Großevents im Sommer: Wie steht es um die Sicherheit?

Großveranstaltungen in Berlin werden in Zukunft von mehr Polizisten überwacht und beschützt.

Der Festival- und Eventsommer steht vor der Tür. Mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland wird Berlin wieder zur Public-Viewing-Hauptstadt der Bundesrepublik. Neben dem sportlichen Event stehen vor allem Konzerte im Mittelpunkt des kulturellen Sommers. Doch wie bereitet sich Berlin auf die Großveranstaltungen vor und wie sieht das Sicherheitskonzept aus, um Gefahren abzuwehren oder gar nicht erst aufkommen zu lassen?

Spätestens am 17. Juni wird in Berlin das Fußball-Fieber ausbrechen. An diesem Tag trifft die deutsche Nationalmannschaft auf das südamerikanische Team aus Mexiko im ersten Vorrundenspiel. Und erstmals wird in der Hauptstadt der Bundesrepublik die mittlerweile legendäre Fan-Meile geöffnet. Auf mehr als zwei Kilometern werden dutzende Bildschirme aufgestellt und gemeinsam mit der präferierten Mannschaft gefiebert. Berlin erwartet wieder hunderttausende Gäste, die aus der ganzen Republik kommen, um sich das Spektakel anzuschauen. Und Spektakel trifft es wahrlich. Neben den sportlichen 90 Minuten, in denen die Mannschaften um den Sieg kämpfen, wird ein Rahmenprogramm gestrickt, das vom Torwandschießen bis hin zu musikalischen Auftritten alles bietet, um einen rundum gelungenen Fußball-Tag zu genießen.

Wie geht Berlin mit der Terrorgefahr um?

Doch in den letzten Jahren trat das Thema der Sicherheit bei Großveranstaltungen verstärkt in den Fokus. Gerade in den Metropolen häuften sich die Meldungen, dass Menschen verletzt oder gar getötet wurden, während sie Freizeitaktivitäten nachgingen. Und spätestens mit dem Anschlag auf dem weihnachtlichen Breitscheidplatz im Herzen der Hauptstadt, machen sich Politiker und Bürger Gedanken, wie es um die Sicherheit bei Events in Deutschland steht und wie den Menschen vermittelt werden kann, dass sie sich in einem sicheren Raum aufhalten. Die Fanmeile 2018 in Berlin geht präventiv mit dem Thema um und versorgt Interessenten mit Infomaterial rund um das Thema Kontrolle und Gefahrenabwehr. So werden die Kontrollen an den Eingängen zur Fanmeile verschärft. Das Mitbringen von Waffen, Sprühdosen, Flaschen, Leitern, Hockern, Megaphonen und sogar Laserpointern ist strikt verboten. Weiterhin achten die Betreiber der Fanmeile darauf, dass Kinder geschützt werden. Kleinkinder und Babys sollten laut Aussage der Stadt von der Fanmeile fernbleiben, größere Kinder mit Ohrenschützern vor einer körperlichen Schädigung geschützt werden.

Und wie sieht es mit der Terrorabwehr in Berlin aus? Bereits bei der EM 2016 in Frankreich waren deutsche Fans mental auf Anschläge eingestellt. Fast 30 Prozent aller Befragten einer Umfrage sagten, dass sie aus Angst vor terroristischen Angriffen nicht auf Fanmeilen oder andere Großveranstaltungen gehen werden. 2018 hat sich dieser Wert nicht verändert, wie ein Blick auf den Global Peace Index zeigt. Dieser zeigt an, wie sicher sich die Bürger eines Landes fühlen und ordnet dies in einen globalen Vergleich ein. Es zeigte sich, dass die Deutschen eine unveränderte Angst vor Terror verspüren, jedoch im internationalen Vergleich weiterhin in einem der sichersten Länder wohnen. Weltweit nimmt Deutschland den 16. Platz ein und steht damit sogar vor Ländern wie Finnland und Schweden, die aufgrund ihres Lebensstandards und Politik häufig als Mekka der Friedlichkeit angesehen werden. Auf Platz Eins des globalen Rankings befindet sich Island, dahinter rangiert Neuseeland bevor mit Portugal und Österreich die ersten europäischen Länder folgen. Die letzten Positionen des Global Peace Index nehmen mit Syrien, Afghanistan, Irak und dem Sudan Länder ein, in denen Bürgerkrieg herrscht oder andere kriegerische Umstände vorzuweisen sind. Der Index zeigt vor allem eins: Die Gefahr von Terror und Krieg ist in Deutschland weiterhin gering. Trotzdem zeigt die jüngere Historie, dass die Anspannung groß ist, wenn sich viele Menschen an einem öffentlichen Ort aufhalten.

Neuaufstellung der Polizei für schnelleren Zugriff

Um präventiv gegen Terror vorzugehen, arbeitet Berlin aktuell an einem neuen Anti-Terror-Zentrum, das in Tempelhof stationiert ist. Mehr als 1.200 Beamte werden dort ihre Arbeitsplätze beziehen und tagtäglich vorbeugend gegen Terrorgefahr arbeiten. Bis es soweit ist, muss das Gebäude in Tempelhof saniert werden. Die Arbeiten sollen voraussichtlich bis 2020 abgeschlossen sein. Der Umzug bedeutet, dass die Berliner Regierung dem Schutz gegen Terror einen wichtigen Stellenplatz zuordnet und garantiert, dass in den kommenden Jahren mehr Polizisten eingestellt werden können. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass es fraktionsübergreifend einen Konsens bei der Entscheidung gab. Jede Partei sprach sich im Vorfeld der Verhandlungen über den Umzug des Anti-Terror-Zentrums proaktiv für das Vorhaben aus. Die Stadt Berlin verspricht sich vor allem kürzere Wege innerhalb der Terrorbekämpfung, um schneller auf mögliche Bedrohungen reagieren zu können.

