Dreams war nicht nur ein Teil von mir, ich habe dafür gelebt. Jetzt stehe ich vor dem Nichts“, heißt es in der Online-Petition auf dem Portal Change.org, die Emmanuel Akakpo in der vergangenen Woche startete.

17 Jahre

Seit Anfang der 2000er Jahre war er Mieter der Räumlichkeiten in der Torfstraße, unweit des U-Bahnhofs Amrumer Straße. Eigentümer ist die Familie Heinrich, genauer der Oberbürgermeister des bayerischen Freyung Olaf Heinrich (CSU) und seine Eltern. Sie dienten Akakpo abwechselnd als Ansprechpartner während der letzten Jahre. „Statt mit einer Person hatte ich immer mit den dreien Kontakt. Sicherte mir der Vater eine Sache zu, kam vom Sohn wenige Tage später eine Absage“, so der Mieter, der mittlerweile aus dem Wedding nach Reinickendorf gezogen ist.

Gesprächsbedarf gab es einigen in den letzten 17 Jahren. Bereits kurz nach seinem Einzug und der Öffnung der Bar kam es zu ersten kleineren Wasserschäden, 2007 dann zu einem großen Wasserschaden in Höhe von 32.000 Euro. Damals begannen auch die Probleme mit den Vermietern, der Streit, wer für die Unkosten aufkommen solle, führte zur ersten Kündigung seitens der Vermieter-Familie. Sein Auszug konnte verhindert werden, die Kiezkneipe öffnete wieder für Anwohner und Stammgäste. Aber 2011 folgte der nächste Wasserschaden. Fast ein Jahr dauerten die Reparaturen.

Kein Umsatz

In dieser Zeit gewährten die Vermieter eine Mietminderung; der Laden aber blieb zu. Akakpo konnte keinerlei Umsatz machen, übernahm die Kosten für die Überholung des Fußbodens und des Schallschutzes seiner Angaben nach selber. 2014 dann der nächste Rückschlag: Die Vermieter kündigten ihm erneut. Akakpo habe unter anderem den Keller ohne Genehmigung ausgebaut und sei zudem erheblich im Rückstand mit den Mietzahlungen. Von rund 56.000 war die Rede.

Akakpo zieht bis vor das Kammergericht, das letztendlich einen Rückstand von 2.300 Euro ermittelt. Es kommt zu weiteren Dialoggesuchen auf beiden Seiten, Mediatoren aus dem Kiez und Regionalpolitiker bieten ihre Hilfe an. Schließlich wendet er sich mit einem neuen Angebot an die Mieter. „Ich habe ihnen die Zahlung von 30.000 Euro angeboten und wollte einen komplett neuen Mietvertrag mit nur einem Ansprechpartner und neuen Konditionen.“

Doch auch dieses Angebot nutzte nichts. Wenige Tage vor Weihnachten musste Akakpo die Bar räumen. Dann kam ihm die Idee eine Online-Petition zu starten. „Innerhalb weniger Tage haben sich mehr als 70.000 Menschen beteiligt. Die Petition hat richtig zugeschlagen. Nun hoffe ich, dass sich etwas tut. Immerhin habe ich 17 Jahre investiert, um den Laden aufzubauen. Doch ganz so einfach scheint der Fall nicht zu sein.

Schwelender Konflikt

Denn auch die Vermieter meldeten sich bald nach Veröffentlichung der Petition. Und auch auf eine Anfrage des Berliner Abendblatts reagierte Olaf Heinrich und sprach erneut von „kontinuierlichen Problemen“ mit dem Mieter und Mietschulden. Auch auf Change.org erklärt er, sie hätten mehr als zehn Jahre „zahlreiche weitreichende Zugeständnisse gemacht. Gleichzeitig wurden wiederholt Zusagen des Mieters nicht eingehalten.“ Die Räumung sei die letzte Möglichkeit gewesen, den Schaden zu begrenzen.

Emmanuel Akakpo hält dagegen und will weiter für seinen Traum kämpfen. „Ich bin mir sicher: das Maluma Dreams kommt zurück!“ Mittlerweile haben mehr als 80.000 Menschen seine Petition unterschrieben.

Text: Katja Reichgardt, Bild: Emmanuel Akakpo, Change.org

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