Wenn der letzte Vorhang fällt

Theater und Komödie am Kurfürstendamm feiern das Ende einer Ära mit „Best of“-Programm.

Im Mai geht eine Ära zu Ende. Dann fällt an Theater und Komödie am Kurfürstendamm der letzte Vorhang – nach fast einem Jahrhundert – und das Ensemble zieht für den Zeitraum der Sanierungen des Ku“damm Karrees in das Schiller-Theater um. Das soll zwar in „Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater“ umbenannt werden, für die Schauspieler und Regisseure ist es dennoch ein trauriger Abschied. „Der Kudamm ist da, wo wir sind. Deshalb behalten wir unseren Namen auch während der Übergangszeit“, heißt es dazu vom Theater. Am 23. September beginnt dann die neue Spielzeit an der Bismarckstraße mit der Premiere von “Willkommen bei den Hartmanns“. Bis 2021 wird das Schiller Theater als Übergangs-Spielstätte dienen. Dann kehren Schauspieler und Regisseure zwar zurück an den alten Ort, dann aber in den Keller des Gebäudes, in ein neues Theater.

Viel Glanz

Die beiden Bühnen des ehemals glanzvollen und starbesetzten Gebäude-Ensembles, das längst eine Berliner Kulturinstitution geworden ist, werden abgerissen. Der erzwungene Umzug und der Umbau des Karrees hatten in den vergangenen Jahren für viel Kritik gesorgt. Viele, auch der Intendant der beiden Theater, Martin Woelffer, nannten den Abriss einen „Skandal“. Für Berlins Kulturszene bedeutet das Ende von Komödie und Theater am Ku’damm vor allem den Verlust einer weiteren traditionsreichen Bühne – auch, wenn das Ensemble nach dem Umbau des Karrees dort wieder in einem neuen, 650 Plätze umfassenden Logentheater unterkommt. Darauf einigten sich Woellfer und die Investoren, der russische Unternehmer Mikhail Opengeym und die Münchner Firma Cells Bauwelt nach langen und zähen Verhandlungen. Vor der Schließung der beiden Bühnen präsentieren sich Komödie und Theater im Mai aber noch einmal mit einem „Best of“-Programm von ihrer besten Seite an gewohnter Stelle.

Das Programm

Los geht es in der Komödie am Kurfürstendamm am 2. Mai mit der Kult-Inszenierung „Ladies Night“. Am 7. Mai gastiert dann Walter Plathe mit seinem Otto Reutter-Abend „Alles weg“n de“Leut“ und vom 15. bis zum 20. Mai sind die „Berlin Comedian Harmonists“ dort mit „Veronika, der Lenz ist da“ zu Besuch. Ganz zum Schluss gibt es dann noch ein weiteres Highlight mit der Rückkehr von Katharina Thalbach vom 22. bis zum 27. Mai mit „Der Raub der Sabinerinnen“. „Eine schönere Inszenierung zum Abschied von der Komödie kann ich mir nicht wünschen“, erklärt Martin Woelffer zu der geplanten Inszenierung. Im Theater am Kurfürstendamm geht es ebenfalls mit einem vielseitigen Programm in den Endspurt. Noch bis zum 6. Mai ist Peter Lohmeyer mit „Der Entertainer“ zu erleben.

Am 5. Mai kommt zudem Annette Frier für einen Abend mit „Gott der Allmächtige“ an das Theater zurück. Vom 15. bis zum 20. Mai gastiert Gayle Tufts mit ihrem Programm „Superwoman“ im Theater und am 22. Mai findet dort ein Spezial der Gesprächsreihe „Missverstehen Sie mich richtig!“ zum Abriss der Ku’damm-Bühnen statt. Gastgeber Gregor Gysi spricht mit Martin Woelffer und dessen Vater Jürgen Woelffer über die Hintergründe des Endes am Ku’damm. Am 26. Mai bedanken sich dann der Intendant und sein Team mit einem Fest bei allen Zuschauern und Fans. Bevor der letzte Vorhang fällt, können sich Interessierte an diesem Tag zudem noch einmal die Ausstellung „Boulevard Berlin – Ein Jahrhundert Komödie am Kurfürstendamm“ gratis ansehen.

Lange Geschichte

Das Theater wurde bereits im Jahr 1921 von dem namhaften Architekten Oskar Kaufmann errichtet und war unter anderem Spielstätte für Theater-Legenden wie Max Reinhardt, Inge Meysel, Harald Juhnke, Katja Riemann und Otto Sander. Bereits in den 90er-Jahren begann für die Bühnen ein Existenzkampf. Immer wieder konnten sie, durch Bürgerbegehren, politische Interventionen und Online-Kampagnen gerettet werden. 2015 übernahm der Investor Cells das Theater. Wenig später gab der Eigentümer Pläne für einen Totalumbau des Karrees bekannt, die unter anderem den baldigen Abriss der beiden Traditions-Bühnen beinhaltet.

Text: Katja Reichgardt, Bild:Michael Petersohn (www.polarized.de)

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