Fußball-WM 2018: Bestens vorbereitet für das Büro-Tippspiel

Das WM-Fieber breitet sich nicht nur in den Stadien und beim Public Viewing aus, sondern auch in den Büros.

Die Fußball-WM in Russland steht vor der Tür und in vielen deutschen Büros dürfte es intensiver werdende Diskussionen geben: Wer sind die Favoriten? Wer die Außenseiter? Wer schafft es überhaupt durch die Vorrunde und wie? Fragen über Fragen, die es zu klären gilt, bevor die obligatorischen Tipp-Spiele unter den Kollegen beginnen. Immerhin geht es vielfach nicht nur um den monetären Einsatz, sondern um die firmeninterne Krone des Fußballsachverstands. Wir liefern die wichtigsten Informationen, damit aus Tipps Volltreffer werden.

Kollegialer Spaß – aber nur mit Absicherung

Beim Tipp-Spiel mit den Kollegen ist die Frage, wer denn nun Weltmeister wird, im Grunde zweitrangig: An erster Stelle steht die Demonstration der geballten Fachkompetenz, die sich in einer beeindruckenden Trefferzahl bei den abgegebenen Tipps zeigt. So lustig das wettbewerbsorientierte Tippen auf die einzelnen Spiele bis hin zur Finalpartie sein mag, es sollte nur mit dem Einverständnis des Chefs überhaupt stattfinden.

Der Grund ist arbeitsrechtlicher Natur: Wenn die Mitarbeiter während der Arbeitszeit in ihrer Tippgemeinschaft aktiv sind und dazu noch die firmeneigenen Ressourcen (sprich: PCs und für die Organisation notwendige Software) nutzen, kann das zu einer Abmahnung führen. Fällt darüber hinaus die Arbeitsleistung auffallend ab, kann das im Wiederholungsfall sogar noch ernstere Konsequenzen haben. Das ist der Titel des Tippkönigs keinesfalls, die Genehmigung durch den Chef ist deshalb Grundvoraussetzung.

Die Vorbereitungsphase: Mehr als nur Fakten

Wie bei der WM 2014 in Brasilien gehen auch in Russland 32 Nationalmannschaften ins Rennen – erst 2026 werden es dann 48 Teams sein.

Theoretisch ist es, rund drei Wochen vor dem Turnierbeginn, fast schon zu spät für eine akribische Vorbereitung auf ein WM-bezogenes Tippspiel. Wirkliche Experten haben bereits während der Qualifikationsphase die potenziellen Favoriten und Geheimtipps beobachtet, um aufgrund der erzielten Ergebnisse und geschlagenen Qualifikationsgegner die Chancen im Turnier besser einschätzen zu können.

Andererseits stehen immer noch nicht alle (Stand 24.5.) alle endgültigen Kader der teilnehmenden Nationalmannschaften fest, weshalb ein abschließendes Urteil der jeweiligen Kaderstärke unter Umständen noch verfrüht ist. Grundsätzlich werden einzelne Spieler, die eventuell verletzungsbedingt ausgetauscht werden müssen, keinen erheblichen Unterschied mehr machen – sofern nicht gerade ein absoluter Leistungsträger ausfällt.

Man mag dagegenhalten, dass Fußball unterm Strich jedoch ein Mannschaftssport ist und die deutsche Nationalmannschaft gehört – trotz vieler bekannter Namen – immer wieder zu den Paradebeispielen dafür, wie wichtig mannschaftliche Geschlossenheit gerade in einem derartigen Turniermodus sein kann. Es sind aber gerade diese psychologischen Variablen, die das Tippen abseits der reinen Faktenlage so schwierig machen.

Zeit für Überraschungen

Anders als bei der zurückliegenden Europameisterschaft, bei der zum ersten Mal in der Turniergeschichte 24 Mannschaften gegeneinander antraten, erhält die WM ihre Aufstockung der Teilnehmerzahl erst im Jahr 2026. Gleichwohl sorgte die Qualifikation selbst für ein Novum, denn mit der Registrierung aller 209 Mitgliedsverbände (eigentlich alle 211, Simbabwe und Indonesien wurden wieder ausgeschlossen) feierte die Vorausscheidung eine beeindruckende Premiere.

