Rauchende Köpfe für frische Luft

Pankower Schüler erproben sich als erfolgreiche Energiemanager

Nicht nur Lehrkräfte und Schüler machen eine Schule aus: Es braucht Bibliothekare, Sozialarbeiter, Sanitäter, Hausmeister, Putzkräfte und Köche, um eine derartige Einrichtung bestmöglich zu unterhalten. Doch in wessen Verantwortungsbereich fällt das Raumklima? Konzentrierte Köpfe brauchen frische Luft, ansonsten sinken Leistungsvermögen, Konzentration und Aufmerksamkeit.

Weil das effektive Lüften in Schulen schon seit Jahren ein Problem darstellt, gründete sich 2010 die vom Bezirksamt beauftragte Projektgruppe „Köpfchen statt Kohle“. Als Verbindungsstelle zwischen Technik und Pädagogik begleiten sie seit acht Jahren Schulen in Pankow und bilden Schüler an Projekttagen zu Energiemanagern aus, um konstant bestmögliche Lernbedingungen und ein Bewusstsein zu schaffen, das lüftungsbedingte Kopfschmerzen behebt, bevor sie entstehen können.

Intensive Betreuung

„Eine verwaltungstechnische Lösung von oben bringt nichts“, sagt der Gründer der Projektgruppe Richard Häusler. „Das Thema muss kommuniziert werden, die Schüler verstehen das meisten sehr schnell.“ Insgesamt 17 Pankower Schulen werden bereits begleitet, die Projektarbeit ist langfristig, die Betreuung außerordentlich intensiv. Den Schulen werden Messgeräte zur Verfügung gestellt, die Temperatur und CO2 Gehalt anzeigen, sowie Datenlogger, die diese Daten aufzeichnen. Schüler lernen so nicht nur, wie man richtig lüftet und heizt, sondern auch den Umgang mit Datensätzen und die Auswertung mit Excel.

Weil Hausmeister diesbezüglich oft ungeschult seien, wäre es umso wichtiger, Schüler zu Experten auszubilden. Als Motivation fanden vergangenen Winter schulinterne Lüftungswettbewerbe statt. Die als europäische Umweltschule ausgezeichnete Grundschule am Falkplatz nahm mit allen 27 Klassen teil. Möglich ist das nur, weil Häusler und sein Team über einen großen Messgerätbestand verfügen, der vom Bezirksamt finanziert wird.

Knapp 25.000 Euro fließen pro Jahr in Sachmittel wie Wärmebildkameras und Messegeräte aller Art. Die dürften die Klassen auch nach Abschluss des Projektes behalten, denn schon das Aufhängen einer Messanzeige, so Häusler, „erhöht die Lüftungsrate um das Doppelte.“

Großer Wettbewerbsgeist

In der Carl-Humann-Grundschule ist „Köpfchen statt Kohle“ im Lebenskunde-Unterricht angesiedelt. Vor zwei Jahren begann eine vierte Klasse mit dem Energieprojekt und ist mitgewachsen, so dass die jetzigen Sechstklässler sich auch zutrauten, einen Lüftungswettbewerb zu veranstalten, der die ganze Schule einschließt. Um alle Klassen zu bewältigen, wurde auch hier in zwei Phasen vorgegangen. Zunächst stellten die Energiemanager die Mess- und Anzeigegeräte in den vierten bis sechsten Klassen auf, eine Woche später in den unteren drei Klassenstufen.

In allen Klassen erläuterten sie ihren Mitschülern, worum es geht, und stellten fest, dass an dieser Schule der Wettbewerbsgeist besonders hoch ist. Sind bald alle Pankower Schulkinder Energiemanager? Häusler verneint. „Eine Erweiterung der Schulanzahl in Pankow ist finanziell nicht machbar.“ Lichtenberger Schulen hätten aber bereits ihr Interesse kundgetan. Weil Häusler auch in Pankow seine Arbeit fortsetzen will, finden am 15. Und 16. Mai im Kulturzentrum Wabe, Danziger Straße 101, zwei Energietage statt. Anmeldungen von Schulklassen sind erwünscht.

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Datum: 28. April 2018 Text: Christina Lopinski Bild: Richard Häusler

 

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