Sorge um Vogel-Paradies am Schäfersee

Schadstoffe und Nutzungskonflikte plagen das beliebte Gewässer / Senat um Entwarnung bemüht.

Immer weniger Wasservögel und Fische, dafür immer mehr Dreck und Abfall im und am Wasser sowie Bootsfahrer in geschützten Uferbereichen: Der Schäfersee hat mit vielen Problemen zu kämpfen. Allein in diesem Jahr haben sich mehr als ein Dutzend Anträge und Anfragen in der Bezirksverordnetenversammlung mit dem Zustand des beliebten Gewässers am Franz-Neumann-Platz befasst.

Die CDU-Fraktion fordert das Bezirksamt auf, sich bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz dafür einzusetzen, die Reinigungsintervalle für den rund 4,5 Hektar großen See auf drei Jahre zu verkürzen. Die FDP-Fraktion setzt sich dafür ein, eine Wasserfontäne anzubringen um so den Schäfersee mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen und weiteres Fischsterben zu verhindern. Anfang Juni waren, bedingt durch die hohen Temperaturen, in Berliner Gewässern insgesamt rund sieben Kubikmeter Tote Fische entsorgt worden, hieß es vom Senat. Beide Anträge sind am 4. Juli Thema in der Bezirksverordnetenversammlung (Beginn: 17 Uhr, Rathaus Reinickendorf).

Anhaltend belastet

Nicht nur die Naturschutzorganisation BUND beklagt, dass beim Schäfersee einiges im Argen liegt. Carmen Schiemann von der Projektgruppe Schäfersee kennt das Gewässer seit den 1950er-Jahren. Immer wieder seien während Hitzeperioden größere Fischmengen verendet. Weitaus mehr Sorgen bereitet ihr die anhaltend hohe Schadstoffbelastung durch ungeklärte Straßenabwässer. Straßenabrieb und Nikotinreste von der nahen Residenzstraße würden dem See zusetzen. „Ab einer Tiefe von zweieinhalb Meter ist der Schäfersee tot“, sagt sie. Steigen die Temperaturen, nehme die Wirkung der Schadstoffe zu. Schiemann: „Man müsste den gesamten See ausbaggern und jede Neueinspülung verhindern.“ Eine Kläranlage zählt zu den Kernforderungen der Projektgruppe.

Laut Senat wurden die Ufer in den Jahren 2013 und 2014 teilentschlammt. Ein Monitorin habe ergeben, dass die Sauerstoffverhältnisse im Schäfersee Schwankungen unterliegen: „Nach Monaten mit ausreichender Sauerstoffversorgung kommt es im Zeitraum Juni bis August und November bis Dezember zu Phasen mit Sauerstoffmangel. Um dem entgegenzuwirken, wird jeweils im Sommer und im Spätherbst eine Belüftungsanlage auf dem See installiert und das Seewasser belüftet.“ Zusätzlich werde im Seewasser eine Reduzierung der Nährstoffgehalte initiiert, die ebenfalls der Stabilisierung der Sauerstoffverhältnisse dient.

Weniger Jungvögel

Aber auch die Hinterlassenschaften von Hunden und Menschen sowie die trotz des Fütterungsverbots verstreuten Brotreste würden den Schäfersee belasten, so Schiemann: „Das Ordnungsamt müsste das Fütterungsverbot durchsetzen und notfalls Bußgelder verhängen, freundliche Hinweise genügen nicht.“ Das Ordnungsamt sei in den Sommermonaten am Schäfersee verstärkt im Einsatz, teilt das Bezirksamt dazu mit. „Es bleibt aber festzustellen, dass die meisten Ordnungswidrigkeiten nicht im Beisein des uniformierten Außendienstes begangen werden.“ Zudem, so Schiemann, würden Bootsfahrer den geschützten Uferbereichen immer wieder zu nahe kommen. Schiemann: „Enten, Rothalstaucher und Schwäne finden kaum noch ungestörte Brutzonen, in letzter Zeit sind viel weniger Jungvögel zu sehen.“

Der Hobby-Naturschützer Jürgen Erdmann hält den Bootsverleih am Schäfersee für „kontraproduktiv“. „Wie kann es sein, dass die Behörden den Betrieb genehmigen, ohne einen Mindestabstand zum Ufer vorzuschreiben?“, fragt er. Die im Stadtgebiet einmalige Population von Rothalstauchern sei wegen der vielen Ruderboote gefährdet. „Die Senatsverwaltung und das Bezirksamt sind darum bemüht, die Qualität des Schäfersees zu verbessern und die unterschiedlichen Nutzungsansprüche in Einklang zu bringen“, hieß es dieser Tage von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Das Befahren des Schäfersees mit muskelbetriebenen Booten sei erlaubnisfrei. Würden Brutvögel gestört, müsse das Bezirksamt eine Einschränkung dieser Nutzung prüfen.

Stand: 27. Juni 2018. Text: Nils Michaelis, Bild: Jürgen Erdmann

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