80 Meter Ur-Mauer gefunden

Heimatforscher und Autor auf historischer Spurensuche.

Die Entdeckung gelang Christian Bormann bereits 1999. Doch bis jetzt hat er sie geheim gehalten. Es geht um etwa 80 laufende Meter innerdeutsche Staatsgrenze vom 13. August 1961 im Urzustand. Das letzte noch existierende Stück Berliner Mauer – Bormann nennt sie Mauer 1 – im Originalzustand. Das heißt: Mitten in Schönholz steht immer noch ein Teil der ersten Generation der Behelfsmauer mit komplettem Antipersonenaufbau: Stacheldraht, Strom- und Alarmdrähte. Selbst die Verteileranschlüsse sind noch vorhanden, schreibt Bormann auf seinem Blog pankowerchronik.de.

Zerstörte Häuser

Dabei handele es sich nicht um einen extra errichteten Mauerstreifen. Wie am 13. August 1961 beim hastigen Mauerbau üblich, wurden Reste zerbombter Mietshäuser in der Schönholzer Schützenstraße mit einbezogen. Die zerstörten Mauerteile wurden mit weißen Steinen wieder aufgemauert, um Lücken zu schließen. Die Kellerzugänge der Häuser wurden gesprengt und mit Trümmern beschwert. Beim Bau der Grenzanlage 1961 wurden lediglich zwei Außenmauern der beim Angriff auf den Verladebahnhof Pankow-Schönholz zerstörten Häuser genutzt. Die Trümmerreste wurden auf Loren in die Schönholzer Heide gebracht und dienen heute gut sichtbar – als Schussfang des Schützengeländes Schönholz.

Bedrohter Zustand

Wie Bormann schreibt, ist es mehreren Zufällen zu verdanken, dass diese 80 Meter Mauer noch stehen. Zum einen befand sich in nur 200 Meter Entfernung der sogenannte Pankower Friedhofstunnel, der mehreren Hundert Menschen die Flucht nach Westberlin ermöglichte. Als er entdeckt wurde, ist der Friedhof teilweise beräumt worden, um eine Grenzanlage mit den bis heute bekannten L-förmigen Teilen der Vorlandmauer zu errichten. Zufall Nummer zwei:

Während die gut sichtbare und allen bekannte Vorlandmauer in den 90er-Jahren abgetragen und auf dem Mauerfriedhof Brehmestraße geschreddert wurde, blieb die echte Berliner Mauer von 1961 auf dem Eckgrundstück Schützenstraße bis heute unerkannt stehen. In Anbetracht des guten, aber von Verwitterung bedrohten Zustands der Anlage und dem Risiko, dass eventuell anrückende Bagger dieses Zeitzeugnis vernichten, meldete Bormann jetzt seinen Fund beim Landesdenkmal- und dem Bezirksamt.

Bild: Christian Bormann Text: Manfred Wolf

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