Biber fühlen sich in Rummelsburger Bucht pudelwohl

Mitten in der Hauptstadt gibt es mehrere Orte, an denen die als bedroht geltenden Tiere leben.

Das große Knabbern ist in der Rummelsburger Bucht längst angekommen. Im Jahr 2014 war dort der erste Biber beobachtet worden. Inzwischen ist daraus eine ganze Familie geworden – die sich offenbar pudelwohl fühlt zwischen den Ufern der Spree und den Inseln in der Bucht.

Fraßspuren sichtbar

Dort gibt es durchaus brauchbare Lebensbedingungen für die Wildtiere. Sie brauchen flache Ufer, an denen sie an Land gehen und einen Bau anlegen können. Besonders auf den Inseln in der Rummelsburger Bucht finden sich die Spuren der Tiere: Angenagte Bäume. „Die Biber sind reine Vegetarier“, so Anja Wolter vom Naturschutzbund Deutschland, Landesverband Berlin, die sich mit den Tieren intensiv befasst. Im Sommer fressen Biber Gräser, Kräuter und Knospen an Bäumen. Wenn es jedoch kalt wird, begnügen sie sich mit Baumrinde. „An den Fraßspuren kann man  gut erkennen, um wie viele Tiere es sich handelt“, so Wolter.

Kleine Population

In der Rummelsburger Bucht betrifft das derzeit vor allem Bäume auf den Inseln. Auch gefällt haben sie schon welche. Eigentlich ziehen die Biber Weichhölzer vor, wie Weiden und Pappeln. Doch wenn es die nicht gibt, dann tun sie sich auch an härteren Hölzern gütlich. Sollten es einmal zu viele Bäume werden, die auf ihrer Winterspeisekarte stehen, gibt es jederzeit die Möglichkeit, sie mit speziellen Zäunen und Ummantelungen vor dem Anknabbern zu schützen. In der Rummelsburger Bucht ist das bisher nicht nötig und wird es vermutlich auch in absehbarer Zukunft nicht sein, denn dass die Biberpopulation deutlich wächst, ist nicht zu erwarten. „Sie haben ihre Reviere und verteidigen diese auch“, so Anja Wolter. „Wenn die Jungtiere alt genug sind, bleiben sie nicht, sondern sie ziehen weiter und suchen sich ein eigenes Revier.“ Am Stralauer Ufer, glaubt Anja Wolter, könnte man zukünftig aber vielleicht einige Bäume entsprechend schützen müssen.

Bedrohte Tierart

Lange sah es nicht so aus, als hätte der Biber in Deutschland eine dauerhafte Überlebenschance. Bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurde er teilweise intensiv bejagt, außerdem wurden viele natürliche Lebensräume zerstört. In Nachbarländern wie der Schweiz war er bereits ausgestorben. In Deutschland gab es einen Restbestand an der mittleren Elbe. Durch Auswilderungsprojekte und die Unterschutzstellung konnte der Biber sich jedoch wieder seine Lebensräume suchen. Relativ große Populationen gibt es heute zum Beispiel in Bayern, Brandenburg oder Schleswig-Holstein. Inzwischen wird ihnen wieder ein günstiger Erhaltungszustand bescheinigt, sie drohen also nicht mehr auszusterben. Nach Berlin gelangt sind die Biber unter anderem über die Elbe und Havel, erläutert Anja Wolter.

Die ersten Biber hätten die Stadt über die Oberhavel erreicht, später kamen sie auch von Osten über die Müggelspree. In der Hauptstadt scheinen sie sich erstaunlich wohlzufühlen: Den Tiergarten, beispielsweise, haben sie bereits vor einer ganzen Weile zu ihrem Zuhause erklärt, ebenso den Schlosspark Charlottenburg. Vor Menschen haben sie keine Angst, ohnehin begegnen die Tiere ihnen nur selten, da sie sich erst mit der Dämmerung und in der Dunkelheit herauswagen. Insofern ist die Freizeitnutzung der Rummelsburger Bucht ebenso wenig ein Problem für die Biber, wie es die Biber für die Menschen dort sind. Allerdings sind sie des Nachts auch nur schwer zu beobachten. Für Hobby-Naturfotografen sind sie deshalb kein besonders gutes Motiv.

Text: Oliver Schlappat,Bild:Imago/Imagebroker

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