Familienberatung braucht Räume in Friedrichshain

Seit Herbst sucht das Team der Fröbel-Beratungsstelle schon – bisher ohne Erfolg.

Bei Erziehungs- und Familienproblemen gibt es in Berlin dankenswerter Weise ein Netz kostenloser Beratungsangebote, die vom Land und den Bezirken finanziert werden. In Friedrichshain wird eines davon seit Herbst 2017 vom gemeinnützigen Fröbel e.V. betrieben, doch steht die Einrichtung vor einem großen Problem: Den explodierenden Gewerbemieten. Die Beratungsstelle findet schlicht keine passenden und bezahlbaren Räumlichkeiten. Löst sich das Problem nicht in absehbarer Zeit, fürchten die Verantwortlichen um die Existenz des Angebots.

Derzeit ist die Beratungsstelle des Vereins im Kinder- und Familienzentrum „Das Haus“ am Weidenweg zu finden. Hier wird bereits eine breite Palette von Hilfen und Beistand für Eltern, Kinder und Familien angeboten, sei es bei Verhaltensauffälligkeiten, familiären Konflikten, Scheidung und Trennung sowie Umgangsfragen. Auch Paarberatung gehört zum Angebot, ebenso wie längerfristige psychotherapeutische Begleitung, sollte dies notwendig sein. Wenn es erforderlich ist, wird auch in englischer Sprache beraten.

Hoher Beratungsbedarf

Im Bezirk gibt es insgesamt vier Anlaufstellen für solche Beratungen, drei davon werden von der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Jugendamts betrieben. In einem so dicht besiedelten und jungen Bezirk wie Friedrichshain-Kreuzberg ist der Bedarf jedoch groß, die vierte Einrichtung durch Fröbel als freier Träger wird also dringend gebraucht. Die als Übergangslösung gedachten Räumlichkeiten im Familienzentrum allerdings haben ihre Grenzen. Eigentlich sehe der Vertrag mit dem Senat und Bezirk acht Berater vor, erläutert Ralf Cebulla, Leiter der Beratungsstelle. Bei „Das Haus“ hat Fröbel aber nur Platz für drei. „Wir können nicht das machen, was der Senat und der Bezirk eigentlich von uns wollen“, sagt er.

Suche läuft weiter

Die Suche nach eigenen Räumen läuft seit Monaten und mit Hochdruck. „Aber Friedrichshain ist einfach super-dicht“, bedauert der Beratungsstellenleiter. Die benötigten rund 200 Quadratmeter, die Fröbel eigentlich benötigt, sind auf dem freien Markt kaum zu bekommen. „Es gab immer wieder mal Hoffnungsschimmer, aber bisher hat sich das immer zerschlagen.“ Mal wegen zu hoher Miete, mal aus anderen Gründen.

Mit dem Bezirk steht der Verein in Kontakt, sagt Ralf Cebulla. Zeitweise habe es die Hoffnung gegeben, in Räumen unterzukommen, die sich in dessen Eigentum befinden. Letztlich habe es aber andere, vorrangige Verpflichtungen des Bezirksamts gegeben. Als Kritik will er das nicht verstanden wissen. „Wir haben einen guten Draht zum Bezirk“, sagt er. Doch sieht er auch Grenzen: „Wenn wir nicht in absehbarer Zeit das leisten können, was vereinbart ist, dann mache ich mir Sorgen darüber, ob der Vertrag zwischen uns und dem Land Bestand haben kann.“ Er und sein Team suchen deshalb weiter nach den passenden Räumen und sind für jeden seriösen Hinweis dankbar.

Der Fröbel e.V. wurde 1990 in Berlin gegründet, ist ein anerkannter Träger der Jugendhilfe und Mitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, der inzwischen in mehreren Bundesländern tätig ist. In der Berliner Familienberatung ist der Verein seit vielen Jahren mit der Beratungsstelle in Adlershof tätig

8.6.2018, Text: Oliver Schlappat, Bild: Thinkstock/iStock/bodnarchuk

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