GE-Betriebsrat: Zurück zu alten Stärken

Der Betriebsrat und die IG Metall wollen den Stellenabbau bei GE in Mariendorf verhindern.

Die geplante Streichung von 500 Arbeitsplätzen bei GE Power Conversion in Mariendorf ist noch abwendbar, glauben der Betriebsrat und Klaus Abel von der IG Metall. „Es gibt noch keine Entwarnung“, so Abel, „aber eine reale Chance, noch etwas zu verändern.“ Wie das aussehen kann, dazu haben Abel und der Betriebsrat recht konkrete Ideen. „Zurück zu alten Stärken“, laute die Devise, so Martin Ruess, Vorsitzender des Betriebsrats. Das heißt aber, der Standort muss sich gesundschrumpfen – ganz ohne Arbeitsplatzabbau geht es also wohl auch dann nicht.

Optimistische Stimmen

Anfang Dezember hatte der Konzern bekanntgegeben, im Rahmen von Neustrukturierungen deutschlandweit 1600 Stellen streichen zu wollen, 500 davon in Mariendorf. Beim Treffen des Betriebsrats mit dem Ersten Beauftragten der Berliner IG Metall und der Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) zeigten sich die Vertreter der Belegschaft optimistisch und kämpferisch.

Für den Berliner Standort würden die Konzernpläne die Einstellung der Fertigung bedeuten. Unter anderem werden hier bisher Solar- und Windumrichter hergestellt. Diese Produktion soll aus Kostengründen nach Indien und China verlagert werden. „Die Preise auf dem Markt sind eingebrochen“, so Martin Ruess im Verlauf des Gesprächs.

Betriebsratsvorsitzender Martin Ruess, Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, Klaus Abel von der IG Metall (v.l.n.r.)

Die Meinung des Konzerns, in Deutschland könne nicht mehr marktfähig produziert werden, kann er jedoch nicht teilen: Wenn der Standort sich wieder mehr hin zu kundenorientierten Produkten und weg von Serienfertigung in hoher Stückzahl orientiere, dann gehe das sehr wohl. Damit ist auch die Richtung der Verhandlungsstrategie von Gewerkschaft und Betriebsrat klar: Weg von der derzeitigen Serienfertigung in großen Stückzahlen, hin zur Spezialisierung auf individuellere Produkte. Darüber hinaus müssten die Hierarchien wieder flacher werden und der Standort mehr Möglichkeiten haben, selbstständig zu handeln.

Management kämpft mit

Dass dieses Gesundschrumpfen nicht ohne Arbeitsplatzverluste geht, ist auch der Gewerkschaft und dem Betriebsrat bewusst. „Wir wissen, dass es weitere Abbaumaßnahmen geben wird. Wir hoffen, dass diese möglichst klein sein werden“, so Ruess. In der Führungsetage des Standorts sieht er engagierte Mitstreiter für eine einvernehmliche Lösung. „Das lokale Management kämpft“, sagt er. Dies alles am Ende in dem Weltkonzern durchzusetzen, ist aber eine völlig andere Sache.

Die derzeitige Konzernstrategie sieht vor, am Standort Mariendorf anstelle der Fertigung mehr Schulung für Servicekräfte durchzuführen und einen erheblichen Teil der Verwaltung der GE-Sparte Power Conversion dort zu konzentrieren. Ruess hält es für widersprüchlich, die Sparte ohne fachliches Know-how am Standort zu verwalten.

Bis klar ist, ob der Konzern sich auf Kompromisse einlässt, wird einige Zeit ins Land gehen. „Das wird Wochen oder Monate dauern“, so Martin Ruess. Aus Sicht von Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler ist es jedoch wichtig, dass die Ideen aus Mariendorf ernsthaft diskutiert werden – für GE selbst wie auch für den Bezirk. „Wir wollen in Tempelhof und Schöneberg Industriearbeitsplätze erhalten. Nach den jetzigen Plänen soll all das in Mariendorf stillgelegt werden, was einen Industriebetrieb ausmacht“, so Schöttler. Sie wolle sich für den Standort einsetzen.

Text/Bilder. Oliver Schlappat

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