Mit Kissen und Pollern gegen zu hohes Tempo

Das neue Verkehrskonzept könnte das Gebiet sicherer machen

Mit einer Reihe von kleinen Eingriffen soll den Verkehrsproblemen im Richardkiez Einhalt geboten werden – so zumindest lauten die Empfehlungen des vom Bezirksamt beauftragten Planungsbüros, welche jetzt im Saal der Brüdergemeinde den Anwohnern vorgestellt wurden. Einige der Vorschläge: mehr Berliner Kissen, Querungshilfen, Fahrradständer statt Parklücken und Tempo 20 im gesamten Kiez. Von den Anwohnern gab es dafür viel Zustimmung, aber auch vereinzelte Kritik.

Tempo 10 funktioniert nicht

Der Richardkiez hat zwei Hauptprobleme. Zum einen bietet er sich als Abkürzung zwischen den Verkehrsachsen Saalestraße, Karl-Marx-Straße und Sonnenallee zu sehr an. Zum anderen wird dort grundsätzlich zu schnell gefahren. Für beides liegen Daten vor, die von der FGS Forschungs- und Planungsgruppe Stadt und Verkehr gesammelt worden sind. Zwar gilt im gesamten Gebiet Tempo 30 und im Kern gibt es sogar eine rechtlich umstrittene Tempo-10-Zone. Die gefahrenen Durchschnittsgeschwindigkeiten liegen aber durchweg darüber – sogar dann, wenn man die oberen 15 Prozent der Unbelehrbaren herausrechnet. Diese in der Verkehrsplanung übliche Verfahrensweise stieß bei den Anwohnern zum Teil auf heftige Kritik, weil Teile des Kiezes von bestimmten Gruppen als Rennstrecke benutzt würden und diese gar nicht mit erfasst würden. Was den Durchgangsverkehr angeht, haben die Untersuchungen ergeben, dass sich dieser in den 15 Jahren insgesamt nicht zugenommen hat. Was aber nicht heißt, dass die Situation nicht problematisch ist: Auf der Böhmischen Straße wurde zum Beispiel festgestellt, dass mehr als die Hälfte der Kraftfahrzeuge das Gebiet lediglich durchqueren will.

Neue Sperren

Helfen soll unter anderem eine Diagonalsperre an der Kreuzung Braunschweiger-/Kanner-/Unstrut-Straße, die eine Durchfahrt aus Richtung Saalestraße über die Kanner Straße verhindert. Die Braunschweiger Straße soll von der Sonnenallee aus nur für Radfahrer freigegeben sein. Am böhmischen Platz wird die Durchfahrt in Nord-Süd-Richtung mit Pollern für Kraftfahrzeuge gesperrt, und auch am Karl-Marx-Platz soll zukünftig nur für Radfahrer die Zufahrt ins Gebiet möglich sein. Eine Reihe von „Rixdorfer Kissen“ – eine Variante der Berliner Kissen – soll das Tempo senken helfen, unter anderem an der Kreuzung Böhmische Straße/Hertzbergstraße sowie im Bereich zwischen der Sporthalle der Reichweinschule und des Jugendclubs, aber auch direkt am Richardplatz. An diversen Kreuzungen soll versucht werden, mit Hilfe von Pollern und zusätzlichen Fahrradständern dafür zu sorgen, dass die Sicht nicht zugeparkt und auf diese Weise Fußgänger und Radfahrer gefährdet werden. Die meisten dieser Maßnahmen sollen kurzfristig umgesetzt werden, also noch in diesem oder im kommenden Jahr. Nicht zu halten sein wird die Tempo-10-Zone im Kern des Gebiets. Das Konzept empfiehlt deshalb für den Kiez zwischen Karl-Marx-Straße, Saalestraße und Sonnenallee die Einführung von Tempo 20.

Mehr Kontrollen gefordert

Auch wenn diese Vorschläge manchem Anwohner nicht weit genug gingen, wurden sie doch insgesamt positiv aufgenommen – allerdings gab es auch die klare Forderung danach, den Kontrolldruck zu erhöhen, sowohl für die Tempolimits als auch in Sachen Parkdisziplin. Kritisch aufgenommen wurden von manchen Anwohnern auch die Pläne, auf einigen Strecken das Pflaster gegen Asphalt zu tauschen und auf anderen die Fugen zu vergießen. Ziel dieser Maßnahmen ist es zwar, den Radverkehr zu fördern. So mancher fürchtet jedoch, dass dies erneut zu überhöhten Fahrgeschwindigkeiten führen werde.

09.07.2018, Text: Oliver Schlappat, Bild: Imago/Jürgen Ritter

WEITERSAGEN