Zukunft des Schöneberger Nordens steht auf dem Spiel

Quartiersmanagement schöneberger Norden

 Endet die Förderung des Quartiersmanagements, ist das soziale Netzwerk bedroht.

Wenn das Quartiersmanagement im Schöneberger Norden Ende 2020 beendet werden muss, dann droht das soziale Netzwerk vor Ort wie ein Kartenhaus zusammenzubrechen. Das befürchten Corinna Lippert, bezirkliche Koordinatorin des Quartiersmanagements, und Bezirksstadtrat Jörn Oltmann. Sie fordern, die Förderung bis einschließlich 2024 fortzusetzen. Erst dann gebe es den Campus der Generationen und damit einen Anker, der das Netzwerk dauerhaft zusammenhalten kann.

Falsch informiert

Die Entscheidung von Stadtentwicklungs-Senatorin Katrin Lompscher, das Quartiersmanagement zu „verstetigen“, war im April gefallen und hatte für einen Aufschrei gesorgt. Zugrunde lag der Entscheidung ein Gutachten, dass dem Schöneberger Norden unter anderem bescheinigte, die Sozialdaten hätten sich stabilisiert und die Arbeit im Quartier könne durch den Campus abgesichert werden. Der Senatorin macht Bezirksstadtrat Oltmann für ihre Entscheidung keinen Vorwurf. „Die Gutachter haben sie falsch informiert“, ist er überzeugt. Die Sozialdaten hätten sich lediglich „auf einem sehr schwierigen Niveau“ stabilisiert, erläutert Oltmann. So seien 52 Prozent der Kinder im Quartier von Kinderarmut betroffen. Jeder dritte Einwohner beziehe Transferleistungen. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund liege bei 65 Prozent, die Langzeitarbeitslosigkeit sei hoch.

Aktuelle Probleme ignoriert

Überhaupt kein Thema gewesen sei bei dem Gutachten, dass sich die Probleme mit Drogen und Prostitution in den letzten Jahren deutlich verschärft hätten. Dass es in anderen Gebieten der Stadt noch schlechter aussehe, sei richtig, aber das macht aus Sicht von Oltmann und Corinna Lippert die Lage im Schöneberger Norden noch lange nicht gut genug, um auf das Quartiersmanagement verzichten zu können. Es gebe im Quartier viele engagierte Gruppen und Personen, die ihre Arbeit in jedem Fall fortsetzen würden. Breche aber die Koordination weg, werde das schlecht für das Quartier sein, denn gerade hier sei es wichtig, dass die verschiedenen Gruppen miteinander im Gespräch bleiben.

Koordination finanzieren

Auf Dauer sichern soll das der Campus der Generationen, der eine Reihe von Akteuren an einem Ort konzentriert – im Bereich Kurmärkische Straße 1 bis 3 und Frobenstraße 27. Bis zur Fertigstellung werde ohne Förderung des Quartiersmanagements jedoch alles, was in jahrzehntelanger Arbeit aufgebaut worden sei, in sich zusammenbrechen. Genau das sei in Tiergarten-Süd bereits passiert, so Jörn Oltmann. Die jahrelang geleistete kleinteilige Arbeit und ihre Erfolge seien zunichte gemacht worden, weil das Quartiersmanagement eingestellt werden musste, bevor die Villa Lützow als Anker fertiggestellt wurde. Damit das in Schöneberg nicht passiert, brauche der Bezirk ein Budget für die erforderlichen 4.000 Arbeitsstunden, welche die Koordination im Quartier benötige. Etwa 200.000 Euro pro Jahr würde das kosten, so Jörn Oltmann.

12.6.2018, Text: Oliver Schlappat, Bild: Imago/Schöning

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