Lastenfahrräder für bessere Luft am Tempelhofer Damm

Ein geplantes Projekt soll für weniger Lkw sorgen.

An der enormen Verkehrsbelastung auf dem Tempelhofer Damm – mit all ihren Folgen – hat der Schwerlastverkehr einen erheblichen Anteil. Einen Ausweg aus dieser Situation gibt es kaum. Hoffnung setzt der Bezirk nun in einen Versuch, der noch in diesem Jahr starten soll: Lastenfahrräder werden die Lkw-Ladungen übernehmen, bevor die schweren, lauten und mitunter schmutzigen Transportfahrzeuge den T-Damm verstopfen können.

Und so soll das Ganze funktionieren: An festen Standorten sollen Umschlagplätze entstehen, welche von Lastwagen im Fernverkehr angesteuert werden können. Dort wird es dann zum einen die Möglichkeit zum Umladen geben, zum anderen können die Waren zumindest kurzfristig zwischengelagert werden. Die Weiterverteilung erfolgt dann mit Muskelkraft – mehr oder weniger, denn auch bei Lastenrädern gibt es heutzutage oft Unterstützung durch Elektromotoren wie bei Pedelecs. Auch darf man sich solche Fuhrwerke nicht wie bessere Postfahrräder vorstellen. Tatsächlich nehmen bestimmte Modelle durchaus eine Europalette mit 250 oder 300 Kilogramm Ladung auf.

Gute Gründe

So ungewöhnlich die Idee klingen mag, so normal ist sie in manchen Bereichen längst. Selbst in Berlin gibt es Gegenden, in denen Paketzusteller und Logistikunternehmen mit Fahrzeugen unterwegs sind, die eher wie fahrende Container mit Sattel und Pedalen wirken. Häufig sind Platzgründe und Parkplatzprobleme der Grund für den Einsatz solcher Fahrzeuge an Stelle konventioneller Transporter. Auf dem Tempelhofer Damm sind aber noch andere Gründe entscheidend – die Schadstoffbelastung in der Atemluft und Lärm, zum Beispiel. Probleme, die auch Gewerbetreibende vor Ort, und damit die Empfänger von Lieferungen, als Problem sehen.

Umschlagplatz gesucht

Auch wenn die Planungen für das Pilotprojekt noch nicht am Ende sind: Über den Status einer Idee sind sie weit hinaus. Das federführende Logistikunternehmen, mit dem der Bezirk bei diesem Projekt zusammenarbeitet, ist DB Schenker, eine Tochter der Deutschen Bahn. Nach derzeitigem Stand der Dinge gibt es zwei mögliche Flächen, die sich als Umschlagplatz eignen würden, und zwar in der Nähe des Ullsteinhauses und Wenckebach-Klinikums. Derzeit wird das Interesse von weiteren Unternehmen abgefragt, sich an dem Projekt zu beteiligen. Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler geht davon aus, dass noch in diesem Jahr der Startschuss fallen wird – und wenn die Pilotphase erfolgreich verläuft, rechnet sie mit einem Schneeball-Effekt.

Für den ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD) sind Lastenfahrer ein wichtiges Thema. Vor etwa vier Jahren hatte der Verein ein Projekt zur Vernetzung der Hersteller von Lastenrädern mit Unternehmen gestartet. Am Ende durchaus mit Erfolg, findet der Club.: Es sei das Ziel gewesen, herauszufinden, wo es beim Thema Einsatz von Lastenfahrrädern hakt, erläutert der VCD-Bundesvorsitzende Wasilis von Rauch im Gespräch mit dem Berliner Abendblatt. Ein wichtiger Faktor seien dabei die Anschaffungskosten gewesen, die wegen der kleinen Stückzahlen, in denen solche Räder hergestellt werden, relativ hoch seien. Außer dem enormen Kostendruck hätten Unternehmen hohe Anforderungen an die Zuverlässigkeit und würden im Ernstfall schnellen Ersatz benötigen – den kleine Hersteller oft nicht kurzfristig liefern können. „Das ist das klassische Henne-Ei-Problem“, so von Rauch. Deshalb sei der Staat hier gefragt, mit Fördermöglichkeiten, die Hemmschwellen für größere Investitionen abzubauen.

Neue Prämie

Inzwischen hat der Staat reagiert: Mit der Kleinserien-Richtlinie fördert das Bundesumweltministerium seit dem 1. März den Kauf von elektrisch unterstützten Lastenfahrrädern – allerdings nur bei ungewöhnlich hoher Nutzlast – um damit das „Sofortprogramm Saubere Luft“ zu unterstützen. Die Perspektive möglicher Diesel-Fahrverbote könnte ebenfalls dazu beitragen, dass Transportunternehmen stärker über Alternativen nachdenken.

Die Projekt-Idee für den Tempelhofer Damm hält der VCD-Vorsitzende jedenfalls für positiv. Die Erfahrung zeige, dass gerade im Innenstadtbereich der Lastenfahrrad-Einsatz erfolgversprechend sei. Für die Luftreinhaltung seien solche Fahrzeuge ein wichtiger Baustein. Sollte der Versuch am Ende gelingen, dann wäre das für den Bezirk möglicherweise auch in anderer Hinsicht hilfreich, glaubt er – Wasilis von Rauch: „Natürlich schaut die ganze Welt auf solche Lösungen.“

Text: Oliver Schlappat, Bild: Aleksander Slota/VCD

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