Quartiersmanagement soll Thermometersiedlung retten

SPD und Linke wollen verhindern, dass der Kiez endgültig kippt / schlechte Werte im Monitoring

Die Fraktionen von SPD und Linken fordert vom Bezirksamt, sich gegenüber dem Senat dafür einzusetzen, in der Thermometersiedlung ein Quartiersmanagement einzurichten. Anlass für den gemeinsamen Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung ist das Monitoring Soziale Stadtentwicklung, dessen Ergebnisse die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen jetzt vorgestellt hat.

In der Begründung des Antrags, der in die Ausschüsse für Soziales und Stadtplanung überwiesen wurde, ist von einer „besorgniserregenden Entwicklung in Bezug auf Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Transferbezug der Nicht-Arbeitslosen und Kinderarmut“ die Rede. Ein vom Senat finanziertes Quartiersmanagement könnte Maßnahmen für die Stabilisierung des Stadtteils einleiten. Zum Beispiel, indem es die Bewohnerschaft aktiviert und an der Weiterentwicklung ihres Kiezes beteiligt.

Negative Dynamik

In dem Monitoring wurde die Region im Süden Lichterfeldes im vergangenen Jahr als einer von elf Berliner Planungsräumen neu als Gebiet mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf ausgewiesen. Im Hinblick auf die soziale Lage wurde das Gebiet mit der Kategorie „sehr niedriger Status und negative Dynamik“ eingestuft. „In der Äußeren Stadt verfestigt sich der dominante Einfluss der Bebauungsstruktur“, heißt es in dem Monitoring. „Demnach bestätigt sich die stärkere soziale Benachteiligung im Geschosswohnungsbau im Gegensatz zum hohen sozialen Status in Gebieten mit Ein- und Zweifamilienhäusern, Reihenhäusern und Stadtvillen.“ Dabei sei zu beobachten, dass im westlichen Teil der Äußeren Stadt soziale Benachteiligungen zunehmen und sich in der östlichen Äußeren Stadt der soziale Status positiver entwickelt.

„Wir müssen die Jugendfreizeitstätten besser ausstatten und mehr Sozialarbeiter in den Kiez holen“, erklärte SPD-Fraktionschef Volker Semler. „Die Thermometersiedlung droht, immer weiter abzurutschen, inzwischen gibt es dort keinen einzigen vernünftigen Nahversorger mehr.“ Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) und der CDU-Fraktion wirft er vor, bislang keinerlei Probleme in dem Stadtteil gesehen zu haben und, wie schon beim Thema Milieuschutz, gegenüber einem Quartiersmanagement eine ablehnende Haltung einzunehmen. Von Richter-Kotowski lag bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme vor.

Sozial abgehängt

Ob die schwarz-grüne Zählgemeinschaft den Antrag mittragen wird, ist unklar. Der Vorsitzende des Stadtplanungsausschusses, Torsten Hippe (CDU), will sich erst nach der Diskussion in den Ausschüssen zum Thema äußern. Das Monitoring Soziale Stadtentwicklung wird alle zwei Jahre vorgelegt. Demnach gilt jeder zehnte Berliner Kiez als sozial abgehängt. In neun sozialen Brennpunkten hat sich die Lage etwas verbessert. In Reinickendorf beispielsweise in der Teichstraße und am Hausotterplatz. Auch in Kreuzberg rund um den Askanischen Platz oder in der Havemannstraße, der Böhlener Straße und im Gelben Viertel in Marzahn-Hellersdorf sowie in Jungfernheide in Charlottenburg-Wilmersdorf. Neu erfasst wurden neben der Thermometersiedlung auch die Gebiete Eiswerder und Magistratsweg in Spandau sowie Hutten- und Beusselkiez sowie Heidestraße in Mitte.

Stand: 29. Juni 2018. Text: Nils Michaelis. Bild: imago/photothek

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