Jugendtheaterwerkstatt Spandau bangt um Zukunft

Betreiber wünschen sich einen langfristigen Pachtvertrag.

Die Jugendtheaterwerksatt (JTW) Spandau ist seit 1987 ein offener Raum der Kreativität, Gemeinschaft und Selbstverwirklichung für Kinder und Jugendliche. „Der Königsweg außerschulischer Erziehung“, sagt Hartmut Schaffrin, Mitgründer und Leiter. Seit 18 Jahren wird das Jugendkulturhaus vom Bezirk gefördert, 2012 ist es in die vom Bezirksamt gestellten Räumlichkeiten in der Gelsenkirchener Straße 20 umgezogen. Seitdem kämpft die JTW mit langfristigen Planungsschwierigkeiten und fehlenden Investoren.

Idealer Standort

Grund dafür ist der 2012 geschlossene Pachtvertrag, der alle 14 Tage kündbar ist. Schaffrin: „Technik braucht Investoren. Und die brauchen eine Garantie, dass die neue Anschaffung langfristig genutzt wird. Unter langfristig verstünden Geldgeber zehn Jahre. Die JTW könne aktuell aber nur eine Garantie von zwei Wochen vorweisen. Dieses Investitionshindernis will die SPD-Fraktion im Bezirk aus der Welt schaffen. In einem Antrag fordert sie das Bezirksamt Spandau auf, der Einrichtung einen langfristigen Nutzungsvertrag anzubieten.

„Als freier Entfaltungsraum für Jugendliche im Kiez und auch aus ganz Spandau ist die Jugendtheaterwerkstatt ein Juwel, das sich Spandau nicht leisten kann zu verlieren“ heißt es darin zur Begründung. Das ehemalige „Forum“ mit Theatersaal sei, sowohl was die Lage als auch die technische Ausstattung angeht, als Hort für kieznahe Theater- und Jugendkultur bestens geeignet. Die Unterstützung des Trägers mit Projektmitteln sei zwangsläufig mit einer nachhaltigen Planungsgrundlage verbunden. Nach der Beratung im Jugendhilfeausschuss hat demnächst die Bezirksverordnetenversammlung über den Antrag zu befinden.

Die unsichere Planungsgrundlage macht Schaffrin an einem konkreten Beispiel deutlich. 130.000 Euro bekomme die JTW in diesem Jahr vom Bezirk gestellt, so Schaffrin. Davon könnten die Gehälter der fünf Mitarbeiter gezahlt und das Gebäude renoviert und instand gehalten werden. Tontechnik sei aber etwas anderes als Wärmedämmung und brauche externe Investoren.

Garantie gefragt

Schaffrin: „Wir haben Menschen, die uns unterstützen, aber die brauchen eine Garantie, dass hier nicht in einem Jahr ein Kindergarten steht.“ Niemand wolle in die Infrastruktur eines Kreativhauses investieren, wenn er nicht die Sicherheit habe, dass es auch langfristig als solches genutzt wird. Ohne Pachtvertragsverlängerung keine Investoren, ohne Investoren keine neue Technik. „Wir fühlen uns hingehalten“, beklagt der Leiter die aktuelle Situation.

Obwohl Schaffrin optimistisch ist, dass der Antrag der SPD-Fraktion eine Mehrheit finden wird, kritisiert er die “Gewinnorientierung” des aktuell von der AfD geleiteten Liegenschaftsamts, das letztendlich die weitreichende Entscheidung treffen werde. „Profitmaximierung kennt man in einem Jugendamt nicht, damit ließen sich Kinder und Jugendliche nicht zu einem Teil der Gesellschaft erziehen“, sagt Schaffrin.

Im Falle einer Ablehnung des Antrags der Sozialdemokraten im Bezirksparlament lehnt Schaffrin einen Ortswechsel ganz klar ab. „Ich glaube wir würden uns als Team auflösen“, sagt er. Damit ist das Thema Umzug für den Diplompädagogen, der selbst Schauspieler werden wollte, abgeschlossen. Er schaut selbstbewusst auf den Status der Jugendtheaterwerkstatt: „Ich weiß, dass die Menschen und die meisten Politiker uns toll finden, Spandau braucht uns, deshalb mache ich mir keine Sorgen.“

Text: Christina Lopinski, Bild: Jugendtheaterwerkstatt Spandau

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