Gewalt in U-Bahnhöfen

Brennpunkte Alexanderplatz und Osloer Straße.

Viel wurde in den vergangenen Monaten über die Sicherheit in den U-Bahnhöfen geredet. Nun belegen Zahlen des Senats, dass die registrierten Straftaten tatsächlich zugenommen haben in den letzten Jahren. Im Bezirk sind vor allem die U-Bahnhöfe Alexanderplatz, Osloer Straße und Leopoldplatz Spitzenreiter, was Gewaltdelikte und andere Straftaten anbelangt.

Unrühmliche Spitze

Auch im berlinweiten Vergleich sticht der Alexanderplatz hervor. Hier kam es alleine im vergangenen Jahr zu 182 Körperverletzungen, 15 Fällen von Nötigung und sieben Sexualdelikten. 2011 wurden hier 125 Körperverletzungen registriert. Und auch an den meisten anderen U-Bahnhöfen ist ein Anstieg an Straftaten erkennbar. Erfragt hat die aktuellen Zahlen der SPD-Politiker Sven Kohlmeier. Er sieht den Anstieg mit Sorge: „Die Zahlen zeigen auch deutlich, dass mehr Videoüberwachung nicht zu einem Rückgang der Straftaten führt. Sicherheit gibt es nur mit Personal auf den Bahnhöfen, so wie früher.

Mehr Personal

Angesichts der guten Berliner Haushaltslage halte ich das auch für finanzierbar. Das Personal kann zudem Auskünfte erteilen, Fahrkarten verkaufen und Ansprechpartner sein. Und ein Lächeln ist vielleicht auch drin“, so der Abgeordnete. Seit dem vergangenen Jahr gibt es am Alexanderplatz eine Polizeiwache. Zudem werden hier vermehrt Licht und Überwachungskameras eingesetzt, um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen. Zumindest auf dem Platz soll es dadurch bereits sicherer geworden sein. Unterirdisch jedoch zeigen die Maßnahmen noch keine Wirkung. Weitere Brennpunkte in dieser Hinsicht sind der Bahnhof Osloer Straße mit 81 Straftaten und der U-Bahnhof Leopoldplatz mit 46 Delikten. Auch hier wurden vorrangig Körperverletzungen aufgenommen, gefolgt von Diebstählen und Nötigung.

Viele Kontrollgänge

Die BVG verweist in dem Antwortschreiben auf die seit 2011 durchgeführten gemeinsamen Einsätze mit der Polizei Berlin, auch zu Nachtzeiten sowie auf die an allen Bahnhöfen eingesetzte Videoüberwachung. „Durch die Betriebsleitstelle Sicherheit können 24/7 anlassbezogen einzelne relevante Schwerpunktbereiche der U-Bahn kontrolliert und Vorkommnisse gemeldet werden (hierbei kann auch gegebenenfalls in die Situation über Lautsprecheranlage eingegriffen werden)“. Zusätzlich finden weitere Maßnahmen wie Präventationsveranstaltungen und Informationsstände statt, teilt die BVG mit. Gleichzeitig relativiert sie die Zahlen. Die seien zwar in den letzten fünf Jahren gestiegen, gleichzeitig würde es aber auch immer mehr Fahrgäste geben. Die Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen wurden entsprechend aufgestockt. Positiv sei zudem zu vermerken, dass die Zahl der Taschendiebstähle an den meisten Orten zurückgegangen sei.

Auch die S-Bahn, die ebenfalls befragt wurde, verwies in diesem Zusammenhang auf die berlinweite Videoüberwachung an ihren Bahnhöfen. Von ihr gab es keine Übersicht über Brennpunkte. Sven Kohlmeier reichen die Maßnahmen noch nicht. Er vermutet, dass vor allem mehr Personal die Sicherheit in den U-Bahnhöfen erhöhen kann – und das nicht nur am Alex, sondern auch in den Randbezirken.

Datum: 5. Juni 2018, Text: Katja Reichgardt/Redaktion, Bild: imago/Jocjen Tack

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