Schule statt Sport – oder beides?

Doppelnutzung der Tennisanlage Melchiorstraße möglich.

Seit Monaten bangt der Tennisclub Berlin-Mitte (TCM) um seine Zukunft. Denn eigentlich plant der Senat einen Schulneubau auf dem Grundstück des Vereins. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher forderte bereits im vergangenen Jahr Mittes Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU) per Schreiben auf, dem TCM zu kündigen. Seitdem kämpfen Mitglieder und Betreiber für den Erhalt des multinationalen Vereins. Passiert ist bisher wenig. Das Bezirksamt erklärte nun aber, dass es zumindest Teilerfolge zu vermelden gibt. So ließ Lüscher in diesem Jahr eine neue Machbarkeitsstudie anfertigen, die sowohl den dringend notwendigen Schulneubau an diesem Standort, als auch die Optionen einer Doppelnutzung von Schule und Tennisanlage berücksichtigt.

Doppelnutzung möglich

Demnach scheint eine Doppelnutzung zwar möglich, verlangt aber vor allem dem Tennisclub einige Kompromissbereitschaft ab. „Dass ein Nebeneinander von Schule und Sport grundsätzlich zu begrüßen ist und bisweilen auch zu positiven Synergien beitragen kann, stimme ich grundsätzlich zu“, heißt es in dem Schreiben der Senatsbaudirektorin. Gleichzeitig merkt sie an, dass das Grundstück mit einer Gesamtfläche von 11.230 Quadratmetern an sich schon zu klein für die geplante vierzügige Grundschule mit Sporthalle sei. Die Machbarkeitsstudie empfiehlt deshalb drei kombinierte Tennis-/Bolzplätze inklusive Ballfangzäunen anzulegen beziehungsweise zu erhalten. Diese stehen dann in den Schulzeiten den Grundschülern, nach Schulschluss, an den Wochenenden und in den Ferien dem Verein zur Verfügung. Sollten der Verein, die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sowie das Schulamt Mitte dem Vorschlag zustimmen, könnte mit dem Bau der neuen Schule begonnen werden. Bislang befindet sich auf dem Grundstück noch eine ehemalige, seit Jahren ungenutzte zweizügige Schule, die zunächst abgerissen werden muss.

Erweiterung abgelehnt

Auch ihre Sanierung und Erweiterung um zwei weitere Züge war im Gespräch. Ein kompletter Abriss sei laut Baustadtrat Spallek aber wirtschaftlicher. Auch die Vereins-Nutzung der Dachflächen der geplanten Sporthalle erwies sich als nicht durchführbar. Die beiden Vorsitzenden des Vereins, Fred Bruss und Ina Streubel, freuen sich, dass sie mit ihrem Protest zumindest schon einmal erreicht haben, dass die Vereinbarkeit von Schulneubau und Erhalt der Sportflächen in die Planungen miteinbezogen und überhaupt diskutiert wird.

Fragen offen

„Fraglich ist immer noch, ob die Verwaltung auch mit zieht, um die bestmögliche Lösung für den Standort umzusetzen“, so Bruss. Sie haben zuvor eine eigene Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, in welcher ebenfalls deutlich wird, dass sich sowohl Schule als auch Sport auf dem Grundstück verwirklichen lässt ohne Abstriche machen zu müssen. Ob dieser bei dem anstehenden Architekturwettbewerb für das Areal zur Grundlage gemacht wird, ist aber noch unklar. Der Tennis-Verein wurde im Jahr 1989 gegründet und hat heute circa 200 Mitglieder aus 23 Nationen. Für viele ist der Tennisclub mehr als nur eine Gelegenheit zum Sport treiben. Sie hoffen, dass sie auch in Zukunft an der Melchiorstraße trainieren können.

Datum: 23. Juni 2018, Text und Bild: Katja Reichgardt

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