Der Schutz von Weihnachtsmärkten stand im finanziellen Rechtsstreit.

Bis das neue Anti-Terror-Zentrum zur Einweihung lädt, wird die Polizei ihre Präsenz bei Großveranstaltungen erhöhen und Sicherheitspersonal anweisen, genauer auf die Umgebung zu achten. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum zu verbessern und zu stärken.

So wird es bei der Fanmeile verstärkte Taschenkontrollen und im Umkreis eine Erhöhung weiterer Maßnahmen geben. Ein Einsatz von Steinblöcken zur Abwehr von Fahrzeugen ist hingegen noch nicht bestätigt. Das liegt auch an der Problematik, die während der letzten Weihnachtszeit aufkam. Die eingesetzten Steinblöcke vor Weihnachtsmärkten müssen nach einer gerichtlichen Entscheidung vom zuständigen Bezirk bezahlt werden. Bis zu dem Urteil gab es Rechtsstreitigkeiten, ob die Veranstalter der Großveranstaltung für die Sicherheitsmaßnahme im städtischen Raum zahlen sollen. Die Veranstalter setzten sich durch und legten den Grundstein für zukünftige Regelungen. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch auch, dass die Stadt Berlin als Betreiber der Fanmeile allein für die Sicherheit aufkommen muss.

Neben der Großveranstaltung Weltmeisterschaft finden weiterhin jede Menge Konzerte in der Metropole statt. Wer die Konzerte von Katy Perry, Ed Sheeran oder den Rolling Stones besucht, wird ebenfalls mit neuen Sicherheitskonzepten konfrontiert. Die hochmoderne Mercedes-Benz-Arena im Herzen der Stadt versucht mit Metalldetektoren am Einlass zu verhindern, dass Waffen oder andere gefährliche Gegenstände in den Innenraum der Arena kommen. Das System gleicht dabei dem eines Flughafens. Die Besucher durchqueren einen elektronischen Torbogen und werden auf gefährliche Gegenstände gescannt. Schlägt der Detektor an, folgt eine genauere Untersuchung durch einen Sicherheitsbeamten. Gleichzeitig gibt es ein striktes Verbot für Taschen und Rucksäcke. Jedes Trageutensil, das größer als ein A4-Blatt ist, wird am Einlass konfisziert; alternativ haben die Besitzer die Möglichkeit, es für ein Entgelt aufbewahren zu lassen.

Konzerte und Events werden professionell geschützt

Ähnliches gilt für das Olympiastadion, die größte Veranstaltungs-Arena der Hauptstadt. Die Veranstalter der Konzerte weisen im Internet darauf hin, dass Taschen und Rucksäcke direkt zuhause gelassen werden können. Damit folgt auch das Olympiastadion einem Trend, der in den letzten Jahren anzutreffen ist. Jeder Veranstaltungsort und jedes Event wird immer stärker überwacht. Das ist jedoch nicht nur durch den aufkommenden Terror in Europa zu erklären. Sowohl der 11. September 2001 als auch Unglücke wie die Loveparade 2011 sorgten dafür, dass die Sicherheitskonzepte immer weiter optimiert und mehr Geld in die Gefahrenabwehr und -prävention gesteckt wurde. Außerdem ist der Austausch zwischen Sicherheitspersonal und Polizei immer weiter intensiviert worden.

Im Olympiastadion treten 2018 unter anderem die Rolling Stones auf.

Eine weitere Maßnahme bei Großveranstaltungen ist nicht nur die Präsenz von Polizei in Uniform, sondern die Überwachung von verdächtigen Personen in ziviler Kleidung. Immer mehr Polizisten sind auf Festivals und Events zu finden, um mögliche Gefahrenquellen zu beobachten und bei Bedarf eingreifen zu können. Dabei gilt der Fokus der Polizei nicht nur Terroristen, sondern jeglichen Störern der allgemeinen Ausgelassenheit.

Fazit zur Event-Sicherheit in Berlin

Kein Ort und keine Veranstaltung kann einen hundertprozentigen Schutz garantieren. Doch die Berliner Polizei und Locations sind auf Gefahren vorbereitet und arbeiten verstärkt daran, die Möglichkeit eines Anschlags zu minimieren. Besonders der anstehende Umzug der Anti-Terror-Einheit der Polizei und die Aufstockung des eingesetzten Personals wird die Bekämpfung des Terrors auf eine weitere Stufe heben. Vor Ort werden Polizisten, Sicherheitsleute und Schutzgegenstände dafür sorgen, dass bereits aufgetretene Anschlagsversuche nicht wiederholt werden. Auch eine Anlaufstelle für Terroropfer wird eingerichtet. Es sollte bei aller Angst vor möglichen Anschlägen jedoch immer im Hinterkopf behalten werden, dass Deutschland weiterhin eines der sichersten Länder der Welt ist, auch wenn das Gefühl vieler Bürger etwas anderes aussagt.

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