Der Fußball als international beliebteste Mannschaftssportart hat ihren Ruf damit einmal mehr zementiert, die zukünftige Erweiterung der Startplätze für die WM-Endrunde ist dementsprechend nur folgerichtig. Es dürfte also in acht Jahren noch bunter zugehen, als es für eine Weltmeisterschaft ohnehin üblich ist. Ungeachtet der vielfach vorgebrachten Sorgen um die fußballerische Qualität, die durch ein breiteres Teilnehmerfeld mit weniger spielstarken Teams mutmaßlich sinkt, steigt ohne Zweifel die Wahrscheinlichkeit für Überraschungen.

Dazu reicht schon ein Blick auf die Liste der Mannschaften, die es erst gar nicht bis nach Russland geschafft haben:

Chile: Zweimal die Copa America gewonnen (2015 und 2016), in der Qualifikation nur Rang 6, womit die Chilenen sogar die Playoffs verpassten.

USA: Wegen eines 1:2 gegen den Tabellenletzten Trinidad und Tobago am letzten Spieltag der Qualifikation verspielten die US-Amerikaner ihre eigene Teilnahme und schickten stattdessen Panama zur WM.

Niederlande: Nach Platz 3 bei der WM in Brasilien und entsprechend hohen Erwartungen reichte es auch in der Qualifikation nur zum undankbaren dritten Platz hinter Frankreich und Schweden.

Italien: Seit 1958 waren die Italiener ständig bei den WM-Endrunden dabei, diesmal erwiesen sich die Schweden überraschend als zu stark.

Wales: Ähnlich wie die USA musste auch das Überraschungsteam der EM 2016 wegen einer Niederlage am letzten Spieltag den Traum von der WM-Endrunde begraben.

Ghana: Dreimal in Folge WM-Teilnehmer, in diesem Jahr letztlich an Mohamed Salah und seinen Ägyptern gescheitert, die sich den Gruppensieg und damit ihr WM-Ticket sichern konnten.

Algerien: Vor vier Jahren lieferten die Algerier den Deutschen ein denkwürdiges Achtelfinale, die Qualifikation für 2018 beendeten sie allerdings auf dem letzten Gruppenplatz.

Leichter wird das Feld bei der WM-Endrunde durch das frühzeitige Scheitern einiger hochkarätiger Nationalteams für die Teilnehmer sicher nicht. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sich einige der Mannschaften im besten Fall wohl nur Außenseiterchancen ausrechnen können.

Geht es um Punkte für ein Tipp-Spiel, werden auch Begegnungen vermeintlicher Außenseiter eine spannende Angelegenheit.

Favoriten und Außenseiter

Bleibt die Frage, wer denn nun die Favoriten des Turniers sind und wer sich zumindest als Außenseiter Hoffnungen auf mehr als nur die Vorrundenspiele machen kann. Überraschungen sind unter den Titelaspiranten jedenfalls kaum zu finden, auch wenn etwa die Einschätzung von Dietmar Hamann wenigstens zwei hochgehandelte Mannschaften außen vorlässt. Sehr viel größer wird der Kreis der Favoriten am Ende allerdings auch nicht:

