Radverkehrsplan setzt Projekt-Prioritäten

Ein Paket aus 49 Maßnahmen soll Friedrichshain-Kreuzberg fahrradfreundlicher machen.

Schutzstreifen, Kanalweg-Neugestaltungen, Straßen-Umbauten, neue Abstellflächen: Insgesamt 49 Projekte sieht der Radverkehrsplan für Friedrichshain-Kreuzberg vor, den der Bezirk vorgestellt hat. Einige davon sind bekannte und von der Politik längst beschlossene Pläne, andere sind ganz neu. Wichtig bei alledem ist: Der Plan setzt klare Prioritäten. Die Oranienstraße und die Petersburger Straße stehen ganz weit oben auf der Liste.

Hohe Priorität

Beide sollen komplett fahrradfreundlich umgebaut werden, heißt es in dem Maßnahmenkatalog des Radverkehrsplans. Als Hauptproblem der Oranienstraße wurde die starke Behinderung von Radfahrern durch Parken in der zweiten Reihe, starken Lieferverkehr und zugeparkte Lieferbereiche ausgemacht, insbesondere im Bereich zwischen Moritzplatz und Görlitzer Bahnhof. Die Planungen für den Umbau in diesem Bereich hängen von den Ergebnissen des Verkehrskonzepts Luisenstadt mit ab, danach muss eine Planung für den Umbau folgen. Im Bereich zwischen Moritzplatz und Lindenstraße hingegen gibt es zwar durchgehend Radwege, doch die sind zum Teil in einem schlechten Zustand. Noch in 2018 sollen sie instandgesetzt werden.

Schlechter Zustand

Komplett neu und fahrradfreundlicher gestaltet werden soll die Petersburger Straße zwischen Bersarinplatz und Landsberger Allee – sie ist insgesamt in einem schlechten Zustand. Wann das erfolgen soll, ist noch unklar, da die Planungen auch hier noch ausstehen. Auf der Prioritätenliste des Bezirks steht sie jedoch ganz weit oben. Weitere Projekte mit hoher Priorität sind ein geschützter Radstreifen auf dem Kottbusser Damm und an der Zossener Straße sowie die Asphaltierung der Straßen im Boxhagener Kiez. Auch an den Kanaluferstraßen am Tempelhofer Ufer und Halleschen Ufer sollen möglichst geschützte Radstreifen gebaut werden. Auch sollen mehr Fahrradbügel aufgestellt werden – zulasten von Kfz-Parkplätzen.

Mehrheit radelt

Hauptziel des bezirklichen Radverkehrsplans ist es laut Bezirk, die Attraktivität und die Sicherheit des Radverkehrs zu verbessern. „Damit sorgen wir auch für mehr Gerechtigkeit im Straßenverkehr“, so Florian Schmidt, Bezirksstadtrat für Bauen, Planen und Facility Management. „Schließlich besitzen 80 Prozent der Bewohner unseres Bezirks kein Auto.“ Mit dem Rad würden im Bezirk fast doppelt so viele Wege wie mit dem Auto zurückgelegt. „Gute Radinfrastruktur legt den Grundstein dafür, dass noch mehr Leute aufs Rad umsteigen und sicher, umweltfreundlich und bequem unterwegs sind“, so Schmidt.

ADFC lobt

Großes Lob für den Radfahrplan des Bezirks gab es vom Allgemeinen Deutschen Frahrrad-Club (ADFC) Berlin: Der Beschluss dieses Maßnahmenplans sei vorbildlich, so Nikolas Linck, Sprecher des Clubs, auf Anfrage des Abendblatts. „Häufig ist es ja so – zuletzt auch in Friedrichshain-Kreuzberg – dass BVV-Beschlüsse zur Radförderung lange Zeit ohne Wirkung bleiben, weil das Bezirksamt untätig bleibt.“ Der Beschluss eines Maßnahmenplans habe eine ganz neue Qualität, sei aber auch abslout notwendig, um die Ziele des bevorstehenden Mobilitätsgesetzes auf Bezirksebene Realität werden zu lassen. „Hier kann sich jeder andere Bezirk ein Beispiel nehmen.“ Jetzt gelte es, die Maßnahmen zügig umzusetzen, Dafür müsse der Bezirk ihnen Priorität einräumen.“

Text: Oliver Schlappat/Bild: Imago/Jochen Tack

WEITERSAGEN