Das Herz der Revolution

Ausstellungen der Villa Oppenheim zeigen Fotografien der 68er-Bewegung im Museum und am Joachimsthaler Platz.

Heute geht es am Kurfürstendamm gutbürgerlich zu. Touristen tummeln sich vor den vielen Einkaufsläden rund um den Joachimsthaler Platz. Vor 50 Jahren waren die Straßen das Zentrum der westdeutschen Studentenbewegung. Über den Ku’damm zogen hunderte Demonstranten, vor der Gedächtniskirche trafen sich die damals als „Gammler“ bezeichneten Hippies und am Stuttgarter Platz etablierte sich gerade die weltberühmte Kommune I. An die Zeit, als die City-West das revolutionäre Herz der 68er-Bewegung war, erinnert nun die Ausstellung „1968 I Berlin-Charlottenburg. Zentrum der Revolte“ der Villa Oppenheim.

Bedeutsame Ereignisse

Neben einer Ausstellung im Museum selbst, machen sechs Litfaßsäulen auf dem Joachimsthaler Platz die Geschichte wieder lebendig. Und erinnern an Ereignisse, die die Menschen weit über die Grenzen des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf berührt haben. Darunter auch die tödlichen Schüsse auf Benno Ohnesorg unweit der Deutschen Oper und das Attentat auf Rudi Dutschke nur wenige Meter entfernt am Kurfürstendamm 141.

„Wir wollen Schauplätze vorstellen, die in Charlottenburg zu dieser Zeit von großer Bedeutung waren. Neben dem Ku’damm und dem Stuttgarter Platz zählen dazu auch weniger bekannte Orte, wie etwa der Wilmersdorfer Jugendclub Ça Ira, in dem auch Benno Ohnesorg ein und aus ging“, erklärt Kuratorin Karolin Steinke die Idee hinter der Ausstellung. Auch, dass es in der Jebensstraße den ersten westdeutschen Kinderladen gegeben habe oder die Tatsache, dass Studenten regelmäßig die Gottesdienste in der Gedächtniskirche störten, sei heute bei vielen in Vergessenheit geraten. Viele der Ereignisse seien von überregionaler Bedeutung gewesen, es sei wichtiger denn je daran zu erinnern, sagt auch Kulturstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD), die die Ausstellungen von Beginn an begleitet hat. Die Ausstellungs-Kuratoren Norbert Wiesneth, Karolin Steinke und Florian Bielefeld sind vor allem stolz, dass sie die geschichtsträchtigen Exponate innerhalb weniger Monate auf die Beine gestellt haben.

Historische Bilder

Unterstützt wurden sie dabei von zahlreichen Fotografen und Zeitzeugen, die Fotomaterial, Flyer und ihre Erinnerungen beisteuerten. Die Fotografien in der Villa Oppenheim stammen vom Fotografen Klaus Mehner, der unter anderem auch für den Spiegel tätig war und die Zeit wie kaum ein anderer festgehalten hat. Auch die Polizeihistorische Sammlung steuerte einige Aufnahmen bei. Die historischen Bilder auf den Open-Air-Litfaßsäulen scheinen schon jetzt viele Leute anzulocken. „Jeden Abend um 21.30 Uhr beginnt zudem eine Videoinstallation mit Fotos und Videos aus der Zeit“, so Wiesneth. Beide Ausstellungen laufen bis zum 23. September. Der Eintritt ist frei. Mehr zum begleitenden Programm und den Öffnungszeiten gibt es auch online.

Datum: 16. Juni 2018, Text und Bilder: Katja Reichgardt

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