Mehr Freiraum für Kinder im Märkischen Viertel

Bildungsverbund legt erste Sozialraumanalyse vor / Eltern sollen eingebunden werden

Der im September vergangenen Jahres gegründete Lokale Bildungsverbund im Märkischen Viertel hat jetzt eine erste Sozialraumanalyse vorgelegt und daraus konkrete Forderungen abgeleitet. Die Analyse stellt einen Überblick über die Bildungslandschaft im Märkischen Viertel dar und zeigt auf, wo konkreter Handlungsbedarf besteht.
Angstfrei spielen. Dazu zählen „unbespielte Freiräume“, an denen Kinder und Jugendliche sich aufhalten können, ohne Angst vor Stigmatisierung zu haben. Notwendig seien auch Bewegungsräume, um Kinder fördern zu können. „Kinder ohne Bewegungsräume haben keine Chance auf eine gute und gesunde Beziehung zu ihrem Körper“, heißt es in dem Bericht Außerdem sei der Mangel an Wissen und Zugang zu gesunder Ernährung in vielen Interviews genannt worden. Zudem bräuchten Träger von Bildungsarbeit ausreichend geschultes Personal. Ehrenamtliche Mentoren müssten in die vorhandenen Strukturen und Angebote integriert werden.

Sprachförderung zählt

„Vor allem im Freizeitbereich wurde deutlich, dass viele Kinder im Märkischen Viertel nicht jeden Tag eine warme, vollwertige Mahlzeit zu sich nehmen.“ Eltern müssten aktiv an den Bildungsprozessen der Kinder beteiligt werden. Auch wird die Bedeutung von Sprachförderung und von Prävention im Bereich Drogen und Gewalt betont. Johanna Scheidies, Koordinatorin des Bildungsverbunds überreichte die Sozialraumanalyse dieser Tage an Jugendstadtrat Tobias Dollase (parteilos, für CDU). Auch Bildungsstadträtin Catrin Schultze-Berndt sieht viele Baustellen in dem Ortsteil. „Handlungsbedarfe bestehen vor allem darin, Bildungskontinuitäten herzustellen und Bildungshemmnisse abzubauen, damit Lernen für alle motivierend wird“, sagt die CDU-Politikerin. „Im Anschluss an die Schwerpunkte des lokalen Bildungsverbundes sind hier dabei der Übergang von Schule zu Ausbildung und Beruf, die anschlussfähige Sprachförderung und die Elternaktivierung zentrale Punkte.“

Mit dem Fontanehaus und dem Atrium sowie den dort beherbergten Einrichtungen wie Volkshochschule, Musikschule, Jugendkunstschule, Stadtteilbibliothek und anderen Einrichtungen gebe es bereits zwei zentrale Orte und vielfältige Angebote im Bereich Weiterbildung und Kultur, so Schultze-Berndt. „Die Handlungsbedarfe zeigen jedoch, dass die guten Angebote oftmals die Personen nicht richtig erreichen oder ihnen nicht bekannt sind. Die bessere Vernetzung mit anderen Bildungseinrichtungen ist daher ein wichtiger erster Schritt zu mehr Chancengerechtigkeit und Teilhabe an Bildung.“

Vielerlei Hilfe

Wesentliche Arbeitsschwerpunkte des Bildungsverbundes in diesem Jahr seien die Festlegung von Schwerpunkten sowie der Aufbau von Kooperationen mit anderen Bildungseinrichtungen und Fachämtern. „Wir möchten alle Bildungsinteressierten an einen Tisch bringen und zur gegenseitigen Unterstützung und Kooperation anregen“, erklärte Dollase. Hilfestellung und Prozessbegleitung werden zum Beispiel bei den Themen Bewegungsförderung, Sprachförderung, außerschulische Bildungsangebote und Elternarbeit angeboten.

Text: Nils Michaelis, Bild: imago/Jürgen Ritter

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