Teure Grundstücke bremsen Wohnungsbau

Wohnungsbau Neukölln

„Stadt und Land” will bis 2027 rund 10.500 Wohnungen errichten, steht aber vor Problemen.

Knapp 44.000 Wohnungen hat die städtsche Wohnungsbau-Gesellschaft „Stadt und Land“, 8.355 davon im Bezirk Neukölln. Bis 2027 sollen etwa 10.530 weitere hinzukommen – und auch wenn Geschäftsführerin Anne Keilholz und Geschäftsführer Ingo Malter das Unternehmen auf gutem Wege sehen, dieses Ziel zu erreichen, gibt es Herausforderungen auf dem Weg dorthin.

Günstig bauen wird schwer

Das Hauptproblem: Das Bauland wird schlicht knapp und teurer. „Die rapide steigenden Preise können wir nicht bedienen, denn wir müssen preisgünstig bauen, um später unserem Auftrag entsprechend auch günstig vermieten zu können“, so Anne Keilholz im Rahmen der Vorstellung des Geschäftsberichts für das Jahr 2017. Derzeit projektiert seien 5.180 weitere Neubauwohnungen, für weitere 1.187 gebe es noch eigene Flächen. Die Lücke zum 10.530er-Ziel kann nur durch den Kauf zusätzlicher Flächen oder Zukauf von Bauträgerprojekten geschlossen werden. Dennoch bleiben Malter und Keilholz optimistisch, dass dies gelingen wird.

Geringfügig teurer

Die Mieten für die Wohnungen des Unternehmens sind in den letzten Jahren geringfügig gestiegen und lagen im Jahr 2017 bei 5,78 Euro/Quadratmeter, knapp unter dem Durchschnitt der städtischen Wohnungsbauunternehmen. Bei den Neuvertragsmieten liegt Stadt und Land mit 7,17 über diesem Durchschnitt (7,09 Euro). Ingo Malter begründete dies mit den erforderlichen Investitionen im Neubau und in der Bestandspflege. Der Anstieg komme vor allem von den frei finanzierten Wohnungen des Konzerns. Insgesamt seien Stadt und Land sowie die anderen städtischen Unternehmen noch immer die Mietpreisbremser der Stadt. Investiert hat das Unternehmen im vergangenen Jahr 232 Millionen Euro, davon 165,5 Millionen in Ankauf und Neubau, den Rest in Sanierung und Modernisierung. In Neukölln ging es dabei überwiegend um Bad-, Fassaden- und Dach-Instandsetzung, Umstellung der Wärmeversorgung und die Sanierung von Leerwohnungen.

Wohnungsbau in Buckower Feldern

Eines der großen Projekte im Bezirk ist der Wohnungsneubau in den Buckower Feldern. Dort sollen bekanntlich 800 bis 900 Wohnungen entstehen. Der Zeitplan steht bisher nur grob fest. So sei die Festlegung des nötigen Bebauungsplans für Ende 2019 vorgesehen. Dann müssten noch Baufirmen gesucht und möglichst weitere Projektpartner gefunden werden, erläuterte Ingo Malter. Wenn alles gut geht, dann könnte vielleicht im Jahr schon 2020 mit dem Bau begonnen werden, die ersten bezugsfertigen Wohnungen würden dann erfahrungsgemäß nach 18 bis 24 Monaten zur Verfügung stehen. Ein „Hotspot“ ist Neukölln bei der Stadt und Land auch, wenn es um Gespräche mit dem Bezirk um die Übernahme von Immobilien im Rahmen des Vorkaufsrechts geht.

„Wir prüfen vor allem in Neukölln und Tempelhof-Schöneberg fast wöchentlich solche Fälle“, so Anne Keilholz. Häufig komme es nicht zur Übernahme, da vorher Abwendungserklärungen vereinbart würden. Bisher habe das Unternehmen zwei Gebäude übernommen. Das Verfahren ist nicht ohne Risiko, denn man werde mit einem festen Kaufpreis konfrontiert und könne die Immobilien nur oberflächlich prüfen. Letztlich müssten Erfahrungswerte herhalten, um die Wirtschaftlichkeit eines Kaufs abzuschätzen.

Erstmals legte die Stadt und Land einen Nachhaltigkeitsbericht vor, der auf 20 Kriterien basiert, die im Deutschen Nachhaltigkeitskodex des Rats für nachhaltige Entwicklung festgeschrieben sind. Derzeit haben 400 Unternehmen deutschlandweit eine Erklärung zur Einhaltung dieser Richtlinien abgegeben, davon 25 aus dem Immobilienbereich, sechs in Berlin.

12.07.2018, Text: Oliver Schlappat, Bild: Imago/Stefan Zeitz

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