Mehr Personal ist nicht genug Personal

Offene Stellen und viele Mitarbeiter bald im Ruhestand in Friedrichshain-Kreuzberg

Die notorische Personalknappheit in den Behörden geht auch an Friedrichshain und Kreuzberg nicht vorbei. Zwar hat das Bezirksamt ein leichtes Plus an Mitarbeitern zu verbuchen, doch teilt er zwei Grundprobleme mit vielen anderen Bezirken: Es gibt immer noch eine nennenswerte Zahl unbesetzter Stellen, außerdem befindet sich rund ein Drittel der aktuellen Belegschaft in einem Alter, das einen Ruhestand bis zum Jahr 2024 wahrscheinlich macht – und das in einer wachsenden Stadt.

Laut Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann hatte der Bezirk vor der Sommerpause nicht besetzte Stellen in einem Umfang von 105 Vollzeit-Äquivalenten. Dies geht aus ihrer Antwort auf eine Anfrage der Bezirksverordneten Anita Leese-Hehmke (SPD) hervor. Darüber hinaus gibt es laut Herrmann noch einen zusätzlichen Bedarf von aktuell 72,75 Vollzeit-Äquivalenten. Die meisten davon, nämlich 21, würden in der Abteilung Wirtschaft, Ordnung, Schule und Sport gebraucht, 14 in der Abteilung für Familie, Personal und Diversity, 16,75 Stellen in der Arbeit, Bürgerdienste, Gesundheit und Soziales.

Leichter Zuwachs

Seit Anfang 2017 bis Ende Mai 2018 haben 266 Menschen ihren Arbeitsplatz im Bezirksamt aus den verschiedensten Gründen verlassen. Nicht alle davon hatten Vollzeitjobs, so dass es sich rein rechnerisch um 237,27 Vollzeit-Äquivalente handelt. Dem stehen 285 neu Eingestellte in 263,25 Vollzeit-Äquivalenten gegenüber – das ist sogar eine leichte Verbesserung. Insgesamt waren mit Stichtag 1. April 2018 genau 1.855 Menschen in 1.749 Vollzeit-Äquivalenten beim Bezirksamt beschäftigt. Problematisch bei dieser an sich positiven Entwicklung: Sie verläuft zu langsam, denn die Stadt wächst, und damit der Bedarf an Personal in der Verwaltung. Außerdem wird die Belegschaft älter. Laut einer Hochrechnung des Senats werde das bestehende Verwaltungs-Personal sich bis 2024 um mehr als ein Drittel reduzieren. Jede Menge Neueinstellungen wären also schon deshalb zwingend erforderlich, um den Status Quo zu erhalten.

Attaktiver werden

Der Bezirk will deshalb attraktiver für Arbeitnehmer werden. Wie genau das geschehen soll, wird Thema eines Personalmarketingworkshops im September sein, kündigte Monika Herrmann an. Gute Fortschritte hat der Bezirk aus ihrer Sicht bei der Gewinnung von Nachwuchskräften bereits gemacht. Außerdem wird die Zahl der Ausbildungsplätze erhöht. Im Bereich des Mittleren Dienstes soll die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung zur Regel werden, im gehobenen Dienst sollen Praktika ausgebaut werden, um auf diesem Wege Studierende und Stipendiaten zu rekrutieren. Abseits vom Bereich Nachwuchs wird es schwieriger, Zielgruppen anzusprechen. Erst vor wenigen Wochen hatte der Senat angekündigt, den Vorschlägen der sogenannten Alt-Kommission zu folgen und mit den Bezirken einen „Zukunftspakt Verwaltung“ anzustreben (das Berliner Abendblatt berichtete). Auch hier spielt die Personalentwicklung eine wichtige Rolle. Unter anderem ist es das Ziel, die Bezahlung klarer und einheitlicher zu regeln sowie sie an den Bundesdurchschnitt anzupassen. Auch die unterdurchschnittliche Bezahlung war für einige Berliner Bezirke immer wieder problematisch bei der Suche nach Personal. Bis für diesen Zukunftspakt aber ein konkreter Beschluss vorliegt, kann es noch eine ganze Weile dauern.

11.08.2018, Text: Redaktion, Bild: Stefan Bartylla

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