Das große Geschäft mit den stillen Örtchen

Rund 100 neue Standort kommen in ganz Berlin dazu.

Bei der Vertragsgestaltung zu den öffentlichen Toiletten kommt Berlin endlich zu Potte: Der Senat hat vor wenigen Tagen einen neuen Vertrag mit der Wall GmbH abgeschlossen, mit dem alle vorhandenen Toiletten saniert und sogar noch einmal einhundert neue Häuschen in den kommenden Monaten dazu kommen werden. Die genauen Standorte und Ausstattung der neuen Toiletten in den jeweiligen Bezirken lieferte nun eine Senatsantwort auf die Anfrage der Berliner Abgeordneten Sebastian Schlüsselburg und Stefanie Fuchs (beide Die Linke). Demnach werden die vorhandenen Häuschen bis zum Ende des Jahres 2020 mit völlig neuer Technik ausgestattet und für die ganz neuen „Stand-Örtchen“ der Firma Wall soll die Fertigstellung sogar schon bis Ende 2019 umgesetzt werden.

Die neu installierte Technik in den Toiletten wird auch in Zukunft selbstreinigend und vollautomatisch funktionieren und barrierefrei ausgelegt sein. Auch separate Räume mit Wickeltischen sind zum Teil vorgesehen und einige Häuschen sollen mit einem Kiosk kombiniert werden.

Der Plan

„Der Vertrag mit der Wall AG für den Ausbau und die Modernisierung der Berliner Toiletten ist am Ende eine Win-Win-Situation für alle“, sagte Schlüsselburg angesichts der rund 200 Standorte umfassenden Liste, die er auf seine Anfrage hin erhielt. „Berlin bekommt jetzt nicht nur 86 neue moderne Toiletten an besonders nachgefragten Standorten. Auch die bestehenden City-Toiletten werden bis spätestens 2020 modernisiert“, so das Fazit des Lichtenberger Abgeordneten. Der neue Wall-Vertrag mit dem Senat beinhaltet nunmehr keine Kopplung mit dem Angebot von Plakatwerbeflächen. Diese Praktik war als Bestandteil der bisherigen Verträge zwischen Wall und Senat aus gewerberechtlichen Gründen im vergangenen Jahr untersagt worden.

Großes Geschäft

Der neue 15-Jahres-Vertrag mit der Wall GmbH kann je nach Option den Aus- und Neubau sowie den Betrieb von bis zu 339 Toilettenhäuschen in Berlin umfassen. Hinzu kommt noch der Betrieb von 30 weiteren Toilettenanlagen, die es bereits in Bibliotheken oder anderen öffentlichen Einrichtungen gibt. Das Gesamtpaket des Vertrages mit der Wall AG wird einen Umsatzwert von 235,9 Millionen Euro umfassen. Der Prototyp der neuen Berliner Toilette, zu dem bislang nur eine Illustration veröffentlicht wurde, wird im Spätsommer der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Anfrage mit der gesamten Liste aller Toilettenstandorte gibt es hier.

Text: Stefan Bartylla, Illustration: JC DEcaux / Wall AG

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