„Meine Bühne” kann neue Proberäume in alter Kapelle bauen

Im Untergeschoss des Gebäudes in Friedrichshain soll ab dem Sommer geprobt werden.

Dunkel und feucht war es bis vor kurzem noch im Gewölbe, das sich unter dem Hauptraum der Kapelle an der Boxhagener Straße befindet. Ab Juni allerdings sollen im Untergeschoss die Gruppen des Kinder- und Jugendtheaters „Meine Bühne“ proben. Endlich, freut sich Matthias Kubusch vom Theater, der es kaum erwarten kann, mit den Kindern und Jugendlichen das neue Zuhause vollständig in Besitz zu nehmen.

„Früher war hier eine Bar drin“, erzählt Matthias Kubusch beim Rundgang durch das Untergeschoss. Zu sehen ist davon nichts mehr, denn bereits jetzt haben die Handwerker in dem Gebäude an der Boxhagener Straße ganze Arbeit geleistet. Der alte Fußboden ist raus, das Gemäuer ist nackt, aber gut in Schuss und von Schimmel befreit. Ein neuer Boden muss noch hinein, dann entstehen zwei große Proberäume, in denen die Kinder und Jugendlichen sich auf ihre Auftritte vorbereiten können. Im Moment, während der Bauarbeiten, geht das natürlich nicht. „Wir sind in der Berliner Schule für Schauspiel untergekommen“, so Kubusch.

Halber Umzug

Seine letzte Saison in der alten Heimat Prenzlauer Berg brachte der Theaterverein im vergangenen Jahr über die Bühne. Seither hat es trotz der noch nicht beendeten Bauarbeiten erste Aufführungen in der Kapelle gegeben. Den Ausbau des Untergeschosses finanzieren das Theater und der Evangelische Friedhofsverband, dem das Gebäude nach wie vor gehört, unter anderem mit Unterstützung durch eine Zuwendung der Berliner Lotto-Stiftung, die kürzlich 139.500 Euro dafür zur Verfügung gestellt hat. Eine wichtige Geldspritze, auf die alle Beteiligten lange gewartet haben.

Lange Geschichte

Die Kapelle hat eine interessante Geschichte hinter sich. Eingeweiht wurde sie schon 1879, angegliedert an den Georgen-Parochial-Friedhof IV, der ihr auch ihren ursprünglichen Zweck verlieh. Im Laufe der Jahre fanden auf dem kleinen Friedhof jedoch immer weniger Beisetzungen statt. Die Kapelle wurde deshalb seit den 1990er-Jahren auch als Kulturort genutzt – obwohl dort weiterhin auch Trauerfeiern stattfanden. Die Betreiber wechselten immer wieder. Zuletzt war bis 2013 ein Verein im Kulturort Theaterkapelle zuhause.

Nachdem dieser jedoch ausgestiegen war, entschied sich der Evangelische Friedhofsverband, die Nutzung des Gebäudes neu zu organisieren. Für die Beisetzungen, die es immer noch hin und wieder auf dem Friedhof gibt, wurde ein neues, kleineres Gebäude errichtet. Dann machte sich der Verband auf, um einen neuen Mieter zu finden, der gut zum Ort passt. Interessenten gab es viele. Das Kinder- und Jugendtheater Meine Bühne, das bis dahin noch Murkelbühne hieß und in Prenzlauer Berg zuhause war, gehörte zu den Bewerbern und wurde letztlich ausgewählt. Dass es in dem denkmalgeschützten Gebäude viel zu sanieren gab, war beiden Seiten klar. Die Kosten dafür teilen sie sich. Für den Theaterverein begann zu dieser Zeit auch eine Kampagne, mit der die nötigen Mittel zur Instandsetzung aufgebracht werden sollten.

Engagiertes Schauspiel

Das Kinder- und Jugendtheater setzt sich jedes Jahr ein Motto, greift auch kontroverse gesellschaftliche Themen auf. Die eigentlichen Stücke entwickeln die Kinder und Jugendlichen unter Anleitung selbst. Ein Stück drehte zu der Zeit der Flüchtlingskrise die Problemlage um, machte Deutsche zu denen, die vor Krieg, Unterdrückung und Terror nach Afrika flüchteten. Die aktuelle Spielzeit steht unter dem Motto „Auferstanden“, passend zum neuen Spielort, aber natürlich auch mit einer gewissen Doppeldeutigkeit: Geplant war eine Eröffnungsparty am 7. Oktober – dem Tag der DDR-Gründung. Geklappt hat das wegen der laufenden Bauarbeiten leider nicht.

Text/Bilder: Oliver Schlappat

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