Illegales Abholzen auf dem Rias-Gelände

Neuer Eigentümer ignorierte Anweisungen des Bezirksamtes und zerstörte schützenswerte Natur

Das ehemalige Rias-Gelände hat sich im Laufe der Jahre zu einem echten Biotop entwickelt. Eines, in das man nicht ohne weiteres mit Kettensägen und Heckenscheren eingreifen darf. Den derzeitigen Eigentümer, Becken Development aus Hamburg, hat das offenbar nicht gestört: Auf dem Gelände hat es massive Eingriffe in den Naturschutz gegeben, die zunächst auch fortgesetzt wurden, nachdem der Bezirk deren sofortigen Stopp angeordnet hatte.

Hinweise verfolgt

Dies bestätigte der Bezirksstadtrat für Umwelt und Natur, Bernward Eberenz (CDU), während der jüngsten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung. Im Amt seien im Februar Hinweise auf massive Rodungen auf der Fläche eingegangen, woraufhin Mitarbeiter noch am gleichen Tag den Ort aufgesucht und den sofortigen Stopp der dort laufenden Rodungs-, Abbruch- und Räumungsarbeiten verfügt hätten. Als Eberenz einen Tag selbst vor Ort gewesen sei, habe er feststellen müssen, dass die Anweisung nicht beachtet wurde. Dies sei erst nach erneuter Aufforderung und den deutlichen Hinweis auf die möglichen rechtlichen Folgen geschehen.

Aus Sicht des Bezirksstadtrats könnten Verstöße gegen die Baumschutzverordnung, das Verbot des Eingriffs in geschützte Habitate, die Verordnung über Ausnahmen von Schutzvorschriften und gegen das das Kreislaufwirtschaftsgesetz vorliegen. Betroffen ist vor allem das kleine Wäldchen. Das Feuchtbiotop auf dem Gelände, der Große Eckerpfuhl, blieb bisher noch unangetastet. „Was auf dem Rias-Gelände geschehen ist, scheint mir nur möglich, wenn ein Investor meint, aufgrund einer stärkeren Gewichtung von Wohnungsbau in der Politik werde er mit ein wenig Verstoß gegen umweltrechtliche Bestimmungen schon durchkommen“, so Eberenz zu den Verordneten. In diesem konkreten Fall liege es nun an dem Investor, das Vertrauen der zuständigen Abteilungen in ihn und für sein Vorhaben zurückzugewinnen.

Keine Details

Was auf dem Gelände im Detail entstehen soll, wurde in der Bezirksverordnetenversammlung nicht erläutert. In jedem Fall handelt es sich um ein Wohnungsbauprojekt. Der Hamburger Investor hat nach Informationen des Berliner Abendblatts das Gelände im vergangenen Jahr gekauft, bisher aber weder einen Bauantrag gestellt noch eine Bauvoranfrage eingereicht. Bis überhaupt gebaut werden kann, müsste außerdem der Flächennutzungsplan geändert werden. Das Verfahren dazu, so Bernward Eberenz, befinde sich noch ganz am Anfang. Inwieweit Wohnbebauung an diesem Ort Sinn machen würde, ist eine ganz andere Frage: Das riesige Gelände grenzt unmittelbar an den BSR-Recyclinghof Gradestraße sowie an eine Produktionsstätte des Unternehmens Berliner Glas.

Lange unangetastet

Der Bereich wurde in der Zeit ab 1946 vom Sender Rias Berlin genutzt. Die Antennen auf der Fläche wurden über die Jahrzehnte mehrfach verändert und modernisiert. Nachdem der Rias Ende 1993 sein Programm einstellte, wurden von dort aus Programme von Deutscher Welle und Deutschlandfunk übertragen. Zu Beginn des Jahrtausends waren außerdem Digitalradio-Tests und -Sendungen von dort aus durchgeführt worden. Im September 2013 wurde die Übertragung über den Antennenmast eingestellt. Der Turm wurde dann im Juli 2015 gesprengt. Heute befinden sich auf der Fläche unter anderem Pfuhle, kleine sumpfartige Gewässer, die zu einem Lebensraum für Zier- und Pflanzenwelt geworden und seit etlichen Jahren unangetastet geblieben sind.

Text, Bild: Oliver Schlappat

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