Grünes Licht für Klinik-Erweiterung in Tempelhof

Abteilungen von Standort in Tiergarten ziehen ins St. Joseph-Krankenhaus.

Dem St.-Joseph-Krankenhaus stehen große Veränderungen bevor. In vier Jahren soll eine Reihe von Abteilungen aus dem Franziskus-Krankenhaus in Tiergarten dorthin umziehen. Der Tempelhofer Standort wird für diesen Zweck deutlich erweitert. Die Finanzierung dieses voraussichtlich 43,3 Millionen Euro teuren Mammutprojekts ist inzwischen gesichert, denn das Bundesversicherungsamt hat jetzt einem Antrag des Landes Berlin für Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds zugestimmt. Damit können auch die konkreten Bauplanungen beginnen.

Neue Etagen

Vorgesehen ist, einen Teil des Gebäudekomplexes in Tempelhof um zwei Etagen aufzustocken. In diese Etagen sollen dann die Stationen aus dem Franziskus-Krankenhaus einziehen. Dies betrifft vor allem die Urologie und die Gefäßmedizin, beides derzeit noch Spezialgebiete des Hauses in Tiergarten. Auch die notfallmedizinischen Bereiche ziehen mit um. Insgesamt handelt es sich laut dem Elisabeth-Vincenz-Verbund um 132 Betten, die verlagert werden. Die Finanzierung stammt zur Hälfte aus dem Fonds des Bundesversicherungsamts. Den Rest tragen der Klinikverbund und das Land.

Bündelung vorteilhaft

Für das St.-Joseph-Krankenhaus ist das ein deutlicher Gewinn, denn Gefäßmedizin und Urologie, die bisherigen Spezialgebiete der Tiergartener Klinik, werden hier bislang nicht abgedeckt. Dafür verfüge das St. Joseph unter anderem über die größte außeruniversitäre Abteilung für Nierenerkrankungen, ein interdisziplinäres onkologisches Zentrum sowie eine große Kinderklinik, so der Verbund. Die Bündelung an einem Standort, so der EVV, stärke die akutmedizinische Versorgung und ermögliche eine bessere Diagnose und Behandlung komplexer gesundheitlicher Probleme.

Franziskus schließt

Das Franziskus-Krankenhaus wird es nach Abschluss der Umstrukturierung nicht mehr geben – jedenfalls nicht in dieser Form. Ein Weiterbetrieb wäre offenbar schlicht zu teuer. Vor rund einem Jahr hatte die Geschäftsführung der beiden Krankenhäuser erläutert, es gebe in dem Tiergartener Haus einen Sanierungs- und Investitionsstau von mehr als 40 Millionen Euro. In der Bau- und Übergangsphase, so der Verbund, würden alle medizinischen Leistungen am Franziskus-Krankenhaus wie bisher aufrechterhalten, in gleichem Umfang und mit gleicher Personalstärke. Bis zum Umzug solle es bei der Investitionsplanung keine Abstriche geben und die medizinische sowie pflegerische Versorgung zum Teil sogar ausgebaut werden. Nach der Umstrukturierung sollen in dem Gebäude Arztpraxen für ambulante Behandlung und ein Reha-Zentrum entstehen. Das Konzept dafür soll im Laufe der Umbauarbeiten in Tempelhof entwickelt werden. Mit der Schließung fällt auch die Notaufnahme weg – der Verbund versicherte schon bei Bekanntwerden der Pläne, dass eine notfallmedizinische Basisversorgung gewährleistet sein soll. Auch könnten die umliegenden Notaufnahmen die unfallchirurgischen Fälle abdecken.

Arbeitsplätze kosten soll die Umstrukturierung nicht. „Ziel ist es, insbesondere die Mitarbeiter des Franziskus-Krankenhauses auf diesem Weg mitzunehmen, Ängste und Befürchtungen abzubauen und sie mit offenen Armen nach 2022 im erweiterten St. Joseph Krankenhaus zu empfangen“, so Geschäftsführer Tobias Dreißigacker. In der Vergangenheit hatte er geäußert, dass nach der Umstrukturierung mehr Personal gebraucht werde als bisher.

Text: Oliver Schlappat/Bild: Imago/Schöning

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