    • Für „Die Mannschaft“ geht es um nicht weniger als die Titelverteidigung, was die deutsche Elf als amtierender Weltmeister einerseits zu einem der Top-Favoriten und gleichzeitig zu den ambitioniertesten Zielen für die Gruppengegner Mexiko, Schweden und Südkorea macht. Will man sich bereits im Achtelfinale die Begegnung mit Brasilien ersparen, wäre der Gruppensieg wohl eine erste Pflichtaufgabe. Die Qualifikation mit zehn Siegen in zehn Spielen und der gewonnene Confederations-Cup lassen in dieser Richtung hoffen.
    • Apropos Brasilien: Nach dem bitteren Aus bei der WM im eigenen Land ist das Turnier in Russland für die Brasilianer so etwas die Rehabilitation auf der internationalen Bühne. Die Seleçao gilt nicht nur deswegen ebenfalls als einer der favorisierten Titelanwärter.
    • Mit Argentinien kommt ein weiterer Favorit aus Südamerika. Der Finalgegner der deutschen Nationalmannschaft von 2014 hat zwar eine vergleichsweise durchwachsene Qualifikation hinter sich gebracht, in der es zeitweise bereits nach einem Scheitern der Albiceleste aussah. Allerdings verfügen die Argentinier nach wie vor über Lionel Messi. Der sicherte die WM-Teilnahme, die mit großer Wahrscheinlichkeit seine letzte sein dürfte – und somit die letzte Chance auf den heißbegehrten WM-Titel.
    • Ein frühzeitiges Aus von Spanien dürfte sich bei der diesjährigen WM nicht wiederholen, was nicht allein daran liegt, dass mit den Niederlanden und Chile gleich zwei Teams fehlen, gegen die man bei der WM 2014 in der Vorrunde verlor. Ganz einfach wird das Weiterkommen zwar auch diesmal nicht, immerhin wartet mit Portugal der amtierende Europameister. Dennoch gehören die Spanier unbedingt in den Kreis der Favoriten.
  • Ganz ohne kleinere und größere Skandälchen geht es für das Nationalteam von Frankreich wohl nicht, die Mail-Absage von Adrien Rabiot nimmt sich gegen den Boykott von 2010 aber vergleichsweise harmlos aus. Überhaupt zeigt sich an dieser und anderen Kaderentscheidungen von Nationaltrainer Didier Deschamps eigentlich nur das Luxusproblem, mit dem die Franzosen seit einigen Jahren „hadern“: Schon der Auftritt in Brasilien hat deutlich gemacht, dass mit Frankreich auch diesmal wieder zu rechnen sein wird. Daher sind „Les Bleus“ der Tipp auf den WM-Titel des ehemaligen Bundesliga-Stürmers Giovanni Elber.

Wer für seinen Büro-Tipp also schon jetzt nach einem Kandidaten für den Titel sucht, könnte unter diesen Mannschaften fündig werden. Hinzu kommen noch wenigstens zwei prominente Teilnehmer, die dennoch eher als Geheimtipps gehandelt werden. Dazu gehört Portugal, die zwar als amtierender Europameister nach Russland reisen, aber weder die Qualifikation (der Gruppensieg konnte erst am letzten Spieltag mit einem 2:0 über die Schweiz gesichert werden) noch die Leistungen während der Europameisterschaft rechtfertigen eine Aufnahme unter die Gruppe der Favoriten.

Etwas anders liegt der Fall bei England. Die „Three Lions“ haben sich augenscheinlich im Vergleich zu vergangenen Turnieren stark verbessert, die Qualifikation konnte mit acht Siegen aus den zehn Partien als Gruppenerster abgeschlossen werden. Es sind allerdings gerade die WM-Auftritte der Vergangenheit, die den Engländern derzeit noch größere Chancen auf den Titel verwehren.

Hinzu kommt, dass sie in der Gruppenphase mit Belgien auf einen weiteren Geheimfavoriten treffen, den jeder Büro-Tipper auf der Rechnung haben sollte. Für die Belgier war in Brasilien zwar im Viertelfinale das Turnier beendet (0:1 gegen den späteren Finalisten Argentinien), dennoch hat sich hier ein ebenfalls durchschlagkräftiges Team entwickelt, dem durchaus mehr zuzutrauen ist.

Und der Rest?

