Kälte und Dreck an Spandauer Grundschule

Eltern schreiben Brandbrief / Bezirk kündigt Schulbausanierungsplan an.

Kalte Klassenzimmer, verdreckte Turnhallen und mangelhafte Essensversorgung: Bei der vergangenen Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in Spandau ging es vor allem um Schulen. Im Mittelpunkt stand die Grundschule am Ritterfeld in Kladow. Die Elternvertretung hatte sich mit einem Brandbrief an den Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) gewandt. Weil die Heizung ausgefallen war mussten ihre Kinder in 9 bis 13 Grad kalten Räumen in Mützen und Jacken am Unterricht teilnehmen. Auch der Zustand der Turnhalle wurde kritisiert. Nach einem Brand im Oktober vermutete die Elternschaft eine noch akute Schadstoffbelastung. Nach dem Sportunterricht hätten die Kinder „Ruß an Händen und Füßen gehabt“, heißt es. Den Vorwurf fahrlässiger Körperverletzung weist das Bezirksamt zurück.

Ungünstige Umstände

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Thorsten Schatz spricht von einer „Verkettung ungünstiger Umstände“. Er führt die Situation auf langwierige Prüfungsverfahren zurück. Kleebank weist die scharfe Kritik der Elternschaft von sich: „Der Brandbrief war unnötig, weil die Vorgänge längst in Bearbeitung waren.“ Ein am 23. Januar veröffentlichter Antwortbrief vom Bezirksamt an die Gesamtelternvertretung sollte die Betroffenen beschwichtigen und weitere Vorhaben transparent machen. Die Heizungen in den Klassenräumen seien wieder vollkommen funktionsfähig. In der Turnhalle gestalte sich die Problemlösung komplizierter. „Die Reinigungsarbeiten sind sehr umfangreich und erfordern die Sperrung der Turnhalle.“ Weil Ausweichmöglichkeiten für den Sportunterricht fehlen, würden die Sanierungsarbeiten in den Osterferien stattfinden. Bis dahin soll eine Alternativheizung für ausreichende Raumtemperaturen sorgen.

Problem bekannt

Auch Eltern und Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in der Galenstraße wandten sich an das Bezirksamt. „Die Schule besitzt keine Mensa, nur einen kleinen Hofladen. Die Kapazitäten reichen nicht aus“, erklärt Schatz. In der BVV wurde einstimmig für die Installation eines Imbisswagens optiert. „Leider haben wir keine Beschlusswirkung“, so Schatz. Das Bezirksamt ist mit der Problematik vertraut, die Prüfung der Errichtung eines Imbissmoduls finde aktuell statt. „Es handelt sich bei einem solchen Modul aber keinesfalls um einen Imbisswagen“, so Kleebank. Außerdem würde das Vorhaben einige Zeit in Anspruch nehmen. Schatz ist sich trotzdem sicher, dass diesbezüglich eine zeitnahe Bewegung stattfinden wird:  „Der öffentliche Druck ist groß.“

Folgen des Sparkurses

Der Zustand Berliner Schulen ist überwiegend mangelhaft. Bis 2026 sollen im Zuge der Schulbauoffensive 5,5 Milliarden Euro in die Sanierung und den Neubau von Schulen fließen. Bei einem flächendeckenden Gebäudescan wurde allein in Spandau ein Sanierungsbedarf von mehr als 223 Millionen Euro festgestellt. „Das ist die Folge jahrzehntelanger Sparpolitik und Konzeptlosigkeit“, sagt Arne Schaller von der Gewerkschaft GEW. In Spandau sollen alle Schulen auf Vordermann gebracht werden, so Kleebank. In diesem Monat werde ein Schulbausanierungsplan veröffentlicht.

Text: Christina Lopinski, Bild: Thinkstock/iStock/Jevtic

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