Wenn den Vögeln Nahrung fehlt

Samenmischungen aus Wildkräutern könnte gegen das Insektensterben helfen

Auch der Verbleib der allerletzten Berliner Störche ist jetzt in Gefahr. Alljährlich besuchen bis zu drei Brutpaare die Nester in Falkenberg und Malchow und verbringen hier mit der Aufzucht der Jungtiere ihre Sommer. Doch das idyllische Bild mit den klappernden Adebaren könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Nach Gefahren durch Stromleitungen und Verdrängung durch die anstehende Bebauung des nahe gelegenen Lebensraumes im Gebiet Blankenburger Süden droht den Großvögeln jetzt noch ein generelles Problem. Es fehlt nämlich an Nahrung, da es immer weniger Insekten für die Störche zu fangen gibt.

Knappe Nahrung

„Die diesjährige Zählaktion zur „Stunde der Gartenvögel“ hat gezeigt, dass der Nahrungsmangel generell allen Vogelarten zu schaffen macht. Es gibt deutlich weniger Bruterfolge und die Zahl der Vögel hat dramatisch abgenommen“, sagt Beate Kitzmann von der Naturstation Malchow. Gerade Insekten sind als Nahrung für Jungvögel aller Arten aber besonders wichtig. Ein Storchenpaar mit zwei Jungen benötigt über den gesamten Sommer hinweg nahezu 200 Kilogramm an Insektennahrung. Verschiedene Untersuchungen haben nun belegt, dass in den letzten 20 Jahren der Insektenbestand weltweit und auch in Deutschland um bis zu 75 Prozent abgenommen hat.

Ökologisch wichtig

 

Aber das Problem hat eine noch größere Bedeutung: Insekten sind nämlich auch noch enorm wichtig für alle funktionierenden Öko-Systeme: Bestäubung, Schädlingsregulierung, Honigproduktion, Wasserreinigungs- und Bodenentwicklungsprozesse gehören zu den wichtigen „Dienstleistungen“, die die Kleintiere in der Natur übernehmen. „Das Insektensterben ist ein Thema, mit dem wir uns in den kommenden Jahren sehr dringend beschäftigen müssen“, sagt Wilfried Nünthel (CDU), Stadtrat für Grünflächen und Naturschutz im Bezirk. Der Stadtrat kennt den Hauptgrund für den Insektenmangel und weiß, dass den Bienen und Schmetterlinge. eine heimische Pflanzenmischung auch an Straßenrändern und in Parkanlagen besonders gut tun würde.
Triste Einfalt. Der Anbau von Monokulturen in der Landwirtschaft aber auch die Trends im Gartenbau tragen nämlich Mitschuld am großen Insektensterben. „Viele schicke Zierpflanzen werden heute in Fachmärkten angeboten, die den hiesigen Insekten keinerlei Nahrung bieten. Die riesigen Blüten verfügen über keine Pollen, die die Insekten als Nahrungsgrundlage nutzen könnten. „Es wäre enorm wichtig, wenn auch Kleingärtner in der Stadt wieder vermehrt einheimische Arten anpflanzen würden“, sagt Kitzmann.

 

Neue Strategien

Ein Aspekt, den sich auch Wilfried Nünthel für die Gärtnerarbeit im Grünflächenamt für die Zukunft wünscht. „Wir müssen alle umdenken, und die Möglichkeiten nutzen, die uns zur Verfügung stehen. Dazu bedarf es auch eines neuen strategischen Ansatzes für unsere Arbeit. Das müssen wir nun behutsam und allmählich ändern“, weiß der Stadtrat.

 

Die Mischung macht’s

 

Einen ganz praktikablen und leicht umzusetzenden Vorschlag hat das Umweltbüro Lichtenberg dazu im Angebot: Teebeutelgroße Päckchen mit der idealen Samenmischung „Blühende Landschaften“ haben die Mitarbeiter zusammengestellt, die auf die Region „Ostdeutschland“ abgestimmt ist und beste Voraussetzung für Pollen und Nektar zur Ernährung von Schmetterlingen und anderen Insekten liefert. Die Wildkräutermischung enthält unter anderem Samen von der Scharfgabe, Pastinak, Spitzwegerich Löwenzahn und Margerite. „Wer will, kann sich gerne eine solche Mischung bei uns abholen oder auch die Zusammenstellung und die Bezugsquellen erfahren“, sagt Umweltbüro-Sprecherin Doreen Hantuschke. Adresse und Öffnungszeiten des Umweltbüros finden sich unter folgender Adresse im Internet.
www.Umweltbuero-lichtenberg.de

 

Text und Bild: Stefan Bartylla

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