Die Linie S3 hat ernste Probleme

Mehr als sieben Prozent aller Züge zwischen Köpenick und Spandau fallen aus

Diese Nachricht des Berliner Senats dürfte S-Bahnfahrer der Linie 3 nur wenig überraschen. Nahezu katastrophale Zustände muss Jens-Holger Kirchner (Die Grünen), Staatssekretär für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz der ÖPNV-Verbindung zwischen Erkner, Friedrichshagen und Spandau bescheinigen. Im Rahmen einer Anfrage des SPD-Abgeordneten Lars Düsterhöft nennt Kirchner dazu ganz reale Zahlen: Im Zeitraum Januar 2017 bis März 2018 fielen demnach satte 195.000 Zugkilometer auf der Linie S3 aus.

Zahlreiche Ausfälle

Das entspräche einer Quote von 7,1 Prozent aller Züge. Die Gründe für die Ausfälle und Verspätungen der S3 seien dabei vielfältig. Zu den Hauptursachen gehörten demnach Fahrzeugstörungen, Notarzt- oder Polizeieinsätze und technische Störungen an den Gleisen und Weichen. In den ersten vier Monaten des Jahres 2018 mussten 141 Züge, die in Richtung Stadtbahn verkehren sollten, vorzeitig am Ostkreuz enden. Obendrauf gab es noch Einschränkungen aufgrund des akuten Fahrzeugmangels: 2017 waren es insgesamt 714 Züge, die mit einer geringeren Zuglänge als geplant, auf der Linie S3 verkehren mussten. Wegen des nicht akzeptablen Pünktlichkeits- und Zuverlässigkeitsniveaus habe der Senat bereits Gespräche mit der S-Bahn Berlin GmbH und der DB Netz AG in diesem Jahr geführt. Die habe dabei die Dringlichkeit erkannt und angekündigt, die Qualität auf dieser Strecke zu verbessern. Lösungsansätze würden nun erarbeitet und umgesetzt, hieß es in dem Senatsschreiben.

Gleise fehlen

Grundsätzlich gelte aber, dass aufgrund der Bauarbeiten am Ostkreuz derzeit lediglich zwei statt vier Gleise bei gleichzeitig hoher Fahrtenfrequenz zur Verfügung stünden. Spätestens mit der zum Jahresende 2018 vorgesehenen Inbetriebnahme der Viergleisigkeit zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof sei eine entsprechende Entspannung der Betriebsführung zu erwarten. Es ist dennoch damit zu rechnen, dass auch danach noch umfängliche Bauarbeiten auf der Gleisführung der Linie S3 zu erheblichen Beeinträchtigungen führen werden: Die Erneuerung am Bahnhof Karlshorst, der Abbruch und Neubau des Bahnsteigdaches, die Einzelauswechslung von rund 500 Schwellen auf der Strecke zwischen Köpenick und Friedrichshagen und auch Gleiserneuerungen zwischen Rahnsdorf und Erkner auf 4,5 Kilometer Streckenlänge sowie Erneuerung von drei Weichen in Köpenick werden schließlich ihren Einfluss auf den Verkehrsfluss der S3 haben.

Verschärfender Fahrzeugmangel

 

„Zum offensichtlich schlechten Zustand der Schieneninfrastruktur sowie dem Einfluss von Polizei- und Feuerwehreinsätzen kommt noch der Fahrzeugmangel hinzu. Und wenn es auf der Berliner Stadtbahn eng wird, lässt man die S3 gern mal ausfallen, um den Fahrplan anderer Strecken wieder einzuhalten“, kommentierte Düsterhöft Kirchners Mitteilung. Für Lichtenberg und Treptow-Köpenick sei dies eine unhaltbare Situation. Anstatt einer Zerschlagung der S-Bahn voranzutreiben, sollte sich die Senatsverwaltung darauf konzentrieren, die Schieneninfrastruktur der DB Netz AG in den Griff zu bekommen und sich für mehr Personal auf den Bahnsteigen einsetzen.

Konsequenzen weitreichend

 

Eine Maßnahme, die auch Fahrgästze der Linie S75 und S7 interessieren dürfte. Deren Linie ab Hohenschönhausen war im vergangenen Jahr bis auf den Endhaltepunkt Ostbahnhof eingekürzt worden. Das Argument hier: Die Pendler in Richtung Innenstadt könnten dann auf die Züge S3 wechseln. Ein Plan, der angesichts der Fahrplanmisere auf dieser Strecke nicht ganz aufzugehen scheint.

 

Text: Stefan Bartylla, Bild: Bild: Imago / Rüdiger Wölk

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