Anschlagsziel Hotel Orania

Behörden registrierten zwölf Strafverfahren in knapp einem Jahr.

Rund ein Jahr ist es her, seit das Hotel Orania an der Oranienstraße eröffnet hat. Unter Linksextremisten und Gentrifizierungsgegnern gilt es als eines der wichtigsten Symbole der Verdrängung und Touristifizierung im Bezirk, das es zu bekämpfen gilt – notfalls mit Gewalt: Zwölf Ermittlungsverfahren wegen Straftaten zu Lasten des Hotels oder seiner Mitarbeiter gibt es seit September 2017. Ausgerichtet haben die Verursacher dieser Taten damit wenig: Das Orania ist auf Anhieb in eine wichtige Top-Liste der weltweit besten City-Hotels aufgestiegen.

Auch Landfriedensbruch

Unter den Straftaten befinden sich zehn Sachbeschädigungen zum Nachteil des Hotels und zwei Verstöße gegen das Versammlungsgesetz durch nicht angemeldete Veranstaltungen. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Inneres an den SPD-Abgeordneten Tom Schreiber hervor. Demnach wurde in acht Fällen durch Vertreter des Hotels Anzeige erstattet. In vier Fällen wurden die Ermittlungen von Amts wegen aufgenommen. Zu den Sachbeschädigungen zählten unter anderem mehrere Farbanschläge. Darüber hinaus sind die Scheiben des Hotels mehrmals eingeschlagen worden. Erkenntnisse über die Gesamthöhe der Schäden hat die Senatsverwaltung laut dem Papier nicht. Bekennerschreiben aus dem linksextremen Spektrum dazu gibt es in einschlägigen Foren, jedoch hat dies nicht zu Fortschritten bei den Ermittlungen geführt. Medienberichten zufolge hat es auch Bedrohungen der Familie des Betreibers über Plakataushänge gegeben. Ob deshalb ermittelt wurde, geht aus der Antwort der Senatsverwaltung nicht hervor.

Organisierte Gegner

Proteste gegen das Hotel hat es auch von Mieterbündnissen und Initiativen gegeben. Die Senatsverwaltung für Inneres stellt in dem Dokument klar, dass sie davon ausgeht, dass sich Linksextremisten nicht nur an Mieterbündnissen beteiligen würden, sondern sie zum Teil selbst organisieren. Themen wie Mietensteigerung und Verdrängung würden sich idealtypisch für postautonome Gruppen anbieten, da sehr viele Menschen davon betroffen seien. Auf dem Weg des Engagements in Mieterbündnissen sollen demnach möglichst viele Menschen für die Idee einer „Systemveränderung“ gewonnen werden.

Stadthotel-Topliste

Der Hotel-Betrieb hat es in der Zwischenzeit auf eine Top-Liste der 100 weltbesten Wirtschaftshotels der in der Schweizer Wirtschaftszeitschrift „Bilanz“ geschafft, den besten Platz eines deutschen Hotels. Bis zur Eröffnung hatte das Gebäude, in dem es sich befindet, viele Jahre lang leer gestanden.

6.8.2018/Text: Redaktion, Bild: Oliver Schlappat

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