Luft nach oben bei Berliner Immobilien

Trotz steigender Preise: Es gibt noch investmentwürdige Immobilien in Berlin.

Behördenchaos, Flughafendesaster, immer höher werdende Mieten, kein Unternehmen im DAX – ja, es gibt zahlreiche Punkte, für die die Bundeshauptstadt Berlin kritisiert werden darf. Aber auch wenn es einige Schattenseiten gibt, so bleibt Berlin für viele Menschen die attraktivste Stadt Deutschlands und auch die attraktivste Stadt der Welt. Immer mehr ausländische Investoren fühlen sich ebenfalls von Berlin angesprochen. So etwa auch Star-Investor Warren Buffett. Schon früh interessierte sich Buffett für Haribo, IBM oder Coca Cola und wurde zu den erfolgreichsten Investoren der Welt.

Buffet hat eine Art Weitblick, für den er beneidet werden darf. Nun hat er den Berliner Immobilienmarkt entdeckt. Doch warum scheint sich Buffett gerade jetzt für den Immobilienmarkt zu interessieren, obwohl – der Meinung sind zumindest zahlreiche deutsche Experten – eine deutliche Blasenbildung zu erkennen ist? Schlussendlich sind die Immobilienpreise in der Bundeshauptstadt – vor allem in den letzten drei Jahren – geradezu explodiert.

Gibt es eine Immobilienblase?

Während der deutsche Immobilienmarkt zwischen den Jahren 1995 und 2010 kaum in Bewegung war, ging es in Großbritannien oder in den USA steil nach oben. Somit kann man sehr wohl behaupten, die erste Preiserhöhung, die in den Jahren 2010 und 2011 vor allem auch in Berlin beobachtet werden konnte, war nur eine Glättung der Unterbewertung des deutschen Immobilienmarkts. Für ausländische Investoren, allen voran Warren Buffett, sind Quadratmeterpreise von 2.500 Euro in Adlershof oder Köpenick auch im Vergleich zu den großen US Städten auch nicht teuer. Aber es geht nicht nur um den scheinbar niedrigen Preis – schlussendlich ist Berlin auch deshalb bei Investoren aus dem Ausland beliebt, weil die Stadt weltoffen, tolerant und liebevoll chaotisch ist.

Die Angst vor einer Blase, die schon seit dem Jahr 2015 besteht, haben ausländische Investoren nicht, weil sie wissen, dass die Preise in Berlin – verglichen mit anderen Weltstädten – noch Luft nach oben haben. Kaum zu glauben, wenn man einen Blick auf die aktuellen Preise und Entwicklungen wirft: Zwischen Januar und März stiegen die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen um 8,2 Prozent – im Durchschnitt muss man heute schon 3.322 Euro/Quadratmeter in Berlin bezahlen. Für eine Mietwohnung sind rund 8,96 Euro/Quadratmeter zu bezahlen – ein Anstieg um 5,7 Prozent. Für 90 Quadratmeter sind das knapp über 800 Euro – exklusive der Betriebskosten. Bundesweit ist Berlin auf Platz 2, wenn es um die größten Preissprünge geht – nur in Münster konnten höhere Anstiege verzeichnet werden. Wer jedoch einen Blick auf den Quadratmeterpreis wirft, der wird feststellen, dass Berlin definitiv nicht zu den teuersten Plätzen Deutschlands gehört – hier liegt man auf Rang 40, bei den Mietpreisen sogar auf Platz 68.

Es gibt noch Luft nach oben

Während die Immobilienpreise in Deutschland weiterhin nach oben klettern, gehen sie in den USA seit geraumer Zeit wieder zurück. Aber auch in London wurden fallende Preise dokumentiert. Der Hauptgrund? Die Zinserhöhung der FED und die damit deutlich höheren Zinsen für die Hypothekenkredite. So gibt es heute bei einer 30-jährigen Zinsbindung einen Zinssatz von 4,42 Prozent – im September lag man noch bei 3,77 Prozent. Auch die variabel verzinsten Kredite wurden eine Spur teurer. In Deutschland bleibt der Leitzinssatz wohl noch länger bei 0,0 Prozent. Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank, hat abermals verlautbaren lassen, eine Erhöhung des Leitzinssatzes sei aktuell nicht geplant.

Viele Experten gehen davon aus, dass der Leitzinssatz erstmals im Frühjahr 2019 angehoben wird; mitunter gibt es schon Gerüchte, dass es vor dem Jahr 2020 gar keine Anpassung geben wird. Das freut natürlich all jene, die einen Kredit haben oder mitunter überlegen, nun einen Kredit aufnehmen zu wollen, weil sie eine Immobilie kaufen möchten. Die Vergleiche mit den anderen Ländern – insbesondere mit den USA und Großbritannien – zeigen eindrucksvoll, dass es in Deutschland keine Immobilienblase gibt, die demnächst platzen wird. Im Gegenteil – es gibt noch genügend Luft nach oben.

Bilder: UMS Content – Freelance Financial Writer

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