Tempo 30 wird ein Jahr getestet

Auf der Leipziger Straße soll die Luft sauberer werden.

Seit Anfang der Woche geht es auf der Leipziger Straße gemächlicher zu. Hier testet die Stadt aktuell, ob Tempo 30 die Luftqualität verbessert. An der Ecke Leipziger Straße/Mauerstraße misst eine mobile Messstation die Stickstoffoxid-Belastung. „Wir haben auch die Ampelschaltung angepasst, damit der Verkehr besser fließt“, erklärt Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos). Das Projekt, das auch auf anderen Straßen Berlins anläuft oder bereits seit vergangenem Jahr getestet wird, ist zunächst auf ein Jahr angelegt. Viele Anwohner und Politiker begrüßen das Tempo-Limit auf der viel befahrenen Straße.

Im Test

„Die Testphase ist ein wichtiger erster Schritt, um endlich gegen die permanente Gesundheitsbelastung auf unseren Straßen vorzugehen. Langfristig wird das aber nicht reichen. Auch Fahrverbote werden für uns kein Tabu sein. Die Bundesregierung und die Autoindustrie sind jetzt in der Pflicht, endlich zu handeln. Wir fordern die Einführung der blauen Plakette auf Bundesebene, um einen Flickenteppich unterschiedlichster Fahrverbote zu vermeiden“, so der Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Berlin, Werner Graf. Und auch für Günther sind Fahrverbote eine Alternative. Für sie steht die Gesundheit der Berliner an oberster Stelle.

Wirkung fraglich

Aber es gibt auch einige Kritik an den Maßnahmen und ihrer Wirksamkeit für einen flüssigen Verkehr. So ließ die Vereinigung der Unternehmerverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) mitteilen, dass es vor allem wichtig sei, dass der Verkehr besser fließt, indem zum Beispiel noch intelligentere Ampelschaltungen angebracht werden: „Bei der digitalen Verkehrslenkung gibt es noch viel Spielraum nach oben – gerade Berlin als Digitalhauptstadt muss hier ehrgeiziger sein.“

Weitere Straßen

Ob das Pilotprojekt das bewirkt, was es bewirken soll, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Senatsumweltverwaltung beruft sich bei der Entscheidung, zwischen der Markgrafenstraße und dem Potsdamer Platz eine Tempo-30-Zone einzurichten, auf Erfahrungen in der Steglitzer Schildhornstraße und der Beusselstraße in Moabit. Dort sei die Belastung mit Stickoxid seit der Tempodrosselung im Jahr 2005 deutlich gesunken. Bis zu den Sommerferien folgen vier weitere Hauptstraßen, auf denen dann eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern gelten wird, darunter die Potsdamer Straße, die Kantstraße genauso wie der Tempelhofer Damm.

Text: Katja Reichgardt, Bild: Stefan Bartylla

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