Neue Kunst in der City West

Bilder und Zeichnungen von Dinah Busse und Itane Howell in der Galerie JeanMichelBerlin.

Noch bis zum 3. März ist die Galerie JeanMichelBerlin in der Kantstraße 28 Ausstellungsort von Dinah Busse und Itane Howell, zwei Künstlerinnen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Während Busse vor allem Bilder ihrer Berlin-Serie zeigt, liegt der Fokus bei Howell auf der Portraitmalerei. Expressionistisch-bunte Acrylkunst trifft auf anmutige Momentaufnahmen.

Aber nicht nur Motiv und Stil trennen die beiden Frauen. Was sie vor allem unterscheidet, ist das Medium, das sie zum Malen verwenden. Im Gegensatz zu Busses milieu-üblicher Leinwandmalerei hat Howell der Kunst-Konvention abgeschworen. Vor fünf Jahren entdeckte die Modezeichnerin das iPad Mini für sich, seitdem ersetzen knapp 20 Zentimeter Bildschirmdurchmesser und ein „Touch-Pen“ Leinwand, Farbpalette und Pinselset. Michael Steiner, Kurator der Galerie, und Hans Hechler, Inhaber, freuen sich sehr, sämtliche Bilder auf 150 Quadratmetern zu präsentieren. „Das ist eine unserer schönsten Ausstellungen“, sagt Steiner.

Viel Geschichte

Busses Bilder sind groß und pompös, bunt und expressionistisch. Menschen sind kaum abgebildet. Sie inszeniert international bekannte Gebäude der Hauptstadt neu und erzählt dabei eine Geschichte, die vielseitig interpretierbar ist. „Meine Bilder sind Teil eines großen Ganzen. Manchmal sehen Leute das Gleiche wie ich, meistens etwas ganz anderes. Dann wird eine neue Geschichte geschaffen.“ Auch politische Situationen und Themen greift Busse auf, die Unbeständigkeit und den stetigen Konflikt. Offiziell heißt das kritische Bild „Seitenwechsel“, „ich habe es als Frau-Merkel-Bild kennengelernt“, erzählt eine enge Freundin. Steiner schreibt der Bundeskanzlerin eine „unglaublich kreative Phantasie“ zu, die eine bewundernswerte Traumwelt erschaffe.

Tier & Mensch

Konträr dazu lassen sich Howells Bilder, mit dem Individuum als Zentrum, betrachten. Ihre Kunstwerke zeigen vor allem Frauen, die so stolz und anmutig gemalt sind, wie sich ihre Schöpferin zeigt. Selbstporträts? Howell winkt ab. Ihre Inspiration gewinne sie tagtäglich auf den Straßen Berlins. „Wenn ich unterwegs bin und etwas Interessantes sehe, dann mache ich ein Foto, das male ich dann.“ Der Großteil ihrer Bilder ist leicht verschwommen.

Ein Stilmittel, was dem extravaganten Medium ihrer Wahl geschuldet ist. „Ein iPad ist auch auf Transatlantikflügen die perfekte Leinwand“, so Steiner. Howell stimmt ihm zu. Sie habe irgendwann einfach keinen Platz mehr gehabt, in ihrem Atelier. Außerdem wollte sie räumlich nicht mehr so eingeschränkt sein. „Vor ein paar Jahren habe ich das kleine Medium entdeckt. Auf diese Weise bin ich unabhängig.“ Auffällig ist, dass auf fast allen Bildern Tiere zu sehen sind, meistens Hunde. Howell lebt alleine. Trotzdem versteht sie

das Tier als des Menschen besten Freund und gerade in Berlin, so sagt die internationale Künstlerin, gäbe es unglaublich viele Tiere, vor allem Frauen mit kleinen Hunden. Berlin beschreibt sie als „junge Punk-Metropole Europas“, ihren Hauptwohnsitz hat sie mittlerweile in die Hauptstadt verlegt.

Hoffen auf viele Besucher

Obwohl die Konkurrenz auf dem Kunstmarkt „mittlerweile riesengroß ist“, so Hechler, werden dennoch viele Kunstliebhaber in der Galerie erwartet. Ein Aufwärtstrend in ganz Berlin sei zu beobachten. Der Galerieinhaber, der bis vor 3,5 Jahren noch in Frankfurt am Main an der Börse gearbeitet hat, freut sich auch auf Laufkundschaft aus der Charlottenburger Nachbarschaft.

Text und Bilder: Christina Lopinski

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