Steglitzer Kreisel soll bis 2021 fertig sein

Händler und Bewohner haben noch viele Fragen zum Bauvorhaben.

Das öffentliche Interesse am Umbau des Steglitzer Kreisels ist riesig. Rund 130 Menschen besuchten jetzt eine Informationsveranstaltung zu dem Mammutprojekt. In der Sache gab es allerdings nur wenig Neues.

„Wir freuen uns, dass es gelungen ist, das gesamte Ensemble zu erwerben“, sagt Jürgen Kutz von der CG Gruppe AG, die das Bauvorhaben umsetzt. Es sei endlich an der Zeit, das Eingangstor zur beliebtesten Einkaufsstraße Berlins, der Schloßstraße, zu sanieren und wieder vollständig nutzbar zu machen. Die Gesamtnutzfläche beläuft sich auf 140.000 Quadratmeter. Nur 23 Prozent davon sind Wohnanteil. Trotzdem liegt der Fokus der Planer auf der privaten Wohnnutzung. 329 Wohneinheiten mit einer Fläche von 30 bis 304 Quadratmetern auf 30 Etagen sollen im Turmgebäude installiert werden. Derzeit gibt es dort rund 70 Mietwohnungen.

Lange Geschichte

Die bauliche Geschichte des Steglitzer Kreisels ist lang und steinig. Bis zu seiner Fertigstellung hat es zwölf Jahre gedauert, die Baukosten waren am Ende viel höher als geplant. Die Masse des entdeckten Asbests war ebenfalls beträchtlich. „Das wird sich nicht wiederholen“, verspricht Kuntz, der eine Fertigstellung für das Jahr 2021 ankündigte. Gerade aus Sicht der Mieter sind noch viele Fragen offen. Einzelhändler wollten wissen, was mit ihren Ladengeschäften passiert. Bewohner  denken an die Laufzeit ihrer Mietverträge, Berufstätige an ihren angemieteten Stellplatz im Parkhaus des Gebäudes. Anderen macht die Lärmbelästigung im Zuge der Bauarbeiten Sorge.

„Die meisten Belastungen haben Sie schon fast hinter sich, der Rohbau steht“, besänftigte Kuntz die Betroffenen. Die meisten Arbeiten würden sich im Inneren abspielen. Die Einschränkungen im Straßenverkehr würden ab dem 28. Mai aufgehoben. Aber auch eine Baustelle im Stillen birgt Veränderungen: Gewerbetreibende müssten „die Prozedur von Sanierungsarbeiten in Kauf nehmen“, so Christoph Gröner, Vorstand der CG-Gruppe. Die Verträge werden derzeit geprüft, einige würden „sicher“ auch verlängert.

Verträge gelten

Nach dem Umbau würden von rund 1.400 Pkw-Stellplätzen etwa 1310 erhalten bleiben, so Gröner. Ein Teil davon werde für die Mieter beziehungsweise Eigentümer der neuen Wohnungen reserviert sein, der Rest soll weiterhin vermietet werden. „Wir werden frühzeitig die Gespräche mit den Bewohnern suchen“, versprach Gröner und betonte mehrfach, dass Verträge eingehalten würden. Mieterhöhungen und Kündigungen seien kein Thema. Geförderter Wohnraum aber auch nicht. „Das geht wirtschaftlich einfach nicht“, so  Gröner. Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) versprach, Mieter und Gewerbetreibende in der Umbruchssituation nicht mit offenen Fragen zurückzulassen.

Mit dem Bau des Steglitzer Kreisels war 1968 begonnen worden. Nach einem zeitweiligen Baustopp wurde er 1980 übergeben. Den Hauptteil des Komplexes bildet ein 120 Meter hohes Verwaltungsgebäude mit 30 Stockwerken, es ist eines der höchsten Hochhäuser von Berlin. Bis 2007 war dort das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf untergebracht. Seitdem steht es leer. Das Gebäude beherbergt zudem noch einen Bus- und U-Bahnhof, ein Hotel, zahlreiche Ladenlokale sowie ein Parkhaus. Bis zum Verkauf des Sockels im Jahr 2015 befand sich der Steglitzer Kreisel im Eigentum der Gemeinschaft Becker & Kries (Sockel) und des Landes Berlin (Turm).

Text: Christina Lopinski, Bild:imago/Scherf

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