Mehr Platz für Schulkinder in Steglitz-Zehlendorf

Investitionsbedarf bei Schulen beträgt rund 415 Millionen Euro / Howoge übernimmt Projekte

Steglitz-Zehlendorf braucht mehr Platz für Schüler. Im Rahmen der Schulbauoffensive von Senat und Bezirk laufen derzeit viele großangelegte Sanierungs-, Erweiterungs- und Neubauprojekte. Dass es an den Schulen in Steglitz-Zehlendorf wie in ganz Berlin zunehmend eng wird, ist seit Jahren bekannt. Das gilt auch für den hohen Sanierungsstau gerade in diesem Bezirk. Laut dem aktuellen Gebäudescan liegt der Gesamtsanierungsbedarf an den Schulen in Steglitz-Zehlendorf  bei etwa 415 Millionen Euro. Bereits 2016 legte der Senat seine Pläne für eine umfangreiche Schulbauoffensive vor, die einen Neubau Dutzender Schulen in der Hauptstadt vorsieht. Auch Sanierungen sind Teil des Programms, für das berlinweit 5,5 Milliarden Euro vorgesehen sind.

Eine Aufstellung des Senats listet zehn Projekte auf, die das Land Berlin übernommen hat. Das größte davon ist die mit 41,6 Millionen Euro veranschlagte Ertüchtigung der John-F.-Kennedy-Schule. Im vergangenen Jahr wurde das Dach saniert. 2022 soll die Gesamtsanierung und der Umbau starten. Drei der Landesprojekte werden von dem landeseigenen Wohnungsunternehmen Howoge umgesetzt. Dabei handelt es sich um die Sanierung der Wilma-Rudolph-Schule (geplanter Kostenrahmen: 13,21 Millionen Euro), der Bröndby-Schule (15,12 Millionen) und des Schadow-Gymnasiums (20.09 Millionen Euro).

ISS boomen

Eine Modellrechnung der Senatsbildungsverwaltung geht davon aus, dass die Zahl der Schüler im Bezirk von derzeit 26.253 bis zum Schuljahr 2024/2025 auf 34.050 klettert. Die Zahl der Schüler mit sonderpädagogischen Förderschwerpunkt ist darin noch nicht enthalten. Mit 32 Prozent ist der Schülerzuwachs an den Integrierten Sekundarschulen (ISS) am größten. „Aktuell sehen wir eine hohe Zunahme schulpflichtiger Kinder im Grundschulalter in den Planungsregionen Lankwitz, Lichterfelde West und Dahlem“, heißt es aus dem Bezirksamt. „Auch in der Prognose der kommenden Jahre werden voraussichtlich unter anderem in der Planungsregion Lankwitz weiterhin Zuwächse erwartet.“ Dementsprechend wird das Platzangebot der Alt-Lankwitzer Grundschule laut Senat um 1,5 Züge ausgebaut. Die Arbeiten an dem Erweiterungsbau sollen voraussichtlich im Jahr 2022 in Regie des Bezirksamtes beginnen. Auch die Giesendorfer Grundschule in Lichterfelde-Süd wird erweitert. Der geplante Baustart ist 2020. Außerdem wird in dem neuen Wohngebiet in Lichterfelde-Süd eine Grundschule gebaut. 2023 sollen die Bagger rollen.

Im Rahmen der Schulbauoffensive sollen nach und nach möglichst alle Schulen im Bezirk saniert werden. Dies wird allerdings aufgrund der begrenzten Personalressourcen auf allen Ebenen, aber insbesondere in den Bezirken, sowie aufgrund der vollen Auftragsbücher der Unternehmen sicher länger als die avisierten zehn Jahre dauern und aufgrund der steigenden Preise und der hohen Nachfrage mehr kosten, so das Bezirksamt. „Die Begleitung und Umsetzung der Schulbauoffensive durch das entsprechende Personal und eine notwendige zusätzliche Personalgewinnung sind bereits bei der Konzeption der Schulbauoffensive nicht genug beachtet worden.“

Kooperation gefragt

Dass die Howoge beim Schulneubau mit im Boot ist, stößt nicht überall auf Gegenliebe. „Es darf auf keinen Fall dazu kommen, dass die Bezirke außen vor gelassen werden“, teilt der „Berliner CDU-Kreis der jungen Bezirksverordneten“ mit. „Vielmehr muss eine Kooperation zwischen den Landesunternehmen und den Bezirken stattfinden, um die Erfahrungen und Expertisen gegenseitig zu ergänzen. An dieser Stelle ist die städtebauliche Sicht, aber auch eine Schulsicht gefragt. Die Bezirke dürfen keinen Kontrollverlust erleiden.“ Zudem drängt das Gremium auf mehr Tempo bei den Planungen.

Stand: 23. Juni 2018. Text: Nils Michaelis. Bild: Thinkstock/iStock/dolgachov

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