Immer weniger Platz für Berliner Spatzen

Gärtnerarbeiten am Gendarmenmarkt zerstören Spatzen-Heimat.

Für viele gehören die kleinen, braun gemusterten Vögel genauso zum Stadtbild wie die vielen Dönerläden oder gelben BVG-Wagen. Was die wenigsten wissen: Spatzen sind schon seit Jahren vom Aussterben bedroht und dass sie sich in einer Großstadt wie Berlin niederlassen, ist längst nicht verständlich. Bebauung von Grünflächen und Rodung von Hecken rauben den Vögeln ihren Lebensraum. In London oder München lassen sich die auch als Haussperlinge bekannten Vögel kaum noch sichten.

Platz zum Nisten

Umso wichtiger ist es, ihnen ausreichend Platz zum Nisten und Leben zu bieten. Für beides wählen sie vorzugsweise Gebäudenischen, Büsche oder Sträucher. Sie bieten den kleinen Vögeln, die sich am liebsten in Gruppen niederlassen, ausreichend Schutz vor Feinden und Platz zum Nisten und Ruhen. Genau so einen Ort gab es bisher am Gendarmenmarkt. Und genau hier fanden vor kurzem die für die Spatzenpopulation so gefährlichen Sträucher-Rückschnitte statt. Dass die Pflege der Spatzenheimat ein Thema ist, dass viele bewegt, zeigte die Resonanz auf die Gärtnerarbeiten.

Spatzen in Gefahr

Eine, die sich seit Jahren für die Belange der Spatzen einsetzt, ist Caroline Seige. Sie betreibt unter anderem die Facebook-Seite „Es lebe der Spatz“. Auf ihrem Arbeitsweg kommt sie täglich an den Spatzen-Sträuchern am Gendarmenmarkt vorbei – und entdeckt so auch die Arbeiten an den Büschen. „Zwischenzeitlich leben hier rund 70 Haussperlinge, in der Brutzeit sind es sogar meist noch mehr Vögel“. Die Arbeiten an einem Großteil der Blütensträucher hätten für mindestens die Hälfte der Vögel schwerwiegende Folgen.

Sie hätten damit schlichtweg ihren Zufluchtsort verloren. Der Bezirk reagierte mit einer ausführlichen Pressemitteilung auf die Beschwerden der besorgten Bürger. Und auch in der letzten Bezirksverordnetenversammlung (BVV) waren der Schutz von Vögeln allgemein und die Situation am Gendarmenmarkt im Besonderen Thema.

In der offiziellen Mitteilung heißt es dazu: „Für Haussperlinge und Amseln, aber auch andere Vogelarten, sind die Sträucher Unterschlupf, Nist- und Nährgehölz. Sie gesund zu erhalten ist auch ein Gebot des Artenschutzes. Die Schnittmaßnahmen wurden daher vor der Brutzeit durchgeführt. Um den Vögeln ausreichend Unterschlupf und Sitzmöglichkeiten zu erhalten, finden die Arbeiten außerdem nur auf einem Teil der zu pflegenden Grünflächen statt.“ In der BVV spricht auch die Stadträtin für Weiterbildung, Kultur, Umwelt, Natur, Straßen und Grünflächen Sabine Weißler (Grüne) von einem „schonenden Rückschnitt“.

Natur erlebbar machen

Zwar gebe es einen erwiesenen Rückgang der Spatzenpopulation auch in Berlin, die Maßnahmen vor dem Deutschen Dom aber seien aus gärtnerischer Sicht notwendig gewesen. Von einem schonenden Rückschnitt kann ich am Gendarmenmarkt nichts erkennen“, hält Seige dagegen. „In den Büschen befanden sich ganzjährig Ruhestätten zahlreicher Spatzen, denen entgegen gesetzlicher Bestimmung der Lebensraum entzogen wurde. Im Sinne des Natur- und Artenschutzes hätte durch abschnittsweise Schnittmaßnahmen der für die örtliche Population notwendige Lebensraum erhalten werden müssen. Das schreibt das Naturschutzgesetz vor.“

Ihr und vielen anderen Unterstützern der schutzlosen Vögel geht es auch um die Erhaltung der Lebensqualität und darum Natur in der Großstadt erlebbar zu machen. „Noch gibt es in Berlin Spatzen. Wir und die Naturschutzbehörden sollten dafür sorgen, dass sie auch weiterhin ausreichend Lebensraum finden.“

Text: Katja Reichgardt, Bild: imago/Future Image

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