Um es mit dem ehemaligen Nationalspieler Per Mertesacker zu sagen, befindet sich unter den WM-Teilnehmern keine „Karnevalstruppe“, entsprechend offen ist selbst bei allen qualitativen Unterschieden bereits der Ausgang der Gruppenphase. Die Favoriten müssen sich also erst einmal beweisen und unter den übrigen Teams wartet – ganz sicher – die eine oder andere Überraschung. Ob allerdings die Isländer bei ihrer ersten WM-Teilnahme wieder ähnlich auftrumpfen können, wie bei der EM 2016, wird sich erst noch zeigen müssen.


Mit ihm wird auch zu rechnen sein: Liverpools ägyptischer Superstar Mohamed Salah

Außerdem gilt es abzuwarten, welchen Anteil die Superstars der Klubs am Erfolg ihrer Nationalmannschaften haben. Mohamed Salah etwa, der die WM-Teilnahme Ägyptens durch seine überragende Form mitgetragen hat, oder der Kolumbianer James Rodriguez, der bei der WM 2014 spektakulär auf sich aufmerksam machte und eine wichtige Rolle im Mittelfeld des FC Bayern München übernimmt. Ähnliches lässt sich auch über Nemanja Matic sagen, der bei Manchester United das Mittelfeld ordnet und jetzt zeigen kann, wie wichtig er für die serbische Nationalmannschaft sein kann. Überraschungen sind also nicht ausgeschlossen, wenngleich die Titelaspiranten natürlich durchweg dichter mit Weltstars besetzt sind.

Hier warten die Punkte auf die Tipp-Spieler

In der Vorrunde kann mit gut platzierten Tipps bereits eine gute Ausgangslage geschaffen werden, um im Wettbewerb mit den Kollegen in eine aussichtsreiche Position zu gelangen. Als Knackpunkt könnten sich schon in der Vorrunde genau die Spiele erweisen, die auch für die betreffenden Mannschaften wegweisend für den weiteren Turnierverlauf sind. Ein besonderes Augenmerk sollten ambitionierte Tipper deswegen auf folgende Vorrundenbegegnungen legen:

Gruppe B:

Portugal gegen Spanien

15. Juni 2018, Fisht Stadium, Sotschi

Ein Vorrundenspiel, das nominell ein Endspiel sein könnte und mit großer Wahrscheinlichkeit über die Vergabe von Platz 1 in der Gruppe B entscheidet.

Gruppe D:

Argentinien gegen Island

16. Juni 2018, Spartak Stadium, Moskau

Der Titelaspirant gegen das Überraschungsteam der EM – für beide Mannschaften eine erste wichtige Bewährungsprobe.

Gruppe E:

Brasilien gegen Schweiz

17. Juni 2018, Rostov Arena, Rostow am Don

Was nach einem eindeutigen Sieg für die Südamerikaner aussieht, könnte sich auf dem Platz als weitaus schwierigere Aufgabe erweisen. Nicht umsonst sind die Eidgenossen unter den besten zehn Mannschaften der FIFA-Weltrangliste – unter anderem vor Frankreich und Spanien.

Gruppe F:

Deutschland gegen Schweden

23. Juni 2018, Fisht Stadium, Sotschi

Beim zweiten Einsatz der Nationalelf wartet mit Schweden der wohl schwerste Gruppengegner. Die Skandinavier sind immerhin mitverantwortlich für das Fehlen der Italiener bei dieser WM.

Gruppe G:

England gegen Belgien

28. Juni 2018, Kaliningrad Stadium, Kaliningrad

Zum Abschluss der Gruppenphase wartet der Kracher in Gruppe G, nämlich das Aufeinandertreffen der beiden aussichtsreichsten Kandidaten auf Platz 1.

Übrigens: Wer kein Vertrauen in seine Fähigkeiten als Tipper hat und nicht über einen Kraken oder ein sonstiges Orakel als Hilfe verfügt, kann sich möglicherweise mit einem einfachen Excel-Kniff behelfen. Martin Althaus von computerwissen.de erklärt, wie mit dem Tabellenprogramm ganz simpel Zufallsergebnisse generiert werden können. Eine denkbare Alternative auch für diejenigen, die mit ihrem Fußballsachverstand am Ende doch ohne Punkte bleiben.

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