Umweg für Spaziergänger

Seit sechs Monaten ist der Fußgänger-Tunnel am Lietzensee gesperrt.

Die langsam steigenden Temperaturen locken die Spaziergänger auch wieder verstärkt an den Lietzensee. Wer den See einmal umrunden möchte, scheitert derzeit aber immer noch an den Absperrungen, die den nördlichen vom südlichen Teil des Gewässers trennen. Seit acht Monaten ist der Fußgänger-Tunnel unter der Brücke bereits gesperrt – und sorgt mindestens ebenso lange für Ärger bei Anwohnern und Besuchern. Die müssen aktuell erst einmal Treppen hinaufgehen und anschließend die viel befahrene Neue Kantstraße überqueren, um den Weg um den See fortsetzen zu können.

Beschädigte Brücke

Schon wenige Wochen nach der Sperrung aber wurde der Bauzaun von Spaziergängern kurzerhand zur Seite geschoben. Sie stören sich nicht an den Warnhinweisen, die vor der Baufälligkeit der durch Starkregen beschädigten Buntsandstein-Brücke warnen. Vielmehr regt sich Protest angesichts der langen Vorbereitung entsprechender Sanierungen. Denn obwohl das Bezirksamt diese angekündigt hat, ist hier noch nichts passiert. Ersatz angekündigt.

Der Verein Bürger für den Lietzensee fordert vom Bezirk ein schnelles Durchsetzen der Reparaturmaßnahmen. Auch die Berliner SPD-Abgeordnete Ülker Radziwill (SPD) setzte sich im Sinne „eines Parkerlebens für alle“ bereits im Herbst 2017 für eine rasche Instandsetzung ein. Die Senatsverwaltung für Verkehr kündigte daraufhin den Einsatz eines Schutzgerüstes an. „Da ein Abbrechen der Natursteinbrüstung nicht ausgeschlossen werden kann, wurden Gehwege auf der Brücke und der Durchgang unten gesperrt. Es ist vorgesehen, ein Schutzgerüst für die Fußgängerunterführung zu errichten, um die Sperrung des Durchgangs kurzfristig wieder aufzuheben“, hieß es in dem entsprechenden Antwortschreiben der Senatsverwaltung. Doch kurze Zeit später ruderte der Senat zurück. Mit einer behelfsmäßigen Wiedereröffnung des Durchgangs und der Übergangslösung sei frühestens Anfang 2019 zu rechnen.

Lange Wartezeit

Dann wäre der Tunnel bereits mehr als eineinhalb Jahre gesperrt. Davon zeigte sich auch Radziwill überrascht: „18 Monate fühlen sich für diejenigen, die den Park oft nutzen, wie eine Ewigkeit an. Dass es kompliziert ist, die denkmalgeschützte Brücke wieder instand zu setzen und Sicherheitsaspekte dabei natürlich im Vordergrund stehen müssen, ist nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar ist für mich, wie sich die Vorbereitung einer Ausschreibung für eine Behelfskonstruktion über acht Monate hinziehen kann?“

Sie erwartet jetzt ein beschleunigtes Verfahren, damit alle, auch Senioren und Menschen mit Handicap, den Lietzensee wieder ohne Umwege umrunden können. Auch unter den Anwohnern regt sich immer mehr Protest. Sie hoffen ebenfalls auf eine Reaktion des Bezirks und eine zügige Instandsetzung der Brücke. Dazu veranstalten sie regelmäßig Informationsveranstaltungen und Protestaktionen am Lietzensee. Wer sich daran beteiligen möchte, findet anstehende Termine und Neuigkeiten rund um das Thema auf der Seite des Vereins „Bürger für den Lietzensee“.

Text: Katja Reichgardt, Bild: imago/Stefan Zeitz

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