Hohe Säuglingssterblichkeit in Neukölln

Bezirksstadtrat Falko Liecke (CDU) hat Mangel an Fachärzten als mögliche Ursache im Blick

Neukölln ist trauriger Spitzenreiter in einer Statistik, die so mancher wohl lieber nicht lesen würde: In keinem anderen Bezirk ist die Säuglingssterblichkeit höher – hier ist sie etwa doppelt so hoch wie der Berliner Durchschnitt. Mögliche Gründe: Bevölkerungsstruktur und Fachärztemangel.

Davon geht zumindest Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) aus. Die Zahlen und Daten, auf die er sich bezieht, stammen aus dem Gesundheitsbericht der Abteilung Jugend und Gesundheit des Bezirksamtes Neukölln, der noch nicht veröffentlicht worden ist. Bekannt sind jedoch Zahlen aus einer Studie über den Fachärztemangel, die bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht worden war. Demnach starben 5,6 von 1.000 Säuglingen im ersten Lebensjahr. Im Berliner Durschnitt sind es 3,1. Den niedrigsten Wert hatte Charlottenburg-Wilmersdorf mit 1,5. Das Problem: Die Zahlen sind bereits sehr alt. Sie stammen aus dem Zeitraum von 2011 bis 2013. Neuere Erhebungen für den Bezirk gibt es bisher nicht: Seit 2014 wird die Säuglingssterblichkeit nicht mehr nach Bezirken erfasst, sondern nur noch berlinweit. Es sei aber kaum zu erwarten, dass sich die Schere zwischen Neukölln und dem Rest Berlins in den letzten Jahren weiter geschlossen habe, so Liecke.

Neuer Bericht

Die Ergebnisse des neuen Berichts deuten laut Bezirksstadtrat darauf hin, dass der Fachärztemangel dafür ein Hauptgrund sein könnte. Bezogen auf die Bevölkerung weise der Bezirk die geringste Zahl an Frauenärzten auf und liege fast 50 Prozent unter dem Berliner Durchschnitt. Hier zeige sich eine Unterversorgung mit genau den Ärzten, welche im Bereich der Schwangeren-Vorsorge und der Geburtshilfe tätig seien und die medizinische Betreuung werdender Mütter gewährleisten würden. Auch bei den Kinderärzten gibt es nach wie vor eine spürbare Versorgungslücke: Neukölln hat die schlechteste Versorgung in Berlin und liegt etwa 20 Prozent unter dem Durchschnitt.

Thema Bevölkerungsstruktur

Ein Teil des Problems ist laut Falko Liecke aber auch die Bevölkerungsstruktur des Stadtbezirks. Es sei bekannt, dass vor allem sozial benachteiligte Familien und solche mit Migrationshintergrund, die sich im deutschen Gesundheitssystem nur schwer orientieren könnten, weniger und später zu den Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft gehen würden. Eine daraus folgende unzureichende Betreuung könne die Gesundheit eines Kindes schon in der Schwangerschaft deutlich beeinträchtigen.

Allerdings muss auch nach weiteren Ursachen gesucht werden. So ist im Bezirk Mitte zum Beispiel, die Bevölkerungsstruktur der in Neukölln sehr ähnlich, allerdings ist dort die Zahl der Sterbefälle im ersten Lebensjahr viel geringer.

Text: Redaktion/Bild: Thinkstock/iStock/Fizkes

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