Rufbus-Test für Neuköllner Wohnquartiere

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Berlins Öffentlicher Nahverkehr ächzt unter der Last der wachsenden Bevölkerung.

Der Senat plant, den Nahverkehr deutlich auszubauen. Ein Schwerpunkt liegt bei der Erweiterung des Straßenbahnnetzes, auch die Verlängerung von U-Bahn-Linien ist im Gespräch. Für Neukölln ist ein Experiment vorgesehen: Der Rufbus.

Dieses Angebot, das in anderen Großstädten schon existiert und auch in Mitte bald erprobt werden soll, muss man sich wie eine Kreuzung aus Buslinie und Großraumtaxi vorstellen. Mit dem Bus hat er vor allem den Betreiber und die Fahrtkosten nach BVG-Tarif gemein. Statt großer Linienbusse fahren Kleintransporter mit bis zu acht Sitzplätzen. Der Zustieg erfolgt an Bushaltestellen, speziellen Haltepunkten und gegebenenfalls auch an der Haustür. Wie bei Bussen gelten feste Abfahrtszeiten – jedoch nur dann, wenn auch Fahrgäste vorhanden sind. Wer mitfahren will, muss sich, ähnlich wie beim Taxi, vorher anmelden, zum Beispiel per Internet, App, Call Center oder beim Fahrpersonal der BVG. Auch bezahlt wird per App.

Weite Wege

Zum Einsatz kommen sollen diese Rufbusse vor allem in Gebieten mit Beförderungsdefiziten. Das sind zum Beispiel Randbereiche und einzelne, stark verdichtete Innenstadt-Quartiere. Zur letzten Kategorie zählt das Erprobungsgebiet in Neukölln. Es liegt zwischen der Flughafen- und Erkstraße im Norden, dem S-Bahn-Ring im Süden, der Sonnenallee im Osten und dem Tempelhofer Feld im Westen. In dem Gebiet leben fast 72.000 Menschen, die Pkw-Dichte ist unterdurchschnittlich, es gibt eine Reihe von U- und S-Bahnhöfen und regulären Buslinien. Und dennoch haben Anwohner gerade im Wohngebiet um den Herrfurth- und Wartheplatz mangels Buserschließung vergleichsweise lange Zugangswege zum ÖPNV. Auch fehlen die Ost-West-Verbindungen, vor allem in Rixdorf.

Voraussetzung für Rufbus: Elektroantrieb

Der Rufbus-Versuch soll für maximal vier Jahre laufen, frühestens ab September 2020. Voraussetzung ist, dass ausschließlich elektrisch betriebene Fahrzeuge genutzt werden. Ob das Angebot dann fortgeführt wird, soll ein Erfahrungsbericht ergeben, der spätestens 30 Monate nach Beginn des Probebetriebs vorgelegt werden muss.

Ebenfalls Teil des Nahverkehrsplans: Die Takte auf den U-Bahn-Linien sollen verdichtet werden, auf der U7 und U8 von derzeit durchschnittlich fünf Minuten in der Hauptverkehrszeit auf 3,3 Minuten. Dies soll schrittweise bis Ende 2023 erfolgen. Wie das angesichts der jetzt schon problematischen Fahrzeugausfälle und Streitigkeiten über Neuanschaffungen gehen soll, steht nicht im Nahverkehrsplan. Allein auf den Großprofillinien wie U7 und U8 werden insgesamt rund 1.000 neue Wagen benötigt.

8.9.2018, Text/Bild: Oliver Schlappat

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