Es war einmal im Spreepark

Zwei Fans beschreiben Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem Buch.

Mit einem Masterplan für eine Zukunft als Standort für Kunst- und Kultur, den das landeseigene Unternehmen Grün Berlin kürzlich vorgestellt hat, stehen die Zeichen im Spreepark auf Neuanfang. Warum sollte man nicht noch einmal kurz innehalten und die wechselhafte Geschichte dieses scheinbar verwunschenen Ortes Revue passieren lassen, bevor Baumaschinen die Szenerie prägen?

Vielerlei Fragen

Genau das haben die beiden Spreepark-Experten Christopher Flade und Ludwig Neumann getan. Wie kam es dazu, dass die Karussells seit dem Ende des Jahres 2001 stillstehen? Hätte man das verhindern können? Warum fand man so viele Jahre keine Lösung für den einst so beliebten Freizeitpark? Und wie soll es mit dem Areal direkt an der Spree, das in zwei bis zweieinhalb Jahren wieder teilweise zugänglich sein soll, weitergehen?

Diese und viele andere Frage beantworten die Autoren in dem mit 52 Seiten recht übersichtlichen Buch „Spreepark: Lost Place mitten in Berlin“, das jetzt erschienen und für sechs Euro im Handel erhältlich ist. Es erzählt von den bewegendsten Momenten in der Geschichte des im Jahr 1969 als „Kulturpark Plänterwald“ eröffneten Ensembles. Jährlich rund 1,7 Millionen Besucher zählte der einzige Freizeitpark der DDR. Auch die Phase von der Privatisierung in den 1990er-Jahren, als die Publikumszahlen einbrachen, über die Schließung bis zur Gegenwart wird beleuchtet.

Flade und Neumann kennen den Park sehr gut noch aus der Zeit, als er in Betrieb war. Seit der Schließung archivieren sie Erinnerungen für das Portal „berliner-spreepark.de“. Vor 15 Jahren ging die Seite online. Vielleicht fragt sich Flade, 1988 in Tempelhof geboren, manchmal selbst, was ihn noch immer bei der Stange hält. Fest steht: Seine Leidenschaft für den Spreepark begann in frühester Kindheit. Und derlei Prägungen können bekanntlich besonders langlebig sein.

Nostalgie und Angst

„Ich habe die Nachwendezeit dort besonders intensiv erlebt, die Atmosphäre war einmalig“, sagt Flade. Er erinnert sich an den Blick vom Riesenrad über die Baumwipfel, an lustige Clowns, aber auch an angstvolle Momente vor der ersten Fahrt im rasanten Tassen-Karussell. Neben dem nostalgischen Rückblick verbinden ihn heute viele berufliche Stationen mit dem Spreepark. Jahrelang bot er dort Führungen an („Auch als verwunschener Ort ist der Spreepark reizvoll“), wirkte seit 2012 als Animateur beim Sommertheater „Spuk unterm Riesenrad“ mit und produzierte eine DVD zur Historie des Ortes. „Ich bedaure, dass es keinen Neuanfang als Freizeitpark gibt“, sagt er über die aktuelle Entwicklung. „Aber alles ist besser als ein geschlossener Park.“

Für Flade und Neumann ist es nicht das einzige Buchprojekt zum Spreepark. Vor wenigen Jahren führten sie Interviews mit Zeitzeugen und formten daraus eine literarisch-wissenschaftliche Führung durch einen Park in zwei politischen Systemen. Bald warten sie mit einer weiteren Publikation zu ihrem Herzblutthema auf. Im Juni erscheint ihr Buch „Rummel im Plänterwald“: In der 300 starken Chronik präsentieren sie ungewöhnliche Rekorde, Anekdoten und Bilder von dem ungefähr 29,5 Hektar großen Gelände.

Text: Nils Michaelis, Bild: imago/Blickwinkel

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