Clubber wollen Drogen-Checks und Beratung

Studie zeigt: Deutlich mehr Konsum als der Berliner Durchschnitt – und Wunsch nach Beratung.

Die Clubszene nimmt doppelt so häufig Drogen wie der Berliner Durchschnitt. Die Konsumenten wünschen sich aber mehr Aufklärung und Prävention. Das ergab eine Studie des Senats. Dieser will reagieren und entsprechende Angebote ausschreiben. Schwierig wird es allerdings beim zweithäufigsten Wunsch der Clubber, den die Studie hervorgebracht hat: „Drug-Checking“ ist rechtlich ein heikles Terrain.

Befragt wurden 877 Personen, welche in den zurückliegenden Monat Drogen konsumiert hatten – zum Teil vor Clubs, zum Teil online. Rund 85 Prozent davon waren Berliner. Dass dies nicht repräsentativ ist, stellen auch die Verfasser der Studie an der Charité klar. Ein Bild von den genutzten Substanzen und ihren Konsumenten ergibt sich dennoch. 87,8 Prozent der Befragten konsumieren in den Clubs Alkohol, 72,3 Prozent rauchen. Mit 62,3 Prozent folgt Cannabis als erste illegale Droge relativ knapp dahinter, gefolgt von Amphetaminen (50,3 Prozent), MDMA/Ecstasy (49,1), Kokain (36) und Ketamin (32,2). Keine große Rolle mehr spielen LSD, GHB oder Psilocybin; praktisch komplett unbedeutend sind Drogen wie Crystal Meth oder Heroin.

Beratung nachgefragt

Das klare Ziel dieses Drogenkonsums: „Befindlichkeitsmanagement“ – die gewünschte Stimmung für den gewählten Moment zu erreichen. Auch das haben die Fragebögen ergeben. An zweiter Stelle steht die Intensivierung von Erfahrungen – aber nur beim Konsum von entsprechenden Drogen wie LSD oder Ketamin. Trotz des doppelt so hohen Drogenkonsums im Vergleich zum Durchschnitt gebe es eine Sensibilität dafür, welche Folgen der Konsum haben kann, so Gesundheitssenatorin Dilek Kolat.

„Es gibt einen großen Bedarf an Beratung“, erläutert sie. Tatsächlich reagierten rund 43 Prozent der Befragten auf die Nachfrage, ob Präventionsangebote gewünscht seien, und rund 55 Prozent davon befürworten bessere Beratung und Aufklärung. Die Senatsverwaltung will darauf reagieren. „Wir werden in die Clubs gehen“, kündigte die Gesundheitssenatorin an. Dafür stehen im Haushalt bereits 300.000 Euro zur Verfügung. Damit soll auch Personal der Clubs geschult werden.

Rechtliches Dilemma

Das Thema „Drug-Checking“ verfolgt die Senatsverwaltung für Gesundheit weiter. Clubgänger könnten vor Ort Drogen, die sie dabei haben, von Fachleuten chemisch prüfen lassen. Was zunächst nach einer seltsamen Idee klingt, hat durchaus seinen Sinn, denn Drogen sind besonders gefährlich, wenn sie verunreinigt sind, mit giftigen Substanzen gestreckt – oder eine ganz andere Droge sind, als sie vorgeben, zu sein. Dilek Kolat glaubt, dass sich solche Tests auch nutzen ließen, mit den Konsumenten in ein Gespräch über die Risiken des Konsums zu kommen.

Der Haken: Obwohl solche Angebote im Ausland nicht unüblich sind, wären sie in Deutschland nach derzeitiger Gesetzesauslegung verboten. Drogenbesitz ist illegal, auch für diejenigen, die sie testen sollen. Außerdem ist die Haftungsfrage ungeklärt, denn auch geprüfte Drogen haben Risiken. Derzeit, so Dilek Kolat, laufen Gespräche mit dem Innensenat, ob und wie sich dieses Dilemma lösen lässt. Die problematischste Partydroge bleibt aber eine höchst legale: In den Kliniken spielt Alkohol die größte Rolle, so Dr. Felix Betzler, der für die Studie verantwortlich zeichnet.

Text: Oliver Schlappat, Bild: Thinkstock/DigitalVision/Michael Blann

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