Betreiber und Eltern kämpfen gegen Kita-Aus

Eltern und Mitarbeiter kämpfen für Erhalt des Alegria Kindergartens in der Schmidstraße.

Die Alegria Kita in der Schmidstraße kann man kaum verfehlen. Schon von weitem kündigen laute Kinderstimmen und –lachen von der Kindertagesstätte in der ruhigen Seitenstraße. Seit einigen Wochen weisen auch Plakate und selbstgemachte Banner an der Fassade auf die Kita und ihre Situation hin. „Die Kinder bleiben hier“ ist an einer Stelle zu lesen, oder „Bitte trennt uns nicht von unseren Freunden. Wo sollen wir denn hin?“. Grund für die emotionalen Appelle ist eine Kündigung, die den Kitaträger Alegria Kiga gGmbH am 2. Januar erreichte.

Überraschende Kündigung

Darin ließ das Bezirksamt Mitte mitteilen, dass es den aktuellen Vertrag mit der Kita am Standort Schmidstraße 4 zum 31. Januar 2019 auslaufen lasse. Für die Leiter, Eltern und Kinder ein Schock. „Das Ende der Kita wäre für alle eine Katastrophe“, sagt Standortleiterin Stefanie Conrad. Und Alegria-Geschäftsführerin Carmen Peral Ruiz ergänzt: „Von dem Aus der Kita wären 72 Kinder aus 20 Nationen, 154 Elternteile und 21 Mitarbeiter betroffen. Wir haben den Standort im Jahr 2007 übernommen und seitdem einige Arbeit hineingesteckt. Wir wissen, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen vor allem in Mitte sehr hoch ist und wir würden gerne mehr Plätze schaffen.

Sämtliche Bemühungen der letzten Jahre wurden aber vom Bezirksamt zunichte gemacht.“ Sandra Obermeyer, Bezirksstadträtin für Jugend, Familie und Bürgerdienste, dementiert dies. Sie plant auf dem Areal eine neue Kindertagesstätte mit „mindestens 60 neuen Plätzen“ und einem „bedarfsgerechten Angebot“ für den Kiez. „Bereits seit Jahren steht das Jugendamt Mitte mit dem Träger Alegria e.V. bezüglich des Kitaausbaus am Standort Schmidstraße 4 in Kontakt. Es wurde auch besprochen, dass das Angebot der Kindertagesstätte zu wenig Kinder aus dem Bezirk Mitte erreicht und bezüglich der hohen Zuzahlungen problematisch ist“, heißt es zudem in einer Pressemitteilung.

Vielseitiges Angebot

Für Peral Ruiz und alle Betroffenen sind diese Aussagen eine Zumutung. Die Kita, die sich in dem Bezirksdreieck zwischen Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg befindet, nimmt Kinder aus allen Bezirken auf, genauso wie es die meisten Betreuungseinrichtungen tun. „Laut dem Kindergutscheinverfahren dürfen sich Eltern den Standort selber aussuchen. Die meisten unserer Kinder kommen aber aus der Nachbarschaft. Der Multikulti-Mix, der sich daraus ergibt, macht auch das Konzept der Kita aus. Die Kinder, von denen ein Großteil ohnehin bi- oder trilingual aufwächst, lernen hier Englisch und Spanisch. Dazu gibt es gemeinsame Frühstücke, Musikkurse, Sport und Malangebote. Auch die Mitarbeiter sprechen teilweise drei oder vier Sprachen, einige von ihnen arbeiten seit zehn Jahren in der Schmidstraße. „Der Bezirk hat uns in den letzten elf Jahren immer wieder hingehalten“, so Peral Ruiz.

„Egal, ob es um energieeffiziente Sanierungen oder einen Standortausbau in der Stallschreiberstraße ging“. Im Neubau der Howoge wollte Alegria demnach weitere 45 Kinder unterbringen. Kurz vor dem Vertragsabschluss aber lehnte das Bezirksamt die Erweiterung ohne Begründung ab. Die kritisierten freiwilligen Zuzahlungen gebe es zwar, sie würden aber beispielsweise die Kosten für Mahlzeiten, Zahnbürsten, Windeln und Bastelzubehör komplett abdecken. Die Eltern kämpfen ebenfalls für den Erhalt der Kita. Immerhin müssten sie für ihre Kinder schnell neue Kitaplätze finden, sie aus ihrem gewohnten Umfeld rausreißen. „Abgesehen davon, dass wir die Argumentation des Bezirksamtes nicht verstehen, wäre das Umgewöhnen der Kinder pädagogisch nicht zu verantworten. Viele von ihnen haben hier das erste Mal Freunde gefunden“, so Stefanie Conrad.

Die Hoffnung bleibt

Während Elternsprecher noch hoffen mit einer Online-Petition und Unterschriftensammlungen im Kiez das Ende der Alegria Kita abzuwenden, will Jugendstadträtin Sandra Obermeyer per Bewerbungsverfahren einen Träger finden, der ein „bedarfsgerechtes und zuzahlungsfreies Betreuungs-und Bildungsangebot“ bereitstellt. Bald schon soll das Interessenbekundungsverfahren für den Standort beginnen, Alegria will sich ebenfalls bewerben. Wer die Kindertagesstätte unterstützen möchte, kann online oder vor Ort seine Unterschrift abgeben.

Text und Bilder: Katja Reichgardt

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