Lankwitzer kämpfen um grüne Lunge

Bäume sollen Wohnungen weichen / Verwaltung prüft neue Planung.

Was Stadtplaner schlicht „Nachverdichtung“ nennen, hat für Anwohner oftmals gravierende Folgen. Womöglich bald auch in Lankwitz. Auf einem Grundstück zwischen Kurfürstenstraße und Zietenstraße ragen eine 100 Jahre alte Stieleiche und eine ebenso alte Blutbuche empor. Den Anwohnern sind sie als grüne Lunge des dicht bebauten Kiezes ans Herz gewachsen. Doch die Idylle ist bedroht. Ein Investor hat das Grundstück mit einer Stadtvilla aus den 20er-Jahren gekauft. Dem Vernehmen nach will er ein Gebäude mit 16 Wohnungen errichten. Die Bäume sollen gefällt werden.

Guter Zustand

Die Nachbarn machen gegen das Projekt mobil. Sie sammelten Unterschriften für den Erhalt der Bäume. Was ihre Sache erschwert: Beide genießen rechtlich keinen besonderen Schutz. Zwar kam ein von den Anwohnern bestelltes Gutachten zu dem Ergebnis, dass Eiche und Buche in gutem Zustand sind. „Aufgrund von Seltenheit und besonderer Schönheit“ erfüllten beide Gehölze die Kriterien von Naturdenkmälern, heißt es darin weiter. Um die Bäume langfristig zu erhalten, dürfe bei Bautätigkeiten der Wurzelraum im gesamten Trauf-bereich nicht befahren oder verdichtet, und die Kronbereiche nicht beschattet oder verletzt werden.

Das Umwelt- und Naturschutzamt sieht das anders und hat eine Unterschutzstellung abgelehnt. Weder handele es sich um seltene Arten noch würde das Ensemble das Ortsbild prägen, so die Begründung. Nach Einschaltung des BUND und eines Anwalts erreichte Anwohner Martin Harder, dass das Bauamt den Investor aufgefordert hat, die Planung so abzuändern, dass die Bäume stehen bleiben könnten. Eine Pflicht zum Umplanen ergibt sich daraus allerdings nicht. Aus dem Büro von Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) hieß es, der Bauantrag werde im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens geprüft. „In diesem Zusammenhang wird begutachtet, ob der geplante Baukörper auch auf einem anderen Teil des Grundstücks gebaut werden kann“, so ein Sprecher.

Text: Nils Michaelis, Bild: Martin Harder

WEITERSAGEN