Diesen Nachbarn steht das Wasser bis zum Hals

Senat ignoriert das Problem des steigenden Grundwassers, das für die nassen Keller sorgt.

Heftige Niederschläge, Dauerregen, Überschwemmungen – mit den Wetterauswirkungen des vergangenen Sommers haben viele Bürger in Reinickendorf immer noch zu kämpfen. Dutzend Häuser wurden geflutet, Keller standen unter Wasser und auf einigen Grundstücken steht das Wasser bis heute noch knietief auf den freien Flächen. Betroffen sind vor allem die Bereiche in den Ortsteilen von Heiligensee, Tegelort und die Mäckeritzwiesen.

Die Pegel sind gestiegen

Grund dafür ist hauptsächlich der in den letzten zwei Jahrzehnten gestiegene Grundwasserstand. Das dafür angelegte Grabensystem sei seit Jahren nicht mehr ordentlich gesäubert und gewartet worden, sodass immer mehr Wasser vor Ort versickern muss, so der CDU-Wahlkreisabgeordnete Stephan Schmidt. Hinzu kommen die großen Regenmengen im vergangenen Jahr sowie reduzierter Wasserverbrauch. Die dadurch entstandenen Schäden an Häusern und Einrichtungen führten vor allem zu hohen Kosten für die Betroffenen, aber auch zu gesundheitlichen Problemen, zum Beispiel durch Schimmel.

Schutz nur auf eigene Kosten.

Die Bewohner sind verzweifelt, denn sie müssen selbst für die Nachrüstungen und Dichtigkeit ihrer Häuser sorgen. „Dem Senat ist das Problem zwar seit Langem bekannt, aber noch hat er nichts dagegen unternommen“, sagt Emine Demirbüken-Wegner, die CDU-Abgeordnete für den Wahlkreis. Die bereits im letzten Jahr angekündigten Gespräche mit den Betroffenen finden derzeit nicht statt, der Senat verweist auf Selbsthilfe. Eine Bürgerin aus Heiligensee wandte sich deshalb an den Petitionsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses – jedoch ohne Erfolg.

Pläne entwicklen

Um die Betroffenen zu unterstützen, will Demirbüken-Wegner mit ihnen gemeinsam einen Maßnahmenplan entwickeln. Der Neubau des zugeschütteten Mäckeritzgrabens wäre ein Teil des Plans. Laut der CDU-Abgeordneten sei es jedoch bereits abzusehen, dass die Anwohner die Kosten im wesentlichen allein tragen müssen, da die aktuelle Regierungskoalition nur sehr wenig Mittel zum Grundwassermanagement vorgesehen habe.

Grabensystem muss verbessert werden

Auch für den Wahlkreisabgeordneten Schmidt sei das Verhalten des Senats alles andere als bürgerfreundlich. „Der Senat muss seiner Verantwortung gerecht werden und darf sie nicht auf die Siedler abwälzen“, findet Schmidt. Als Gründungs- und Vorstandsmitglied des „Vereins für siedlungsverträgliches Grundwasser e.V.“ setzt er sich berlinweit für den Schutz der Bewohner ein und gibt unter anderem Hilfestellungen in technischen und juristischen Fragen. Mittelfristig habe er bereits mit Anfragen an den Senat bewirken können, dass die Funktionsfähigkeit der Gräben verbessert wurde. Seitdem nehme die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz das Problem etwas ernster. Ob das auch langfristig ausreicht, bleibe allerdings abzuwarten, so Schmidt.

In der Zwischenzeit dürfte das Thema die Tagesordnungen zahlloser Sitzungen im Berliner Abgeordnetenhaus und auch die der Reinickendorfer Bezirksverordnetenversammlungen füllen.

Text: Marley Lackermann, Bild: Büro Demirbüken Wegne

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