Auf den Spuren der singenden Nachtigall

Bürger und Wissenschaftler wollen die letzten Geheimnisse des Singvogels enthüllen

Singt die heimische Nachtigall in Dialekten, gibt es regionale Unterschiede? Welche Brutstätten bevorzugt sie und welche Sehnsüchte verbinden Menschen mit dem Nachtigall-Gesang? Das Museum für Naturkunde (MfN) will diesen Fragen gemeinsam mit Interessierten in der kommenden Nachtigallsaison zwischen Mai und Juli im Bürger-Projekt „Forschungsfall Nachtigall“ nachgehen, die gewonnenen Daten wissenschaftlich bearbeiten und Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen geben.

Vielseitiger Gesang

Im Frühjahr präsentiert sich Berlin als Hauptstadt der Nachtigallen (Luscinia megarhynchos). Tausende dieser sangeskräftigen Vögel lassen sich in Gärten, Parks, Gleisanlagen und sogar an belebten Straßenkreuzungen vom Grunewald bis nach Pankow nieder. Ihr melodischer und vielseitiger Gesang, den die Männchen des Nachts erklingen lassen, um Weibchen zu betören und mit dem sie tagsüber ihr Revier verteidigen, begeistert jeden Frühling aufmerksame Zuhörer aufs Neue. Lieder, Bilder und Geschichten zeugen von der Faszination, die der Gesang der Nachtigall seit Jahrtausenden auf die Menschen ausübt. Aber wie viel weiß die Wissenschaft tatsächlich über diese kleinen, wanderfreudigen Sänger?

Bioakustische Methoden

Ab Ende April können interessierte Bürger – insbesondere naturbegeistere Nachtschwärmer – mit der App „Naturblick“ des MfN akustische Aufnahmen des Nachtigall-Gesangs zusammentragen, die dann gemeinsam mit den engagierten Wissenschaftlern ausgewertet werden. Dies geschieht zunächst in Berlin und dann bundesweit. Der Gesang und die von der Art besiedelten Habitate werden mit naturwissenschaftlichen, das heißt bioakustischen und ökologischen Methoden erforscht. Damit sollen neue Erkenntnisse zur Variabilität des Gesanges und zur aktuellen Verbreitung der Art gewonnen werden.

Exkursion geplant

Vielfältige kulturelle Events sind über das Jahr hinweg gemeinsam mit den Bürgerforschern geplant, um das Phänomen Nachtigallen und ihren Gesang im kulturwissenschaftlichen Rahmen zu beleuchten. Das Auftaktevent zum Projekt – die NachtiGala – wird am Abend des 4. Mai im Dinosauriersaal des Museums für Naturkunde stattfinden. Von Anfang Mai bis Mitte Juni wird es jeden Freitag und Samstag eine Mitternachts-Exkursion in einer Berliner Grünanlage mit dem „Forschungsfall Nachtigall“ geben. Das Projekt wird im Rahmen des Förderbereichs Bürgerforschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für zwei Jahre gefördert. Es gehört zu 13 Projekten, die bis Ende 2019 die Zusammenarbeit von Bürgern und Wissenschaftlern voranbringen sollen. Alle Details dazu online.

Text: M. Wolf Bild: Daniela Friebel

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