Problemthema Radfahr-Sicherheit

Nicht nur am Kaiser-Wilhelm-Platz kann es gefährlich werden.

Der Schock sitzt immer noch tief bei den Radfahrern im Bezirk. Der tödliche Unfall am Kaiser-Wilhelm-Platz hat erneut gezeigt, wie verwundbar sie im Berliner Verkehrsalltag sind. Das Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg sieht neben dem Ort des so dramatischen wie alltäglichen Unfalls noch andere Stellen, an denen Änderungen überfällig sind.

Rückblende: Am 23. Januar wurde an der Einmündung Kolonnen- zu Hauptstraße eine Radfahrerin von einem rechts abbiegenden Lastwagen erfasst. Die 53-Jährige wollte gemäß der Fahrbahnmarkierung links abbiegen, der Lkw nach rechts in die Hauptstraße. Dabei schnitt und erfasste er die Frau. Sie verstarb aufgrund schwerster Verletzungen. Kurz nach dem Unfall fand eine Mahnwache an dem Unfallort statt, an der nicht nur etliche Bürger teilnahmen, sondern auch Verkehrssenatorin Regine Günther und der Leiter der Verkehrslenkung Berlin, Axel Koller, der ankündigte, den Unfallort zu entschärfen. Die Fahrbahn soll ummarkiert werden. Der bisher vorhandene, nur 1,2 Meter breite Schutzstreifen für Radfahrer wird auf zwei Meter verbreitert. Somit bleibt für Autos nur noch eine Spur statt bisher zwei. Das Ganze soll im Frühjahr passieren, wenn die Witterung es zulässt.

Entschärfung folgt

Im Prinzip begrüßt die Initiative Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg diese Sofortmaßnahmen, wie Sprecherin Beate Mücke gegenüber dem Abendblatt bestätigte. Wichtig sei jedoch, dass diese auch wirklich umgesetzt würden: Die Initiative befürchtet, sie könnte – wie andere wichtige Bauvorhaben auch – immer wieder verschoben werden. Der Kaiser-Wilhelm-Platz ist nach Einschätzung der Initiative Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg nicht der einzige gefährliche Bereich im Bezirk, in dem für Sicherheit gesorgt werden muss.

Hauptsraße problematisch

So ist laut Beate Mücke die Hauptstraße in weiten Teilen problematisch, da sich Radfahrer und Busse eine Spur teilen müssen – die dann aber auch noch mit Autos zugeparkt ist. „Das zwingt Radfahrer in den engen Bereich zwischen dem fließenden Verkehr und den geparkten Autos“, so Beate Mücke. Also dorthin, wo plötzlich geöffnete Autotüren schlimme Folgen haben können. Erst am 18. Januar war dadurch eine Radfahrerin schwer verletzt worden. Aus Sicht der Initiative müsste hier eine Fahrspur des Kraftverkehrs geopfert werden, um einen geschützten Radfahrstreifen zu schaffen.

Ein weiteres Sorgenkind ist der Tempelhofer und Mariendorfer Damm. Südlich von Alt-Tempelhof gebe es überhaupt keinen Radfahrstreifen auf der stark befahrenen Straße, kritisiert Beate Mücke. Sie selbst meidet den Bereich – zu gefährlich. Vor fast genau zehn Jahren wurde dort eine 14-jährige Schülerin bei einem Unfall mit einem Lkw getötet. Geändert hat das nichts. Im vergangenen Jahr stimmte die Bezirkspolitik einem Einwohnerantrag zu, welcher an dieser Stelle sichere Radwege fordert. „Eigentlich soll das 2018 in Angriff genommen werden“, so die Sprecherin der Initiative. „Aber ob das klappt?“

Text: Oliver Schlappat/Bild: imago/Stefan Zeitz

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