Afrikanisches Viertel: Miriam Makeba soll aufs Schild

Namensänderungen für zwei Straßen seit mehreren Jahren in Planung.

Noch heißen sie Nachtigalplatz und Lüderitzstraße. Bald aber dürften sich die Bewohner der Straßen im Afrikanischen Viertel auf Namensänderungen einstellen. Unter den im letzten Jahr eingereichten Vorschlägen für die Namensänderungen fanden sich unter anderem eine David-Bowie-Straße, eine Pippi-Langstrumpf-Straße und die Anregung, den Nachtigalplatz kurzerhand in Platz der Nachtigall umzubenennen. Nun geht das Auswahlverfahren in die nächste Runde.

Neuer Versuch

Am 1. März fand dazu im Rathaus Tiergarten, Mathilde-Jacob-Platz 1, eine Informationsveranstaltung für alle Interessierten statt, bei der die Vorschläge der Gutachter vorgestellt wurden. Die BVV-Fraktionen durften jeweils einen Wissenschaftler benennen, der die Namensvorschläge aus einer unvollständigen Vorschlagsliste begutachtete. Doch auch dieser erneute Versuch, Konsens in die Frage um neue Namen zu bringen, erntete Kritik. So beklagt die „Initiative Pro Afrikanisches Viertel“ (IPAV), dass es keine einheitliche Fragestellung gegeben habe und auch bei der Auswahl der Experten keine Einheitlichkeit bestünde. „Es wurde keine wissenschaftliche Disziplin benannt, aus der wissenschaftliche Persönlichkeiten zu benennen waren, man hätte also auch einen beherzten Agrarwissenschaftler oder eine Sinologin benennen und gutachten lassen können.“

Die CDU beteiligte sich wegen „der Vorsehbarkeit der Ergebnisse und der Intransparenz“ nicht an dem Verfahren. Die Gutachten, die dem Abendblatt vorliegen, zeigen, dass die Fraktionen eine Umbenennung gutheißen. Lediglich der Gutachter der AfD spricht sich für einen Erhalt und eine „Umkontextualisierung“ der Namen aus. Eine Umbenennung aber wäre „Raubbau am historischen Gedächtnis“. Einige Vorschläge scheinen bei allen Beteiligten auf positive Resonanz zu stoßen: unter anderem Miriam Makeba, Anna Mungunda und Rudolf Manga Bell. Die Sängerin Makeba kämpfte im Exil gegen die Apartheid-Politik Südafrikas, Mungunda kam 1959 bei Unruhen gegen die Kolonialherrschaft ums Leben und Robert Manga Bell war Anführer des Widerstands gegen die Vertreibung des Duala-Volkes.

Viel Kritik

Anlass der Umbenennungsaktion ist die Kontroverse, die bereits vor rund zwei Jahren um die aktuellen Namensgeber der Straßen entbrannt ist. Adolf Lüderitz und Gustav Nachtigal waren Kolonialisten. Lüderitz machte durch den sogenannten „Meilenschwindel“ von sich reden, mithilfe dessen er sich in den 1890er-Jahren große Flächen Land im heutigen Namibia aneignete. Im Frühjahr 2016 rief das Bezirksamt deshalb Bürger und zivilgesellschaftliche Akteure erstmalig dazu auf, Umbenennungsvorschläge einzureichen, die „Persönlichkeiten – insbesondere Frauen – der postkolonialen Befreiungs- und Emanzipationsbewegung aus Ländern Afrikas ehren“.

Bald wurden von der Jury drei Namen bekanntgegeben, die die alten ersetzen sollten. Problem nur: Hinter den neu gewählten Namen standen ebenfalls umstrittene Persönlichkeiten, wie die afrikanische Königin Nzinga von Matamba. Die hatte ihr Reich im heutigen Angola zwar erfolgreich gegen portugiesische Invasoren verteidigt, war gleichzeitig aber auch eine berüchtigte Sklavenhändlerin (das Abendblatt berichtete). Schnell wurden Stimmen laut, die Jury habe intransparent und „hinter verschlossenen Türen“ beraten, die Bürger selbst hätten zu wenig Mitspracherecht gehabt. Das sollte sich in dieser Auswahlrunde nicht wiederholen.

Kein Konsens

Doch auch die Auswahl des Standortes für die Infoveranstaltung sorgt für Kritik. So wertet der Vorsitzende des Weddinger Heimatvereins, Bernd Schimmler, diese als „Versuch, die Bürger des Afrikanischen Viertels auszuschließen“. Hätte man diese an der Willensbildung beteiligen wollen, hätte jederzeit ein Termin im Kiez vereinbart werden können. Noch ist hier also keine alle Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden.

Text. Katja Reichgardt, Bild: imago/ Jürgen Ritter

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